Kirchengemeinderat sagt Nein : Steiniger Weg zur kirchlichen Segnung

Glückliche Gesichter:  Annika und Jessica Kreutzfeldt aus Gettorf erhielten in der Nachbargemeinde den kirchlichen Segen für ihre Lebenspartnerschaft.
Glückliche Gesichter: Annika und Jessica Kreutzfeldt aus Gettorf erhielten in der Nachbargemeinde den kirchlichen Segen für ihre Lebenspartnerschaft.

Zwei Frauen aus Gettorf wollten ihre Lebenspartnerschaft in einem Gottesdienst besiegeln lassen – und stießen dabei auf Hindernisse

shz.de von
15. Mai 2015, 12:50 Uhr

Annika und Jessica Kreutzfeldt aus Gettorf sind glücklich. In einem besonderen Segnungsgottesdienst in der direkt am Kanal gelegenen romanischen Feldsteinkirche St. Peter und Paul aus dem 13. Jahrhundert erhielten gestern Nachmittag erstmals zwei Frauen in Sehestedt den Segen für ihre am Freitag zuvor auf dem Standesamt in Gettorf eingetragene Lebenspartnerschaft. Auch für Pastorin Claudia Bruweleit, Landeskirchliche Beauftragte für das Land Schleswig-Holstein, war es der erste Segnungsgottesdienst dieser Art.

Doch der Weg dorthin war für die Frauen im Kreis Rendsburg-Eckernförde nicht ganz einfach.

Im vergangenen Oktober hatten Annika Jebautzke (29), gelernte Fachangestellte für Bäderbetriebe, zurzeit Zustellerin bei der Post, und Jessica Kreutzfeldt(36), medizinische Fachangestellte in Kiel, entschieden, heiraten zu wollen. Die beiden sind seit 2011 ein Paar. In Deutschland haben gleichgeschlechtliche Paare derzeit kein Recht auf Eheschließung. Um verbindlich füreinander einzustehen und dies nach außen hin zu dokumentieren, können sie nur eine sogenannte eingetragene Lebenspartnerschaft schließen, welche im Vergleich zur Zivilehe mit den gleichen Pflichten, aber weniger Rechten ausgestattet ist. Anstatt der kirchlichen Trauung ist bei gleichgeschlechtlichen Paaren in einer Reihe von Kirchen ein Segnungsgottesdienst erlaubt. Den übernimmt in der Regel der Pastor oder die Pastorin vor Ort, soweit er oder sie dazu bereit ist.

Den beiden Frauen war auch der kirchliche Segen wichtig. Also fragten sie bei der Kirchengemeinde Gettorf an – und erhielten eine Absage von der St. Jürgen-Kirche in Gettorf. „Darüber war ich war schon sehr traurig“, betonte Annika Kreutzfeldt. Sie hatte immer ihren Erstwohnsitz in Gettorf, ist in der Gettorfer St. Jürgen-Kirche getauft und konfirmiert worden. „Es wäre mein großer Wunsch gewesen, auch in der Gettorfer Kirche gesegnet zu werden“, sagte sie. „Ich glaube an Gott. Und Gott liebt doch jeden Menschen. Da passt es für mich einfach nicht zusammen, dass wir nicht hier den kirchlichen Segen bekommen konnten.“

Zu ihrem Glück mussten die Kreutzfeldts nicht ganz auf die Segnung verzichten. Pastorin Claudia Bruweleit, damals noch Gemeindepastorin für den Pfarrbezirk III Schinkel in der Kirchengemeinde Gettorf, erklärte sich bereit, den Gottesdienst in einer anderen Kirchengemeinde zu gestalten. Weil in Sehestedt Verwandtschaft wohnt, fragten die Frauen in der nahen Kirchengemeinde an. Der dortige Pastor Jens-Olaf Grotjahn, zugleich stellvertretender Kirchengemeinderatsvorsitzender, hieß sie sofort herzlich willkommen.

Warum geht in Sehestedt, was in Gettorf nicht geht? „Wir haben im Kirchengemeinderat darüber beraten”, teilte Gettorfs Pastorin und Kirchengemeinderatsvorsitzende Christa Loose-Stolten auf Nachfrage mit. „So ein Beschluss soll möglichst einstimmig sein. In Gettorf war das nicht möglich. Es ist einfach die Entscheidung des Kirchengemeinderates.“ Mehr mochte sie dazu auch nicht sagen.

„Es gibt zu dieser Frage unterschiedliche Auffassungen in der evangelischen Kirche“, erklärte Pastor Stefan Döbler, Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) auf Anfrage. Eine Segnung von Menschen in eingetragenen Lebenspartnerschaften findet in der Regel im Rahmen eines seelsorgerlichen Gespräches statt. Im öffentlichen Gottesdienst ist dies nur im Ausnahmefall möglich, wenn darüber Einmütigkeit zwischen Kirchengemeinderat und der zuständigen Pröpstin beziehungsweise dem zuständigen Propst herrscht.

Pastorin Claudia Bruweleit sieht es als ihre seelsorgerische Entscheidung an, hat sich im Kirchenamt abgesichert, den Probst und den Kirchengemeinderat in Sehestedt gefragt. „Ich schätze sehr, dass sie dort diese Offenheit haben“, sagte sie. „Das sehe ich als großes Zeichen. Wir sind doch auf einem guten Weg.“ Doch sie meint auch, es sei immer noch zu respektieren, dass das in anderen Kirchengemeinderäten nicht mitgetragen werden kann. Man spreche von magnus consensus, großem Konsens, der herrschen müsse und Gefühlen, die nicht verletzt werden sollten. „Mir sind immer die Menschen wichtig“, sagte sie. Hier seien es zwei Frauen, die sich lieben, die sich wünschen gesegnet zu werden. „Wenn man darum weiß, warum soll man Gott nicht um seinen Segen bitten können.“

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