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Trauungen auf Amrum : Standesbeamte sollen Hochzeitspaare abgezockt haben

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Verdacht der Untreue gegen sechs Standesbeamte von der Insel Amrum. Sie sollen für Hochzeiten auf der Nordseeinsel überhöhte Gebühren genommen haben - und das Geld auf ein eigenes Konto gewirtschaftet haben.

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erstellt am 25.Okt.2013 | 15:39 Uhr

Flensburg/Amrum | Sechs Standesbeamte von der Insel Amrum sollen von Brautpaaren für Trauungen außerhalb der Dienstzeiten überhöhte Gebühren verlangt haben. Diese seien dann auf ein eigenes Konto eingezahlt worden, für das drei Frauen und drei Männer im Alter zwischen 31 und 52 Jahren eigens eine Gesellschaft gründeten. Das Jahreseinkommen sei für eigene Zwecke untereinander jährlich aufgeteilt worden.

Die Beamten müssen sich vor dem Flensburger Landgericht wegen Verdachts der Untreue verantworten. Der Prozess begann mit Anträgen auf Nichtverlesung der Anklageschrift und Einstellung des Verfahrens. Mehrere Verteidiger stellten zu Beginn der Sitzung den Antrag, die Anklageschrift nicht zu verlesen und stattdessen das Verfahren einzustellen. Die Schrift weise wesentliche Mängel auf. So fehlten Hinweise darauf, dass die Angeklagten die Absicht hatten, andere zu schädigen. Auch sei der „bloße Anschuldigungscharakter“ der Anklageschrift nicht gewahrt worden. Die Vorwürfe würden geschildert, als seien sie bereits erwiesen. Zudem gebe es keine ausreichend konkreten Zeitangaben, einige Zahlen widersprächen sich sogar. Die Tatvorwürfe beziehen sich auf den Zeitraum von 2005 bis 2009.

Teilweise geht es um weit mehr als 100 Fälle. Eine Angeklagte habe mit den Brautpaaren keinerlei Gespräche über Zahlungen geführt, unterstrich ein Verteidiger. „Er kann gar nicht erkennen, was er gemacht haben soll“, sagte ein anderer Anwalt über seinen Mandanten.

Zudem bezeichneten einige Verteidiger die Besetzung des Gerichts als vorschriftswidrig. Es handele sich um „nicht gesetzliche Richter“, da das Verfahren von einer ursprünglich zuständigen Strafkammer auf eine andere, neu gebildete, übertragen wurde. Das Gericht wies den Antrag auf Nichtverlesung zurück. Die Entscheidung über den Antrag auf Einstellung wurde zunächst zurückgestellt.

Nach der Verlesung Hunderter Fälle äußerte sich zunächst keiner der Angeklagten. „Sie kann sich gar nicht einlassen“, sagte einer der Verteidiger über seine Mandantin - aufgrund der Ablehnung der Richter und Schöffen und der „unrechtmäßigen“ Verlesung der Anlageschrift. Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt.

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