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Spatenstich an der Reichsstraße

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erstellt am 08.Aug.2013 | 03:14 Uhr

Hamburg | Eine Stadtautobahn geht auf Wanderschaft. Mit dem ersten Spatenstich durch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) beginnen heute die Arbeiten zur Verlegung der vierspurigen Wilhelmsburger Reichsstraße; es ist nach dem Ausbau der A 7 das größte Straßenbauprojekt in der Stadt.

Geplant ist, die 4,6 Kilometer lange Trasse der Bundesstraße B 4 / B 74 aus dem Zentrum Wilhelmsburgs um 400 Meter nach Osten zu verschieben - ein einmaliges Unterfangen in Hamburg.

Mit der aufwändigen Operation will die Stadt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die neue Tangente direkt an der Bahnstrecke soll weniger Anwohner durch Lärm belasten als die alte Trasse. Und: Die bisherige Reichsstraße, die den Stadtteil wie ein Sperrriegel trennt, wird zurückgebaut, um Platz für Wohnungsbau und Grünflächen zu machen.

136 Millionen Euro soll der Umzug kosten. Den Löwenanteil steuert der Bund als Träger der Bundesstraße bei, zehn Millionen Euro kommen von der Stadt. Freilich: Dass Ramsauer heute persönlich zum Startschuss auf die Elbinsel kommt, hat vor allem mit Wahlkampf zu tun. Denn über gültiges Baurecht verfügen die Behörden noch nicht. Zwar liegt der Planfeststellungsbeschluss vor - also die "Baugenehmigung" -, doch klagen mehr als 200 Wilhelmsburger dagegen vor dem Oberverwaltungsgericht. Mit aufschiebender Wirkung.

Die Veranstaltung mit der Ministerbeteiligung firmiert offiziell daher lediglich als "symbolischer" erster Spatenstich. Richtig losgehen kann es erst, falls das Gericht in der Hauptsache die Klagen abweisen sollte. Das kann Monate dauern, wenn nicht sogar noch länger. Als Bauzeit veranschlagen die Planer fünf Jahre.

Die Gegner lehnen die Tras se als "verkehrspolitischen Anachronismus, städtebaulichen Unsinn und massive Verschwendung von Steuergeldern" ab. So sei der Neubau viel zu breit, sagen Melanie und Jochen Klein, Mitglieder der Initiative "Engagierte Wilhelmsburger" und zwei der Kläger. Nach der Verbreiterung von 14 auf 28 Meter (vier Fahrspuren plus Standstreifen) würden deutlich mehr als die bisherigen 60 000 Fahrzeuge täglich durch Wilhelmsburg donnern.

"Wir brauchen aber nicht mehr, sondern weniger Verkehr in unserem Stadtteil. Wir brauchen keinen Ausbau von Transitstraßen, der noch mehr Verkehr in die Innenstadt pumpt." Das Lärmproblem der alten Reichsstraße sei im Übrigen ohne weiteres durch Flüsterasphalt und Tempo 50 zu lösen - so wie es für die Internationale Gartenschau (IGS) gerade praktiziert werde. Ihren Unmut wollen die Kritiker den Politikern heute vor Ort mit einem "letzten Spatenstich" demonstrieren. Das Projekt verdiene ein "Begräbnis erster Klasse".

Der SPD-Senat und fast alle anderen Hamburger Parteien halten dagegen. "Die Wilhelmsburger Reichsstraße genügt nicht mehr heutigen verkehrstechnischen Anforderungen", sagt eine Sprecherin von Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) preist die Chancen des bald wieder vereinten Stadtteils. Dort wo noch die B 75 lärmt, könne das neue Herz Wilhelmsburgs entstehen. Gedacht ist unter anderem an den Bau von bis zu 5000 Wohnungen.

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