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Ausbau in SH : So viel neue Windkraft wie noch nie

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswig-Holsteins Anlagenbetreiber stellen einen Rekord beim Ausbau der Windkraft auf - dank neuer Flächen und dem Ersatz kleinerer Rotoren durch größere.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2014 | 10:00 Uhr

Berlin/Kiel | Der Ausbau der Windkraft in Schleswig-Holstein geht schneller als je zuvor. Erstmals installierten Windparkbetreiber im vergangenen Jahr neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 400 Megawatt. Mit genau 428 Megawatt übertreffen die 162 neu aufgestellten Rotoren im Norden nicht nur den zwölf Jahre alten Landesrekord von 376 Megawatt, sondern machen Schleswig-Holstein auch erstmals seit siebzehn Jahren wieder zum Spitzenreiter unter den Bundesländern beim Zubau – knapp vor Rheinland-Pfalz (siehe Tabelle).

„Die Energiewende kommt voran“, freute sich der grüne Kieler Energiewendeminister Robert Habeck gestern über die neuen Zahlen. Mit dem zügigen Ausbau der billigen Windkraft an Land trage Schleswig-Holstein „dazu bei, die Kosten der Energiewende zu senken“. Nun komme es darauf, so weiter zu machen: „Es ist wichtig, dass unser Windstrom auch die Verbrauchszentren in Süddeutschland mit versorgt – dann haben alles was davon“, sagte Habeck.

Der Landeschef des Branchenverbands BWE, Hermann Albers, lobte ebenfalls das Land. „Es macht sich bemerkbar, dass die Landesregierung neue Flächen ausgewiesen hat“, sagte Albers gestern in Berlin am Rande der Präsentation der neuen Zahlen durch seine Bundesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch. Ein zweiter Grund für das beschleunigte Tempo liege im zunehmenden „Repowering“, sagte Albers, also im Ersetzen alter, kleiner Windräder durch neue, große.

So rissen Windmüller in Schleswig-Holstein im letzten Jahr 107 Rotoren mit insgesamt 78 Megawatt Leistung ab. Im Gegenzug errichteten sie an denselben Standorten 68 neue mit einer Kapazität von 185 Megawatt – das ist fast die Hälfte des Zubaus im Land. „Bald könnten es schon mehr als die Hälfte sein“, sagte Albers. Schließlich stehen im Norden viele alte Anlagen, die demnächst das Ende ihrer rund 20-jährigen Laufzeit erreichen.

Auch bundesweit wird das Repowering wichtiger: Von den 2998 Megawatt neuer Gesamtleistung im letzten Jahr ist gut ein Viertel auf Ersatzanlagen zurückzuführen. Im Gegenzug wurden Rotoren mit einer Kapazität von 258 Megawatt abgerissen. Zumindest solche abgebauten Anlagen müsse Bundesenergieminister Sigmar Gabriel bei der geplanten Deckelung des Windkraftausbaus anrechnen, forderte Pilarsky-Grosch: „Wir sind gegen einen Deckel – aber wenn es ihn schon geben soll, dann nur auf den Nettozubau.“ Dasselbe verlangt der Grüne Habeck, weil er befürchtet, dass sonst wegen des wachsenden Ersatzbedarfs bald kaum noch zusätzlicher Ausbau möglich wäre. SPD-Chef Gabriel hat sich in der Frage noch nicht festgelegt.

Pilarsky-Grosch hob zudem hervor, dass die Branche selbst bei Anrechnung der repowerten Anlagen die von Gabriel vorgesehene jährliche Ausbau-Obergrenze von 2500 Megawatt schon jetzt übertreffe: „Gabriel argumentiert immer, dass wir die 2500 Megawatt nicht erreichen – aber nun haben wir sie sogar überschritten“, gab die BWE-Chefin zu bedenken. Sie warnte daher vor den Plänen des Energieministers: „Ein Ausbaudeckel von 2500 Megawatt würde die Möglichkeiten der Windkraft in Deutschland beschneiden.“


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