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So mögen die Professoren ihre Ministerin

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Geldsegen – 280 Millionen Euro für die Fachhochschulen und die Universitäten in Schleswig-Holstein

shz.de von
erstellt am 19.Dez.2013 | 00:34 Uhr

Neue Töne in der schleswig-holsteinischen Hochschullandschaft: Statt der üblichen Kritik von Unis und Fachhochschulen am finanziellen Kurs des Bildungsministeriums, erntete Ministerin Waltraud Wende (parteilos) gestern viel Lob. „Es ist das erste Mal seit zehn Jahren, dass steigende Kosten zur Kenntnis genommen werden und nicht immer nur gekürzt wird“, sagte der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz und Präsident der Fachhochschule Westküste, Professor Hanno Kirsch anlässlich der Unterzeichnung der Zielvereinbarungen für die Jahre 2014 bis 2018. Gerade vor dem Hintergrund, dass die neue schwarz-grüne Koalition in Hessen den dortigen Hochschuletat zusammenstreiche, sei der Kurs in Schleswig-Holstein eindeutig darauf gerichtet, die Bedeutung von Bildung und Wissenschaft zu unterstreichen, waren sich die Professoren mit Wende einig.

Mit sichtlicher Genugtuung unterschrieben die Präsidenten der neun Hochschulen im Norden den Vertrag mit dem Ministerium: Darin sichert ihnen Wende mehr Geld für die kommenden fünf Jahren zu, dafür verpflichten sich die Hochschulen, die Qualität der Lehre zu verbessern und die Frauenquote zu erhöhen.

Die Hochschul-Vertreter sprachen von einem „bemerkenswert offenen Diskurs“ den man früher nicht so erlebt habe, und von einem „Dialog auf Augenhöhe“. Erfreulich sei, dass ihnen die Last von Besoldungs- und Tariferhöhungen zunächst einmal genommen wird. Im Hochschulvertrag verpflichtet sich das Land, diese Erhöhungen von 2014 bis 2018 zu übernehmen. Auch Haushalts- oder Stellenbesetzungssperren soll es in dieser Zeit nicht geben.

Insgesamt stellt Wende 2014 bis 2018 jährlich 278,23 Millionen Euro zur Verfügung. Das ist im Vergleich zur vorausgegangenen Förderperiode der Jahre 2009 bis 2013 ein Plus von 5,1 Millionen Euro.

Die eigentliche „Revolution“ ist jedoch in den Augen des Präsident der Kieler Universität, Gerhard Fouquet, das die Hochschulen künftig extra Geld für besondere Anstrengungen bekommen – etwa was die Internationalität und den Studienerfolg angeht, die Drittmitteleinwerbung und den Technologietransfer. Neben einem Basisbudget gibt es deshalb ein Profilbudget, für das drei Prozent der Haushaltsmittel reserviert sind. Diese drei Prozent werden nur ausgezahlt, wenn die speziell mit jeder Hochschule vereinbarten Ziele tatsächlich erreichen werden. Stellt man bei der jährlichen Überprüfung fest, dass Ziele gar nicht oder nur teilweise erreicht sind, wird gekürzt. Das Geld bleibt aber im System.

Das ist laut Fouquet deshalb eine Revolution, weil andere Bundesländer die Ziele nicht auf die einzelnen Hochschulen zuschneiden, sondern pauschal vereinbaren, was jedoch kontraproduktiv sei, „weil man uns nicht alle über einen Kamm scheren kann“. Im Norden sei es künftig möglich, dass jede Hochschule ihr eigenes Profil schärfen könne.

„Wir geben unseren Hochschulen nicht nur Planungssicherheit, sondern wir belohnen sie auch, wenn sie leistungsstark und innovativ sind“, betonte Wende. Zwei Ziele hat sie allerdings verbindlich vorgegeben: „Die Sicherstellung qualitativ hochwertiger Lehrveranstaltungen und die Verbesserung der Frauenquote waren für mich nicht verhandelbar.“ Es sei inakzeptabel, dass Schleswig-Holstein im Ländervergleich die geringste Zahl Professorinnen habe. Und im Vergleich mit der Forschung komme die Lehre immer noch zu kurz. So werde jetzt festgeschrieben, dass sich Professoren didaktisch fortbilden müssen, sagte Wende.

Kritik kam von der Opposition. Das „angebliche Anreizsystem“ lasse eher eine „verkappten Kürzung“ befürchten. „Ministerin Wende will sich auf diesem Wege Spielgeld für eigene Projekte besorgen und damit zukünftig noch stärker in die Hochschullandschaft hineinregieren“ vermutet der FDP Abgeordnete Christopher Vogt. Zudem werde durch Zielvereinbarungen der Grundsatz der Freiheit von Forschung und Lehre verletzt.

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