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Notenschnitt 2,51 : So gut sind die Abiturienten in SH

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Auf jedem fünften Abi-Zeugnis steht im Norden eine „1“ vor dem Komma. Kritiker bemängeln, das Phänomen „Kuschelnoten“ verwässere die Aussagekraft der Zeugnissen.

Kiel | Sind die Kinder heute klüger, die Lernbedingungen besser oder die Lehrer tüchtiger? 50- oder 60-Jährige können sich auf jeden Fall nicht daran erinnern , in ihrer Schulzeit je einem Einser-Abiturient begegnet zu sein. Heute haben Schüler mit Traumnoten jedoch keinen Seltenheitswert mehr. Allein Schleswig-Holstein meldete in diesem Jahr mehr als 100 solcher 1,0-Abiturienten. Damit nicht genug: Auf jedem fünften Zeugnis, auf dem die Hochschulreife bescheinigt wird, steht im Norden eine „1“ vor dem Komma. Wer heute eine Zwei oder Drei bekommt, fühlt sich deshalb fast als Verlierer.

Insgesamt schnitten die Abiturienten 2014 in Schleswig-Holstein mit einer Durchschnittsnote von 2,51 und damit geringfügig besser als im Vorjahr (2,52) ab. Negativ auf die Endnoten wirkten sich jeweils die Klausurergebnisse in den Fächern Deutsch und Mathematik aus. Die durchschnittlich erreichte Punktzahl in beiden Fächern schwankt seit Jahren minimal um den Wert von 7,7 (Note 3 bis 3–). Deutliche bessere Ergebnisse erzielen die Abiturienten in den Fremdsprachen – vor allem in Latein mit einem Durchschnittswert von 10 Punkten (Note 2–). Im Fach Spanisch lag der Durchschnitt in diesem Jahr sogar bei 11,2 (Note 2). Maximal möglich sind 15 Punkte (1+). Nicht ganz so gut sind die Noten in Englisch (8,5 Punkte) und Dänisch (8,8 Punkte). Wobei der Trend in allen Fächern über die Jahre stabil ist.

Interessant ist die Streuung der Punktzahl in Mathematik. Hier zeigt die neuste Statistik des Kieler Bildungsministeriums, dass es mit 15 Prozent überdurchschnittlich viele hervorragende Schüler gibt, die in der Mathe-Abschlussklausur die höchste Punktzahl ergatterten. Gleichzeitig war jedoch auch die Quote der Gescheiteren in diesem Fach mit 16 Prozent (0 bis 4 Punkte) am höchsten. Zum Vergleich: Im Fach Deutsch erreichten nur sieben Prozent, in Englisch sogar nur vier Prozent nicht die nötige Punktzahl für das Bestehen. Laut Ministerium fielen drei Prozent derjenigen, die zum Abitur angetreten waren, durch die Prüfung. 9330 bestanden sie.

Das Phänomen der „Kuschelnoten“ wird seit Jahren deutschlandweit diskutiert. Weil die Verteilung der Begabung über die Jahre gleich geblieben sein dürfte, wird als eine mögliche Erklärung für die Inflation der guten Abschlüsse der zunehmende Druck angeführt, der auf Schüler, Eltern und damit auch auf Lehrer durch Studienzugangsbeschränkungen (Numerus Clausus) ausgeübt wird. Mittelmäßige Noten verbauen Studienwege und damit Zukunftschancen. Die Neigung der Lehrer, bessere Noten zu geben, steige, weil die in den seltensten Fällen zu Konflikten führen, meinen Experten.

Wenn aber alle Lehrer bessere Noten geben und alle Schüler bessere Zensuren erhalten, fällt die Note als Auswahlkriterium aus. In Handel und Handwerk sind deshalb Eingangsprüfungen für die Auswahl der Azubis nichts Ungewöhnliches mehr.

> In der gymnasialen Oberstufe wird die Qualifikation nach dem Punktesystem gemessen – es reicht von 15 Punkten (Note 1+) bis zu 0 Punkten (Note 6).

 

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erstellt am 05.Sep.2014 | 16:01 Uhr

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