Sixpacks auf dem Vulkan

Voller Kraft und doch schwerelos: Die Bad Boys of Dance mixen in 'Rock the Ballet' einen beeindruckenden Cocktail aus klassischen Tanzfiguren, Hip-Hop-Rhythmen und hoher Dynamik.
Voller Kraft und doch schwerelos: Die Bad Boys of Dance mixen in "Rock the Ballet" einen beeindruckenden Cocktail aus klassischen Tanzfiguren, Hip-Hop-Rhythmen und hoher Dynamik.

Avatar_shz von
07. Januar 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Ballet - angestaubt, verkünstelt, öde und auf keinen Fall etwas für junge Leute? Von wegen. Rasta Thomas und seine Bad Boys of Dance treten den fulminanten Gegenbeweis an. In ihrer Show "Rock the Ballet", die am Samstag Weltpremiere in Hamburg feierte, brennt das US-Tanzensemble ein Pop-Ballet-Feuerwerk ab, das ganz ohne Tutu, Strumpfhosen und Spitzenschuhe auskommt. Ein atemloser Tanz auf dem Vulkan im Hier und Heute, mit einer tiefen Verbeugung für das Gestern. Das begeisterte Publikum auf Kampnagel hielt es am Ende nicht auf den Sitzen.

Klassisches Ballet sei ihm irgendwann zu langweilig geworden, sagt der künstlerische Leiter der bösen Tanz-Buben aus den Staaten. So gründete Rasta Thomas (31) seine Bad Boys und erdachte das Rock-Ballet. Die erste Show feierte ab 2009 weltweit Erfolge, 500 000 Zuschauer ließen sich mitreißen.

Nun ist die Truppe zurück mit einem neuen Programm, für deren Erstaufführung sie sich die Tanzhochburg Hamburg erwählt haben. Bis zum 20. Januar gastiert "Rock the Ballet" noch auf Kampnagel, danach geht es auf Tournee durch Deutschland und Österreich.

90 Minuten dauert die muntere Melange aus Ballet und modernem Tanz. Die Choreografien stammen wieder von Thomas Ehefrau Adrienne Canterna. Zu Pop- und Rap-Klängen - von Michael Jackson über Coldplay bis LMFAO - verbinden die sechs Tänzer und eine Tänzerin in schneller Folge Schritte, Drehungen und Hebungen klassischer Prägung mit Elementen jetziger, weit rasanterer Tanzstile.

Vor der Pause erzählt die vorzüglich ausgebildete Compagnie dabei erstmals auch eine Geschichte - eine ganz und gar Ballet-mäßige freilich. Eine von der romantischen Liebe, vom glücklichen Finden und vom schmerzlichen Verlieren.

Im zweiten Teil wirds populärer - musikalisch wie tänzerisch. Disco-Stampfer wie "Stayin Alive" und "Move like Jagger" befördern die Besucher endgültig in die Senkrechte. Und dass Tanz seit jeher ganz viel mit Erotik zu tun hat, wird spätestens auf der Zielgerade der Show greifbar. Zu "Im sexy and I know it", legen die Tänzer ihre Sixpacks frei - sehr zur Freude der weiblichen Zuschauer.

Was wünscht sich Rasta Thomas für diese seine Art, Ballet ins 21. Jahrhundert zu übersetzen? "Wir möchten beim Publikum eine Grundlage für eine neue Liebe zum Tanz legen." Es wird ihm wohl gelingen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen