Singkreis drohte Aus : Seniorentreff: Gema zieht Rechnung für Volkslieder zurück

Helga von Assel serviert den Mitgliedern des Singkreises gern Kaffee und Kuchen.
Helga von Assel serviert den Mitgliedern des Singkreises gern Kaffee und Kuchen.

Ein paar ältere Damen in Fahrdorf befürchteten horrende Nachzahlungen. Die Gema bekam viele Anrufe wütender Bürger.

shz.de von
12. Mai 2015, 09:35 Uhr

Fahrdorf | Für den Singkreis der Senioren in Fahrdorf bei Schleswig zeichnet sich ein glückliches Ende ab. Die Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) hat angekündigt, die Rechnung in Höhe von 24,13 Euro für das Singen von Volksliedern zu stornieren. Dem ehrenamtlich organisierten Kaffeekränzchen mit Gesangseinlagen drohte das Aus, weil die Senioren horrende Nachzahlungen befürchteten.

„So wie sich der Fall jetzt darstellt, erfüllt das Treffen nicht die Kriterien einer öffentlichen Veranstaltung und auch die Lieder sind nicht geschützt“, sagte Gema-Sprecherin Gabi Schilcher. Das habe sich anfangs im Gespräch mit den Betreibern noch anders dargestellt. Die Gema war aufgrund einer Ankündigung in den „Schleswiger Nachrichten“ auf das Treffen aufmerksam geworden.

Mit dem Wirbel um ihren Singkreis haben die Seniorinnen nicht gerechnet. Nahezu ununterbrochen klingelte am Montag das Telefon im Büro von Helga von Assel (77). Sie betreibt mit ihrem Mann das Café in Fahrdorf, in dem der Singkreis stattfand. „Wir hatten Anrufe vom ZDF und auch die ‚Bild-Zeitung‘ war hier“, sagt Helga von Assel. Viele Menschen hätten sich bei ihr gemeldet, um Hilfe anzubieten, zum Beispiel indem sie die Gema-Kosten übernähmen oder Listen mit lizenzfreien Liedern zur Verfügung stellten.

Die Reaktionen im Internet verfolgte von Assel auf Papier. Ihre Tochter hat hunderte von Kommentaren aus den sozialen Netzwerken ausgedruckt. Viele Leser reagierten empört. „Volkslieder gehören dem Volk, sonst würden sie GEMALIEDER heißen“, schreibt zum Beispiel Michaele Parple auf der Facebookseite von shz.de.

Auch bei Twitter gab es Reaktionen:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de data-scribe-reduced-action-queue="><p lang="de" dir="ltr">&quot;Singen ist in Deinem Land leider nicht verfügbar.&quot; &gt;&gt; Die GEMA hält unser Land in Geiselhaft! &gt;&gt; <a href="http://t.co/C6537KBbl5">http://t.co/C6537KBbl5</a></p>&mdash; Sebastian Jabbusch (@SebJabbusch) <a href="https://twitter.com/SebJabbusch/status/597760308204195840">May 11, 2015</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de data-scribe-reduced-action-queue="><p lang="de" dir="ltr">Kann ja nicht sein, dass hier in Deutschland einfach jeder Kaffeekranz unreglementiert seine Lieder singt! <a href="https://twitter.com/hashtag/GEMA?src=hash">#GEMA</a> <a href="http://t.co/L2vupZSJ7M">http://t.co/L2vupZSJ7M</a></p>&mdash; Jana Reinhardt (@RottenHedgehog) <a href="https://twitter.com/RottenHedgehog/status/597674620267962369">May 11, 2015</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de data-scribe-reduced-action-queue="><p lang="de" dir="ltr">Die Gema demonstriert, warum Urheber- und Verwertungsrechte dringend rundumerneuert werden müssen: <a href="http://t.co/9VagRsfcuy">http://t.co/9VagRsfcuy</a> / <a href="https://twitter.com/Senficon">@Senficon</a></p>&mdash; Mario Sixtus (@sixtus) <a href="https://twitter.com/sixtus/status/597304709477736448">May 10, 2015</a></blockquote>

Gema-Sprecherin Gabi Schilcher bekam ebenfalls viele Anrufe wütender Bürger. Sie sagte, dass das Thema auch ohne die Medien schnell hätte aus der Welt geschafft werden können. Schilcher betonte, es sei nicht Anliegen der Gema, Menschen vom Singen abzuhalten.

Die Ankündigung der Gema, die Rechnung zu stornieren, sei beruhigend, so Helga von Assel. Durch die Debatte sei zumindest das Engagement für ältere Menschen etwas mehr ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Senioren wollen am Mittwoch beraten, wie sie weiter mit der Situation umgehen. „Viele sind trotzdem verunsichert und enttäuscht, dass es in unserer Gesellschaft überhaupt so etwas gibt.“

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