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Sechs Profiler jagen Einbrecher

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erstellt am 23.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Kiel | Mit Methoden wie bei Morden legt die Polizei von Schleswig-Holstein derzeit Einbrechern das Handwerk. Eine Gruppe von sechs Beamten analysiert seit mehr als einem halben Jahr jeden gemeldeten Einbruch und erstellt aus den Spuren ein Täterprofil. Die Ermittler haben bereits 16 unterschiedliche Banden identifiziert, es gab 28 Festnahmen und 14 Haftbefehle. Acht Einbrecher sitzen hinter Gittern: Serientäter, teilweise aus anderen Bundesländern und sogar aus Chile. "Das neue Konzept zur Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen zeigt erste Erfolge", sagte Innenminister Andreas Breitner (SPD) gestern. Seit dem Start im November sei die Zahl der Einbrüche im Land um 771 Fälle, also 16 Prozent zurückgegangen.

Gleichwohl steht der Innenminister, was die Einbruchszahlen angeht, weiter unter Druck - denn Schleswig-Holstein ist offenbar ein Paradies für die Täter. Im Vergleich zum Süden wird in Norddeutschland viermal häufiger in Wohnungen und Häuser eingebrochen. Von 2008 bis 2012 gab es eine Steigerungsrate von 25,6 Prozent auf 7654 Fälle. Und die Aufklärungsquote liegt mit 11,3 Prozent auch deutlich unter der in Süddeutschland.

Die Ursachen für das Nord-Süd-Gefälle liegen im Dunkeln. "Für die regionale Diskrepanz gibt es bisher keine wissenschaftliche Erklärung", sagt Tilmann Batsch vom Kriminologischen Institut Niedersachsen. Antworten soll jetzt ein dreijähriges Forschungsprojekt liefern. Bereits gesichert ist, dass Einbrüche immer häufiger von Banden begangen werden. "Die Täter agieren überörtlich", sagt Carsten Rapp, der die Gruppe der Einbruchsprofiler leitet. Die Täter reisten aus benachbarten Bundesländern ein oder kämen sogar aus dem Ausland, wie die Festnahme der Chilenen belege. Der Grad der Professionalisierung schwankt. Rapp: "Es gibt Banden, die einfach nach günstigen Gelegenheiten suchen - aber auch solche, die lohnende Objekte gezielt ausspähen."

Neben der Analyse der Einbrüche überwachen Landespolizeiamt und Landeskriminalamt Telefone und Geldflüsse von gestohlenen EC-Karten, um die Täter aufzuspüren. "Wir gehen auch Hinweisen der Bevölkerung nach, wenn in Internet-Auktionshäusern verdächtige Angebote auftauchen", erklärt Stefan Nietz vom Landeskriminalamt. Gleichzeitig versuchen die Ermittler Hehler auszuschalten, damit die Täter ihre Beute nicht absetzen können. Und da die Autobahnen als Fluchtrouten dienen, gibt es dort taktische Kontrollen.

Das Konzept sei sehr personal- und arbeitsintensiv, betonte Innenminister Breitner. Die Polizei setze aber hier den richtigen Schwerpunkt: "Einbruchskriminalität ist keine Bagatelle, dies trifft den Nerv der Bevölkerung." Viele Menschen seien nach Einbrüchen traumatisiert. "Ich habe Einbruchsopfer erlebt, die aus ihrem Haus ausgezogen sind, weil jemand Fremdes sich darin bewegt hat", sagte Breitner, der selber fünf Jahre in einer Polizeiberatungsstelle gearbeitet hatte. Günter Santjer, Sprecher des Weißen Rings bestätigt: "Das Problem ist nicht unbedingt der materielle Verlust. Aber wenn jemand in den intimsten geschützten Bereich eines Menschen eindringt, dann hinterlässt das oftmals nachhaltige Spuren."

Auch gestern waren wieder Einbrecher in Schleswig-Holstein aktiv. Aus dem Büro eines Pflegedienstes in Flensburg schleppten sie zwei Tresore, in der Holstenschule in Neumünster lösten sie den Alarm aus und in Burg (Kreis Dithmarschen) stiegen sie in ein Einfamilienhaus ein. "Wir sind am Anfang der Arbeit, die zu leisten ist, aber noch längst nicht am Ende", erklärte Breitner. Gleichwohl sei Schleswig-Holstein mit seinem Vorgehen bundesweit ein Vorreiter. Das zunächst auf sechs Monate angelegte Konzept ist bis Ende Juni verlängert. "Dann werden wir entscheiden, ob es ganzjährig ausgedehnt wird", so der Minister.

Über den Schutz vor Einbrechern informiert die Polizei unter der Internet-Adresse www.polizei-beratung.de

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