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Schweinswale - zurück in der Elbe

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erstellt am 02.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Hamburg | "Da ist einer: Direkt auf 12 Uhr, hundert Meter vor uns." Die Stimme von Veit Hennig klingt aufgeregt. Seit über einer Stunde kurvt der Biologe vom Zoologischen Institut der Uni Hamburg mit einem Schlauchboot auf der Elbe herum.

Gemeinsam mit Kollegin Denise Wenger von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine sucht er vor Hamburg-Teufelsbrück nach Schweinswalen. Die Naturwissenschaftler wollen erforschen, was die Meeressäuger zwischen Anfang März und Mitte Juni in die dicht befahrene Elbe treibt.

Eins ist sicher: "Der Schweinswal verirrt sich nicht in Norddeutschlands Flüsse", sagt Wenger: "Es ist eine Rückeroberung seines ursprünglichen Lebensraumes." Noch vor 100 Jahren tummelten sich die Meeressäuger in der Weser bis südlich von Bremen und in der Elbe bis hinauf nach Magdeburg. "Damals vermutete man, dass sie den Fischschwärmen folgten."

Durch Jagd und Umweltverschmutzung waren die Schweinswale Mitte des vergangenen Jahrhunderts aus den Flüssen und Teilen der Nordsee verschwunden. Doch mittlerweile ist die Jagd auf sie verboten; und da das Wasser in den vergangenen 20 Jahren deutlich sauberer geworden ist, siedelten sich viele Fischarten wieder an und erholten. "Seit 2007 haben wir jedes Jahr Meldungen von Schweinswal-Sichtungen erhalten", erzählt Wenger.

"Offensichtlich hat es sich unter ihnen herum gesprochen, dass man jetzt wieder in die Elbe schwimmen und Futter finden kann", sagt sie mit leisem Lachen. Vielleicht sei der Nahrungsdruck in der Nordsee so groß, dass es sich für die Schweinswale lohnt, sozusagen für ein paar kleine Fische in eine stark befahrene Wasserstraße zu schwimmen und das Risiko auf sich zu nehmen, von einem Schiff angefahren zu werden. Erst am Montag zog die Feuerwehr bei Blankenese ein totes Tier aus dem Wasser.

Wenger und ihr Kollege Hennig wollen ergründen, wann und wo sich die Schweinswale in der Elbe aufhalten, welche Bedeutung das Gebiet für sie hat, wie viele unterwegs sind, was sie hier machen und welche Fischarten sie jagen.

Unterstützung gibt es auch durch Klick-Detektoren, armlange, graue Plastikrohre mit einem Ultraschall-Mikrofon, die die Klick-Laute der Tiere in einem Radius von 200 Metern registrieren.

Bereits vor Auswertung der gesammelten Daten haben Veit und Wenger erstaunliche Ergebnisse zusammengetragen: "Bislang gelten Schweinswale als äußerst scheue Tiere. Doch die genauen Beobachtungen ergaben jetzt, dass Schweinswale verspielt sind und ganz schön frech sein können." So habe ein Motorbootfahrer berichtet, dass eine Gruppe von Walen so nahe herankam, dass er sie vom Boot aus hätte streicheln können. Und eine Seglerin schilderte, wie sie zwei Schweinswale "Bauch an Bauch aus dem Wasser springen" sah.

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