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Sinkende Schülerzahlen : Schulleiter müssen auf Gehalt verzichten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Land Schleswig-Holstein reagiert auf sinkende Schülerzahlen - mit Gehaltseinbußen. Viele Schulleiter müssen zudem mit einer Zwangsversetzung rechnen.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Kiel | Weil die Zahl der Schüler dramatisch sinkt, müssen etliche Schulleiter in Schleswig-Holstein in naher Zukunft mit einer Versetzung oder Gehaltseinbußen rechnen. Das geht aus der Antwort des Kieler Bildungsministeriums auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion hervor. Betroffen sind 140 Rektoren, Konrektoren oder Koordinierungslehrer an landesweit 120 Schulen. Die Gehaltseinbußen könnten sich auf bis zu 480 Euro belaufen. Nebenbei wirkt sich das Minus bei der Besoldung auf die Berechnung der späteren Pension aus.

Grundlage ist das Besoldungsgesetz des Landes. Danach müssen Schulleiter und ihre Stellvertreter oder auch Koordinierungslehrer für Orientierungs- oder Oberstufen je nach Schülerzahl ihrer Schule besoldet werden.

Beispiel: Der Rektor einer Grundschule mit bis zu 180 Schülern erhält die Besoldungsgruppe A13. Ist die Schule größer, gibt es eine Zulage, ab 360 Schülern gibt es A14. Die Differenz macht bis zu 480 Euro brutto aus. Sinkt nun die Schülerzahl, kann sich der Beamte entweder auf eine Stelle an einer anderen, größeren Schule bewerben. Möglich ist aber auch eine Zwangsversetzung, es sei denn, es liegen besondere „persönliche oder soziale Gründe“ vor. Wer die Versetzung vermeiden will, kann „beantragen, für ein Amt ernannt zu werden, das der geringer gewordenen Schülerzahl entspricht, um auf diese Weise Funktion und beamtenrechtlichen Status in Einklang zu bringen.“ Soll heißen: Die Lehrkräfte bitten selbst darum, weniger zu verdienen.

Das Bildungsministerium begründet die gängige Praxis zudem mit dem haushaltsrechtlichen Gebot eines wirtschaftlichen und sparsamen Einsatzes öffentlicher Mittel. Ganz neu ist das Problem nicht. Bereits seit 2006 sinken die Schülerzahlen kontinuierlich. Bis 2020 werden an den Schulen im Norden 50.000 Schüler weniger lernen als heute.

Der Vorsitzende des Schulleitungsverbandes, Uwe Niekiel, appellierte an Bildungsministerin Waltraud Wende, soziale Belange betroffener Lehrkräfte stärker zu berücksichtigen. Was beamtenrechtlich in Ordnung sei, „ist menschlich häufig ein Problem.“ Auch die bildungspolitische Sprecherin der CDU, Heike Franzen, pochte auf sozialverträgliche Lösungen.

Welche Lehrkräfte mit Funktionsstellen an welchen Schulen betroffen sind, teilte das Ministerium aus Datenschutzgründen nicht mit. Allein im Kreis Schleswig-Flensburg trifft es 19 Schulen, in Rendsburg-Eckernförde 14, im Kreis Pinneberg zwölf, in den Kreisen Nordfriesland und Dithmarschen je elf, in Steinburg neun, in Stormarn sieben, in Flensburg fünf sowie in Neumünster und Ostholstein je vier.

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