Schulgesetzpläne: IHK warnt vor Leistungsverlust, Lehrergewerkschaft lobt Chancengleichheit

von
07. November 2013, 00:31 Uhr

Die Pläne der Landesregierung für ein neues Schulgesetz bleiben umstritten. Experten warnen vor hohen Folgekosten der Reform beim Land wie den Kommunen. Erkennbar unterfinanziert sei zudem die Inklusion (gemeinsamer Unterricht) von Schülern mit Behinderungen an Regelschulen, heißt es in Stellungnahmen zu der Schulgesetznovelle.

Auch mit dem neuen Schulgesetz bleibe die Situation für Schüler mit Behinderungen „unbefriedigend und katastrophal“, schreibt der Verband für körper- und mehrfach-behinderte Menschen. So sehe der Gesetzentwurf eine inklusive Beschulung nur dann vor, wenn „die personellen, sachlichen und organisatorischen Möglichkeiten“ dies erlaubten. Dieser Haushaltsvorbehalt müsse gestrichen werden. Ähnlich äußerte sich der Verband Sonderpädagogik.


„Ideologische Verschiebung“


Kritisch sehen Wirtschaft und Lehrerverbände den Plan, dass „Gemeinschaftsschulen ohne große Hürden Oberstufen einrichten können.“ Eine „rein ideologische Verschiebung“ von Schülern Richtung Gemeinschaftsschulen wittert der Verband der Lehrkräfte an Berufsbildenden Schulen (VLBS). Das Ziel, die Zahl der Abiturienten zu steigern, könne „problemlos und ohne großen finanziellen Aufwand“ auch durch die vorhandenen landesweit 30 Beruflichen Gymnasien erreicht werden.

Die IHK Schleswig-Holstein warnt davor, die Struktur leistungsfähiger Gymnasien zu gefährden. „Sachgerecht und ressourcensparend“ sei es, auf bestehende Gymnasien und Berufliche Gymnasien zurückzugreifen. Auch die Interessenvertretung Lehrkräfte (IVL) kritisiert die „nahezu flächendeckende Einführung gymnasialer Oberstufen an Gemeinschaftsschulen“ als „Verschwendung“. Vor allem kommunale Schulträger würden vor „unübersehbare finanzielle Herausforderungen gestellt.“ Kritik richtet die IVL auch gegen die beabsichtigte „Zwangsumwandlung von Regionalschulen“ zu Gemeinschaftsschulen. Der von der Regierung propagierte „freie Elternwille erfährt hier eine geradezu diktatorische Einschränkung“, heißt es.


Abitur auch nach neun Jahren


Philologenverband und Landeselternbeirat der Grundschulen und Förderzentren kritisieren, dass Gymnasien auf den achtjährigen Weg zum Abitur festlegt werden. Die Möglichkeit, das Abi nach neun Jahren anzubieten, müsse bleiben.

Beifall für die Regierungspläne kommt hingegen von der GEW sowie vom BeratungslehrerInnenverband (BLV). Das Gesetz werde das längere gemeinsame Lernen stärken und die soziale Auslese im Schulsystem zurückdrängen, sagte GEW-Landesgeschäftsführer Bernd Schauer. Dies eröffne vielen Kindern die Chance, höhere Schulabschlüsse zu erreichen. Der BLV zweifelt jedoch an der Einschätzung der Regierung, „dass eine kostenneutrale Umwandlung von Regional- in Gemeinschaftsschulen möglich ist“, wenn binnendifferenzierter Unterricht das Ziel sei. Dies erfordere zusätzliche Unterrichtsräume sowie mehr Personal. Auch die Inklusion werde scheitern, wenn nicht genügend Lehrkräfte für die Schüler da seien.

Die Voten sind Gegenstand der Beratungen des Bildungsausschusses zur Schulgesetznovelle, die im Januar beschlossen werden soll. Eine mündliche Expertenanhörung ist für Ende November geplant. Danach werde die Koalition „sicher noch Änderungen“ an dem Gesetzentwurf vornehmen, sagte SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat. Wo dies der Fall sein werde, sei offen.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen