zur Navigation springen

Rekrutierung verhindern : Schulen in SH wappnen sich gegen Salafisten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Experten suchen Strategien gegen religiösen Extremismus. Ein Frühwarnsystem soll islamistische Anwerbe-Versuche verhindern.

shz.de von
erstellt am 02.Nov.2014 | 18:42 Uhr

Kronshagen/Kiel | Die Schulen im Land wappnen sich gegen Anwerbeversuche von Salafisten und islamistisch motiviertes Mobbing. Am Dienstag berät im Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH) in Kronshagen erstmals eine Expertenrunde, wie sich Strategien für den Umgang mit religiösem Extremismus unter Jugendlichen entwickeln lassen. Beteiligt sind das Bildungsministerium, Schulräte, Polizei und Verfassungsschutz, der Rat für Kriminalitätsverhütung, der Arbeitskreis Kinder- und Jugendschutz sowie Vertreter aus der Lehrerfortbildung. Zu den Zielen gehört eine Art Frühwarnsystem gegen dschihadistische Nachwuchssuche.

Wachgerüttelt hat das Bildungsministerium offenbar eine Kieler Schule, die hatte dringenden Unterstützungsbedarf signalisiert. Ministeriumssprecher Thomas Schunck tut sich schwer, von einem regelrechten Anwerbe-Fall zu sprechen. „Es gab dort ein paar Beobachtungen, die das Lehrerkollegium dazu veranlasst haben, Rat zu suchen.“ Kurzfristig kam es daraufhin allein für Angehörige dieser Schule zu einem Seminar. Aus Bremen wurde ein Spezialist geholt, der mit dem Bundesamt für Flüchtlinge zusammenarbeitet. „Was wir jetzt vorhaben, besitzt einen großen Prophylaxe-Anteil“, sagt Schunck. Heißt: Man möchte die Lehrer für den Fall rüsten, dass da etwas kommt.

Das Landeskriminalamt (LKA) weiß von „einigen wenigen Fällen“, in denen es in Schleswig-Holstein Rekrutierungsversuche von Jugendlichen durch Salafisten gab. Allerdings hätten sich diese außerhalb von Schulen abgespielt, so Behördensprecher Uwe Keller. Darüber hinaus seien indes „in sehr wenigen Fällen Sachverhalte bekannt geworden, in denen die religiöse Prägung von Schülern zu Störungen im Schulbetrieb geführt hat“. Dabei hätten Schüler versucht, auf Klassenkameraden religiösen Einfluss zu nehmen. Das kann zum Beispiel so aussehen, dass Mädchen mit muslimischem Hintergrund bedrängt werden, wenn sie keinen Schleier tragen oder am Schwimmunterricht teilnehmen.

Wachsamkeit gegenüber einer extremen islamistischen Beeinflussung Heranwachsender ist offenbar besonders in Lübeck, Neumünster, Kiel und Pinneberg geboten. Diese Städte nennt die Polizei als Schwerpunkte der salafistischen Szene in Schleswig-Holstein. Dem Personenkreis gehören landesweit laut Verfassungsschutz gut 200 Menschen an, „diverse davon im jugendlichen Alter“. Schließlich spreche die salafistische Ideologie vornehmlich jüngere Leute an, unterstreicht LKA-Sprecher Keller. Im Fokus der Dschihadisten stünden Jugendliche ohne familiären und sozialen Halt. Diese Zielgruppe gilt für ein einfaches Weltbild und ein neues, ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl als besonders empfänglich.

Ein weiterer Indikator, wie sehr das Thema Pädagogen unter den Nägeln brennt, kommt von der Hermann-Ehlers-Akademie in Kiel. Die bietet am 24. November ein Seminar mit dem Titel „Salafismus und religiöses Mobbing als Herausforderung des Schulalltags“ an – speziell für Lehrkräfte und vom IQSH als Fortbildungsveranstaltung anerkannt. „Das Seminar ist dermaßen überbucht, dass wir schon einen zweiten Termin angesetzt haben – der auch schon fast voll ist“, berichtet Studienleiter Volker Matthée. „Das zeigt, dass das offenkundig ein Thema an den Schulen auch in Schleswig-Holstein ist.“

Die Lehrer-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt die Initiative des Landes, ein Konzept für den Umgang mit salafistischen Tendenzen auf den Weg zu bringen. „Wir können davor nicht die Augen verschließen“, sagt Geschäftsführer Bernd Schauer. Er hofft nicht nur auf einen Leitfaden und Fortbildungsangebote. Noch wichtiger ist Schauer eine Liste mit Experten, die Lehrern bei kritischen Beobachtungen umgehend verständigen und um Rat fragen können.

„Wir wollen uns am 4. November erstmal sortieren und gucken, wer an welcher Stelle sein Knowhow in ein Konzept einbringen kann“, erklärt IQSH-Sprecherin Petra Haars. „Es ist ein erster Baustein dessen, was wir im Land vorhaben.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen