Kinderschutzbund will mehr Kooperation

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07. Januar 2013, 01:14 Uhr

Kiel | Der Fall des Segeberger Kellerkindes sorgte 2012 für Entsetzen. Oft könnten Eltern eine Eskalation verhindern, sagt der schleswig-holsteinische Kinderschutzbund. Dieser fordert mehr Aufgeschlossenheit von überforderten Eltern gegenüber Hilfsangeboten. Zu viele Kinder seien mittlerweile zum vorgesehenen Zeitpunkt nicht schulfähig, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Bernd Heinemann. "Häufig kommt die Jugendhilfe erst spät zum Einsatz, weil die Fälle sich erst zuspitzen, bis jemand zu Hilfe kommt."

Die wenig bis kaum vorhandene Kooperationsbereitschaft der Eltern sei auch im Fall des sogenannten Segeberger Kellerkindes das Hauptproblem gewesen, sagte Heinemann. Grundsätzlich reiche die rechtliche Handhabe in derlei Fällen aus. Generell müssten Gesundheits-, Jugend- und Schulämter seiner Ansicht nach aber noch enger zusammenarbeiten. Gefordert sei deshalb insbesondere auch Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos). "Was in diesem Fall im Segeberger Jugendamt schiefgelaufen sein mag, ist von außen aber schwierig zu analysieren." Eltern sollten bei möglichen Problemen offen für Gespräche sein. "Sie merken, dass da was nicht in Ordnung ist", sagte Heinemann.

Dennoch leugneten viele von ihnen Missstände zunächst, wenn sie darauf angesprochen werden. In den meisten Fällen seien viele aber dann kooperationsbereit, wenn Sie erkennen, dass nicht der Stab über sie gebrochen wird. Aufmerksam sollten vor allem nahe Verwandte und Bekannte sein. Außer physischen Verletzungen sei auch ständiges Geschrei eines Kindes in der Wohnung ein Alarmzeichen für drohendes Ungemach. Gleiches gelte für häufig schreiende Eltern.

Ein Schema F zum Erkennen von Problemen gebe es allerdings nicht, sagte Heinemann. "Deshalb ist jeder Einzelfall mit Behutsamkeit und Achtsamkeit zu sehen." Verwandte oder Bekannte sollten sich an das zuständige Jugendamt, eine Beratungsstelle oder den Kinderschutzbund wenden, in besonderen Fällen vielleicht sogar sofort an die Polizei.

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