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IHK Schleswig-Holstein : Schlechte Straßen bremsen Tourismus aus

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Achtzig Prozent des Tourismus im Urlaubsland Schleswig-Holstein findet an Nord- und Ostsee statt. Doch auch im Binnenland steckt viel Potenzial.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Kiel | Es geht um mehr als Urlaub auf dem Bauernhof. Es geht um eine erhebliche Wertschöpfung, um Arbeitsplätze und eine bessere Lebensqualität. Das alles könnte erreicht werden, wenn die Potenziale, die im Binnentourismus stecken, besser genutzt werden würden. Grund genug also, dem Land zwischen den Küsten erstmals ein Tourismusforum zu widmen. Zu diesem luden gestern die IHK Schleswig-Holstein, der Schleswig-Holstein Binnenland Tourismus und das in Kiel ansässige Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) nach Groß Wittensee bei Rendsburg ein.

Das NIT hat eine bundesweite, vom Deutschen Reiseverband und dem Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie wissenschaftlich begleitet, die die Chancen, Hemmnisse und Handlungsfelder für den Tourismus im ländlichen Raum ausgelotet hat. NIT-Mitarbeiterin Bente Grimm brach die bundesweiten Ergebnisse auf Schleswig-Holstein herunter.

80 Prozent des Tourismus (knapp 25 Millionen Übernachtungen jährlich) im Urlaubsland Schleswig-Holstein findet an Nord- und Ostsee statt. Doch 80 Prozent der Fläche macht der ländliche Raum aus. „Und in dem stecken erhebliche Potenziale“, betonte Grimm. Denn sowohl der Wertewandel als auch die sich verändernde Altersstruktur spielen dem Binnenland in die Karten. „Die Sehnsucht nach Natur, Ruhe, Authentizität wächst genauso wie das grüne Bewusstsein der Urlauber“, sagt Peter Michael Stein, Hauptgeschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein. „Dazu kommt, dass es immer mehr ältere Urlauber gibt, die eine größere Nähe zur Natur haben als die Jüngeren“, ergänzt Bente Grimm. Zudem biete das Binnenland beste natürliche Voraussetzungen für Urlaubstrendthemen wie Wandern, Radfahren, Reiten oder Kanufahren. Groß ist im Landstrich zwischen den Küsten auch die Nähe zu hochwertigen kulinarischen Angeboten und Genüssen, beispielsweise die Initiative der Feinheimischen.

Doch nicht nur die Liste der Chancen, auch die der Hemmschuhe ist lang. Besonders das weitläufige Binnenland braucht eine gute Infrastruktur. „Doch derzeit ist die Erreichbarkeit geprägt durch marode Straßen, Behinderungen durch Baustellen und einen ÖPNV, der nicht auf die Wünsche von Urlaubern zugeschnitten ist“, sagt Grimm. Im Binnenland sei zudem der Fachkräftemangel in Gastronomie und Hotellerie noch dramatischer als an Nord- und Ostsee. Noch mangelt es auch an funktionierenden Netzwerken für die Vermarktung, einer flächendeckenden Breitbandversorgung und einer nachhaltigen Entwicklungs-Strategie, die auch eine Lösung des sich verschärfenden Konfliktes zwischen Tourismus und Energiewirtschaft aufzeigt.

Als positive Beispiele wurden gestern der Barfußpark Schwackendorf an der Flensburger Förde und der Wassertourismus in der Eider-Treene-Sorge-Region vorgestellt. „Trotz aller Hindernisse gibt es große Chancen für den Tourismus im ländlichen Raum – nutzen Sie diese“, forderte Bente Grimm.
 

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