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Sea Kings der Marine : SAR-Luftrettung: Notfallhubschrauber in Not

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Helikopter aus den 60ern kommen kaum noch in die Luft. Bis Helgoland reicht es soeben, zur Ostsee fast nie mehr.

Cuxhaven/Warnemünde | Wegen zunehmender technischer Probleme bei den Hubschraubern der Marine will der Bundestag die Notfallrettung über den deutschen Meeren neu regeln. Das geht aus einem Beschluss des Rechnungsprüfungsausschusses hervor, der shz.de vorliegt. Darin fordern die Parlamentarier den zuständigen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt auf, bis Ende Februar einen „neuen Vorschlag“ zu machen, „wie die zivilen SAR-Aufgaben mit je einem Hubschrauber für die Nordsee und die Ostsee am wirtschaftlichsten wahrgenommen werden sollen“.

SAR steht für „search and rescue“ und heißt „suchen und retten“. Verunglückt etwa ein Flugzeug über dem Meer, sollen SAR-Teams es suchen und die Insassen bergen. Auch havarierten Schiffen wie vor gut vier Jahren der brennenden „Lisco Gloria“ auf der Ostsee kommen sie zur Hilfe. In Deutschland erfüllt bisher die Marine diese Aufgabe im Auftrag von CSU-Minister Dobrindt. Und eigentlich hatte dessen Cuxhavener Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) die Rechnungsprüfer im Mai schon davon überzeugt, dass es dabei bleiben kann. Zudem sollte künftig bei schweren Unfällen in Hochseewindparks die Bundespolizei von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) dem Havariekommando in Cuxhaven beim Retten helfen und dazu einen zusätzlichen Helikopter erhalten.

Der Marine-Hubschrauber „Sea King“ in einem Youtube-Video der Bundeswehr.

Doch bei der Marine fallen mittlerweile die vierzig Jahre alten „Sea-King“-Hubschrauber so oft aus, dass die Abgeordneten an ihrem Beschluss vom Mai zweifeln. Von den 43 Maschinen in Nordholz bei Cuxhaven sind höchstens eine Handvoll einsatzfähig, zeitweise sogar gar keine. Die anderen dienen als Ersatzteillager. Eine Flugstunde erfordert sage und schreibe 122 Wartungsstunden. Wegen dieses „limitierten technischen Klarstands“, räumt ein Sprecher ein, könne die Marine derzeit nur einen Hubschrauber für die Rettung bereitstellen – für die Nordsee auf Helgoland. Passiert dagegen etwas auf der Ostsee, kann es lange dauern, bis Hilfe aus der Luft kommt: Für den Stützpunkt Warnemünde gibt es keinen Helikopter. Das ist auch deshalb nicht verwunderlich, weil Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) jüngst im Haushaltsausschuss laut Angaben von Parlamentariern erklärte, dass der zivile Rettungsdienst für die Marine „subsidiär“ sei, also nachrangig.

Bettina Hagedorn (SPD).
Bettina Hagedorn (SPD). Foto: hfr

Zwar hält Dobrindts Ressort trotzdem „die SAR-Situation in der Nord- und Ostsee für stabil“, wie ein Sprecher sagt. Doch die Rechnungsprüfungsausschuss-Vorsitzende und ostholsteinische SPD-Abgeordnete Bettina Hagedorn kritisiert: „Es stellt sich jetzt heraus, dass das Verkehrsministerium den Mund im Mai zu voll genommen hat.“ Zumal es ein zweites Problem gibt: Innenminister de Maizière sieht seine Bundespolizei nun doch nicht in der Lage, nach Großunfällen in Meereswindparks zu helfen. Der Grund: Die Bundespolizei hat kürzlich zwei Maschinen bei einem Unfall verloren – und Ersatz dafür wollen die Rechnungsprüfer im Parlament erst mal nicht bewilligen. Sie sind nicht überzeugt, dass die Bundespolizei nicht ohnehin zu viele Helikopter an ihrem zentralen Standort in Fuhlendorf bei Bad Bramstedt hat. Daher hat de Maizière sein Angebot nun zurückgezogen.

Dobrindt erwägt jetzt, das ihm unterstellte Havariekommando mit eigenen Helikoptern auszustatten: „Derzeit wird geprüft, inwieweit für Großschadenslagen Mindestreserven an Hubschrauberkapazitäten vorgehalten werden müssen“, sagt sein Sprecher. Das allerdings wäre kostspielig. Einen anderen Vorschlag hat die grüne Bundestagsverkehrsexpertin Valerie Wilms angesichts des Hickhacks zwischen den drei beteiligten Ministerien: „Wenn die Ressorts das untereinander nicht geregelt kriegen“, sagt die Abgeordnete aus Wedel, „dann müssen eben Privatfirmen beauftragt werden.“ Deutschland könne es sich „nicht erlauben, dass ein Notfall auf See eintritt und wir nicht helfen können“.

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erstellt am 15.Feb.2015 | 15:41 Uhr

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