Infrastruktur : Sanierungsfall: Hamburgs Brücken bröckeln

Muss saniert werden: Die Trostbrücke zur Hamburger Neustadt.
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Muss saniert werden: Die Trostbrücke zur Hamburger Neustadt.

Weit mehr als 223 Bauwerke in Hamburg sind marode – 38 sind nicht mehr zu retten und müssen durch Neubauten ersetzt werden. Die Verkehrsbehörde sieht Handlungsbedarf.

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31. März 2014, 14:15 Uhr

Hamburg | Bröselnder Beton und rostende Stahlträger – Deutschlands Brücken sind ein gigantischer Sanierungsfall. Spätestens seit der Teilsperrung der Rader Hochbrücke im vorigen Jahr weiß das auch der Norden. Mehr noch als anderswo löst die erschreckende Bestandsaufnahme in Hamburg größte Besorgnis aus. Mit geschätzt 2500 Exemplaren ist die Elbmetropole nicht nur Europas Brückenhauptstadt, die Querungen sind auch unerlässlich, damit die Handelsdrehscheibe rotieren kann. Umso mehr alarmieren aktuelle Zahlen aus der Verkehrsbehörde: Demnach ist jede fünfte Hamburger Brücke in städtischer Obhut so marode, dass sie saniert werden muss.

1134 Straßenbrücken befinden sich in der Verantwortung des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer, 223 davon sind Sanierungsfälle, teilt der Senat auf Anfrage des CDU-Bezirksabgeordneten Christoph Ploß mit. Keine gesicherten Zahlen liegen zu Eisenbahn- und Hafenbrücken vor. Doch deren Grundzustand ist gewiss nicht besser – was seit Montag wieder an einem Wahrzeichen der Stadt zu besichtigen ist. Die Köhlbrandbrücke im Zuge der Haupthafenroute ist für sieben Monate eine Großbaustelle, um die zahlreichen Alterserscheinungen des 40 Jahre alten Bauwerks beseitigt werden müssen.

Zumindest beruhigt die Verkehrsbehörde: „Die Stand- und Verkehrssicherheit ist bei allen Brücken gegeben.“ Aber: Es bestehe Handlungsbedarf „in den nächsten Jahren“, um die Sicherheit dauerhaft zu erhalten“. Soll heißen: Vergeht zu viel Zeit bis zur Reparatur, werden die Sorgenkinder bald so wackelig, dass die gesperrt werden müssten.

38 besonders kaputte Bauwerke sind schon jetzt nicht mehr zu retten und sollen binnen zehn Jahren durch Neubauten ersetzt werden. Zu den Auslaufmodellen gehören die Brücke Amsinckstraße über den Mittelkanal (im Zuge der B 4), die Hannoversche Brücke im Zentrum Harburgs sowie die Öjendorfer Brücke am U-Bahnhof Billstedt.

Unter den weiteren mehr als 200 Sanierungsbrücken sind etliche der bekanntesten in Hamburg überhaupt: Kennedybrücke und Lombardsbrücke (jeweils zwischen Binnen- und Außenalster), Schwanenwikbrücke an der Außenalster, Jahnbrücke (City Nord), Ernst-Merck-Brücke (Hauptbahnhof), Neue Elbbrücke, Robert-Schumann-Brücke (Wandsbek) sowie die Trostbrücke (Neustadt).

Um die wichtigsten Brücken des Hafens sorgt sich die Hafenbehörde HPA. Deren Ingenieure haben gerade begonnen, 28 der wichtigsten Querungen im Hafengebiet auf Tragfähigkeiten zu prüfen. Das Ergebnis des ersten Untersuchungsgegenstandes ist niederschmetternd: Die Argentinienbrücke über den Reiherstieg hält dem Schwerlastverkehr kaum noch stand. Vor vier mussten die Behörden dort Tempo 30 und ein Überholverbot für Lkw verhängen. Christine Muruszach, Leiterin Straßennetz bei der HPA: „Was bei der Überprüfung der anderen Brücken im Hafen rauskommt, können wir noch nicht sagen.“ Bereits entschieden sind Ersatzbauten für die Retheklappbrücke, die Veddelkanalbrücke, die Waltershofer Brücke und Peutebahnbrücke.

Schlagzeilenträchtig sind zudem die Problembrücken im Zuge der Autobahnen, um die sich der Bund zu kümmern hat. Die Sanierung der A7-Brücke Stader Straße nervt Einpendler seit Monaten. Noch dicker kommt es in einigen Jahren, wenn die aufgeständerte A 7 südlich des Elbtunnel komplett neue Träger braucht.

Das Sanierungs-Bedarf und -Wirklichkeit weit auseinanderklaffen, räumt der Senat ein. Auf einen Milliardenbetrag Euro dürften sich die Reparaturprojekte in Gänze summieren. Genau ausgerechnet hat die Stadt den Betrag nicht – weil ihr ohnehin das Geld fehlt. In der Senatsantwort heißt es daher deutlich: „Die Brücken werden je nach Dringlichkeit mit den zur Verfügung stehenden Mitteln instand gesetzt.“
 

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