zur Navigation springen

Bürger-Hotline in SH : Rufnummer 115: Unbekannt und kaum erreichbar

vom

Der Kummer mit der Behörden-Nummer: Sie breitet sich in Schleswig-Holstein nur langsam aus.

Kiel | Ein einfacher Service für den Bürger gestaltet sich schwierig: Die Rufnummer 115 soll eigentlich als Hotline für Behördenauskünfte aller Art dienen – egal, ob Kommunen, Kreise, Land oder Bund zuständig sind. Doch obwohl Schleswig-Holstein dem 115-Verbund bereits 2011 beigetreten ist, ist der weitaus größte Teil der Verwaltungen im Norden noch nicht unter der Nummer erreichbar.

Selbst nach einer zweiten Erweiterungsrunde in diesem Februar machen bei der 115 erst vier Kreise, 15 Städte, 15 Ämter mit 215 Gemeinden und acht amtsfreie Gemeinden mit. Zum Vergleich: In Schleswig-Holstein gibt es insgesamt elf Kreise, über 60 Städte sowie gut 1100 Gemeinden, die meisten von ihnen verwaltungsmäßig zusammengeschlossen zu 85 Ämtern.

Zwar sei Schleswig-Holstein „gemessen an anderen Bundesländern weit fortgeschritten“, sagt der stellvertretende Regierungssprecher Lars-Erik Bethge. Gleichwohl stellt auch er fest: „Die Bilanz stellt sich noch sehr zurückhaltend dar.“ Für die Anrufe aus Schleswig-Holstein hat das Land ein Callcenter in Hamburg beauftragt. Gespräche aus dem Kreis Pinneberg landen bei einem weiteren Callcenter im dortigen Kreishaus. Die Gebietskörperschaft war zusammen mit der Kieler Stadtverwaltung die erste im Norden, die die 115 im Jahr 2011 einführte – und entschied sich dafür, die Gespräche selbst abzuwickeln.

Doch selbst bei diesem Pionier erreicht das Angebot nicht die Massen. „Das Aufkommen hält sich in Grenzen“, bilanziert Uwe Haspach, Leiter des Fachdienstes Bürgerservice im Kreis Pinneberg. Dort gingen 2014 rund 7000 115-Anrufe ein. Das entspreche rund sechs Prozent aller Anrufe beim Kreis. Aus Kiel wurde die 115 im vergangenen Jahr 10.073 mal angewählt. „Manche haben Hemmungen, weil sie die 115 wie die 110 oder 112 für eine Nummer für den Notfall halten“, sagt Haspach. Auch beklagt er einen „nach wie vor geringen Bekanntheitsgrad“. So hat der Kreis zwar auf Bussen Werbung gemacht. „Aber bei der PR sehen wir vor allem den Bund gefordert“. Der wiederum kann erst in die große Offensive gehen, wenn in der Fläche die meisten Verwaltungen mitmachen.

Nach Einschätzung von Gemeindetag-Geschäftsführer Jörg Bülow kann das durchaus noch dauern. Auch wenn das Land auf Drängen der kommunalen Spitzenverbände inzwischen von dem Plan abgelassen habe, dass sich Gemeinden, Städte und Kreise an den Kosten des 115-Betriebs selbst beteiligen. „Wir sehen in dem Angebot keinen großen Nutzen“, sagt Bülow. Er meint: „Die Verwaltungen sind gut erreichbar.“ Wer wolle, finde die Durchwahl der zuständigen Sachbearbeiter auf den Internet-Seiten der Kommunen. „Die meisten Bürger wollen lieber direkt mit uns sprechen“, hört Bülow immer wieder. „Zumal die Kompetenz eines Callcenters schnell an Grenzen stößt.“ Auch Nutzer der 115 berichten immer wieder, dass ihre Gesprächspartner bei allem, was nur minimal von 0815-Anliegen abweicht, ins Trudeln geraten.

Vize-Regierungssprecher Bethge hält dem entgegen: „Die 115 ist gerade für die Standardnachfragen gemacht, und gerade die machen einen Großteil der Anrufe bei der Verwaltung aus.“ Das Angebot solle die Behörden entlasten und den Bürger von der Mühe entbinden herauszufinden, welche staatliche Ebene genau zuständig sei. Laut Bethge werden rund 80 Prozent der 115-Anrufe aus Schleswig-Holstein erschöpfend beantwortet. Ansonsten könne das Callcenter weiterverbinden. Die Mitarbeiter orientieren sich an einem Internet-basierten „Zuständigkeitsfinder“ namens zufish.schleswig-holstein.de. Darin hinterlegen die beteiligten Behörden in Schleswig-Holstein Informationen zu Zuständigkeiten und Ansprechpartnern. Allerdings kann dort auch jeder Bürger selbst suchen.

2,38 Minuten dauern die Anrufe aus Schleswig-Holstein bei der 115 nach Angaben der Staatskanzlei. Montags bis freitags ist die Verbindung von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Inzwischen haben laut Staatskanzlei alle größeren Telefonnetz- und Mobilfunkbetreiber die 115 in ihre Flatrate-Tarife aufgenommen. Für Telefonnutzer ohne Festnetz-Flatrate gelten individuelle Tarife, die an die jeweiligen Fest- oder City-Netz-Tarife angepasst seien.

Das Land vergütet dem Hamburger Callcenter 1,61 Euro pro Gesprächsminute. Hinzu kommt eine Basis-Zahlung für den 115-Verbund in Höhe von 56.000 Euro. Die Staatskanzlei strebt an, im Sommer und Ende des Jahres weitere Kommunen als 115-Teilnehmer aufzunehmen. Bis Ende März sollen Interessenten entscheiden, ob sie mitmachen wollen.

Die Kreise, die an dem 115-Verbund teilnehmen, sind Pinneberg, Segeberg, Nordfriesland und Dithmarschen. In diesem Monat traten von den Kommunalverwaltungen neu Ahrensburg, Bad Segeberg, Heide, Husum, Reinbek und Wahlstedt sowie die Ämter Eiderstedt, Föhr-Amrum, Mittleres Nordfriesland, Viöl, Nordsee-Treene und Südangeln bei. Bereits seit Mai 2014 dabei sind Harrislee, Kronshagen und Barsbüttel sowie  die Ämter Südtondern, Mittelholstein und KLG Heider Umland. 2011 starteten die Stadt Kiel und zusammen mit dem Kreis Pinneberg die meisten der darin liegenden kommunalen Gebietskörperschaften.
zur Startseite

von
erstellt am 18.Feb.2015 | 11:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen