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Atommüll-Endlager am Fehmarnbelt : Rødbyhavn: „Strahlende Aussichten“ am Ende des Tunnels

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die dänische Küste des Fehmarnbelt ist weiter als Atomendlager im Rennen – das Beteiligungsverfahren beginnt.

Rødbyhavn | Ein Atommüll-Endlager am Fehmarnbelt bleibt ein mögliches Szenario: Direkt am Nordausgang des geplanten Tunnels im dänischen Rødbyhavn könnten schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Untergrund für alle Ewigkeit deponiert werden.

Das 20 Quadratkilometer große Areal ist als einer von sechs möglichen Standorten in die Endauswahl der dänischen Regierung gekommen. Mit dem Ziel, die Umweltfolgen zu untersuchen, haben die Behörden aus Kopenhagen jetzt eine strategische Umweltprüfung gestartet. Dabei können auf Grund europarechtlicher Regeln auch Bürger, Verbände und Behörden aus Deutschland Stellung nehmen.

Zwar hat Dänemark nie mit einem AKW Energie erzeugt – wohl aber bis 2000 einen Forschungsreaktor in Risø bei Roskilde unterhalten. Um 5000 Kubikmeter Abfälle daraus geht es. Die Rückstände mit der höchsten Radioaktivität wurden in die USA exportiert. Ab 2008 hatten die Behörden 22 denkbare Lagerstätten nach geologischen Kriterien unter die Lupe genommen. Von den außer Rødbyhavn übrig gebliebenen Stätten liegen drei am Limfjord, eins nahe der Großstadt Odense auf Fünen und eins auf Bornholm. Die Fläche am Fehmarnbelt befindet sich nur vier Meter über dem Meeresspiegel. „Klimaveränderungen werden begrenzte Auswirkungen auf das Gebiet haben“, schreibt das Gesundheitsministerium in einem Bericht. Ein steigender Meeresspiegel werde den Kamm des dortigen Deichs zwar nicht erreichen – „doch bei extremen Sturmverhältnissen wird der Druck auf den Deich zunehmen“.

Auf Fehmarn haben sich bereits sämtliche Parteien kritisch zu Atommüll auf der Nachbarinsel geäußert, ebenso Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU). Die Geschäftsführerin des Tourismusverbands Schleswig-Holstein, Catrin Homp, hatte bei Bekanntwerden der ersten Pläne befürchtet, das Image des nördlichsten Bundeslandes würde durch ein so nahes Depot empfindlich gestört. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne)kündigte gestern an, er werde in dem Beteiligungsverfahren Position beziehen. Dem wollte er nicht vorgreifen, betonte aber: Kiel setze darauf, dass das Lager im Fall des Falles nur für dänische Abfallstoffe eingerichtet werden solle. Habeck: „Atommülltourismus über den Fehmarnbelt darf es nicht geben“. Den wünscht sich ebenso wenig Ingo Ludwichowski vom Nabu Schleswig-Holstein. Sein Verband werde sich gegenüber Dänemark ebenfalls „sehr dezidiert äußern“. „Bei einem Unfall dort wären wir in Schleswig-Holstein schließlich direkt betroffen.“

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erstellt am 22.Nov.2014 | 11:58 Uhr

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