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Riesenfrachter wirbt für Elbvertiefung

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erstellt am 31.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Hamburg | Vordergründig war es die Taufe des weltgrößten Containerschiffs. Mehr noch aber war die Zeremonie für die "Alexander von Humboldt" gestern Abend am Burchardkai in Hamburg eine große PR-Aktion für die Elbvertiefung, die Senat, Hafenwirtschaft und Reeder herbeisehnen. Um das für alle Welt - und auch für das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig - zu verdeutlichen, hatte die französische Reederei CMA CGM die Taufe ihres Giganten an die Elbe verlegt.

Trotz Tiefgangsbeschränkungen auf der Elbe halten die Franzosen Hamburg die Treue. Noch. Werde der Unterlauf des Flusses nicht bald ausgebaggert, so betonte Reederei-Chef Jacques Saade, könnten die Jumbos der Ozeane den Hafen der Hansestadt nicht mehr erreichen. Auch der Kapitän der "Alexander von Humboldt" machte aus seiner Einschätzung keinen Hehl. "Die Hamburger Elbe muss dringend vertieft und verbreitert werden. Wir benötigen acht Stunden, um im Hafen anzukommen.", sagte Zlatko Kapovic.

Wie sehr die Elbe als Frachter-Autobahn der globalen Seewirtschaft an ihre Grenzen stößt, macht das Weltrekordschiff besonders augenfällig. 16 000 Standardcontainer kann der 396 Meter lange Riese laden, Hamburg erreichte er am Dienstag mit lediglich rund 4000 Boxen. Denn bei voller Beladung verfügt der Neubau über 16 Meter Tiefgang - viel zu viel für die Elbe, die auf der Flutwelle höchstens 13,50 Meter zulässt. Hamburg und der Bund wollen die Fahrrinne zwischen Hafen und der Mündung bei Cuxhaven um ein bis 1,50 Meter ausbaggern, so dass zumindest Tiefgänge bis 14,50 Meter möglich werden.

Fluss und Hafen anpassen an die wachsenden Erfordernisse des Welthandels - über Jahrhunderte hatte das in Hamburg weitgehend reibungslos funktioniert. Doch seit dem vergangenen Herbst ist vieles anders. Da hatten die Bundesverwaltungsrichter die Fahrrinnenanpassung auf Eis gelegt, nachdem Umweltverbände wegen befürchteter ökologischer Schäden des Ausbaus geklagt hatten. Das ist noch keine endgültige Entscheidung und doch ein Schlag ins Kontor für den Senat. Eine Niederlage vor Gericht scheint nicht mehr ausgeschlossen, erstmals muss im Rathaus das Undenkbare gedacht werden. Wenn die immer größer werdenden Containerfrachter, so die große Angst in Politik und Wirtschaft, die Hansestadt nicht mehr erreichen können, wird diese abgekoppelt vom Wachstumsmotor Seehandel. Es könnte der Anfang vom Ende des Welthafens Hamburg sein, der sich zum bloßen Regionalhafen entwickeln würde.

"Am Hafen hängen in Hamburg und in der Metropolregion 155 000 Arbeitsplätze", warnt Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). Seine Sorgen waren zu Beginn der Woche weiter gewachsen, als das Bundesverwaltungsgericht im parallel laufenden Prozess gegen die Weser-Vertiefung eine Verweisung an den Europäischen Gerichtshof erwogen hatten. Würden die Richter diesen Schritt bei der Elbvertiefung gehen, brächte das vermutlich weitere ein bis zwei Jahre Zeitverlust.

Anders als bei der Weser schließt der Wirtschafts- und Hafensenator Gespräche mit den klagenden Umweltverbänden über eine gütliche Einigung in Hamburg aus. "Bei einem außergerichtlichen Vergleich müsste das umfangreiche Planfeststellungsverfahren von vorn beginnen." Das würde Jahre dauern. Der Umweltverband BUND widerspricht. Die vorliegenden Planunterlagen markierten nur das maximal Mögliche an Ausbau, Hamburg dürfe durchaus auch weniger tief baggern. Die Fronten scheinen ohnehin viel zu verhärtet. Das klagende Bündnis "Lebendige Tideelbe" kritisierte die gestrige Taufe mit scharfen Worten als "Brimborium". Der Zustand der Elbe sei schon jetzt kritisch, so die Verbände.

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