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Rentner erwürgt: Lebenslänglich für einen Mord aus Habgier

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2014 | 12:28 Uhr

Den Zuhörern in Saal 232 des Kieler Landgerichts wendet er soweit wie möglich den Rücken zu. Der Angeklagte, aschfahl von der langen Zeit der U-Haft, legt seine Daumen aneinander, verharrt reglos. Als das Schwurgericht das Urteil verliest, bleibt auch seine Mimik starr wie eine Maske. Es scheint, als hätte Stefan M. (46) mit dieser Strafe bereits gerechnet: lebenslänglich.

Die Richter haben keinen Zweifel daran, dass der arbeitslose Schleiftechniker den vermögenden Rentner Klaus-Heinrich Just (82) aus Kiel-Suchsdorf erwürgt hat, um an dessen Portemonnaie und EC-Karten zu gelangen. „Es war ein Mord aus Habgier und zur Ermöglichung einer Straftat“, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann.

Der Angeklagte hatte rund 3000 Euro von den Konten des Rentners abgehoben, den Mordvorwurf im Prozess jedoch bestritten. Nach seiner Version hatte er Just am 4. Oktober 2013 besucht, um ihn um ein Darlehen zu bitten. Der Rentner sei im Wohnzimmer gestürzt und verstorben. Die Leiche habe er beiseitegeschafft, weil er vorbestraft sei und nicht in Verdacht geraten wollte.

„Das Gericht muss eine solche Einlassung nicht in allen Punkten widerlegen“, so Brommann über den Indizienprozess, der geführt wurde. „Die Kammer muss aber zu einer Überzeugung gelangen, die vernünftige Zweifel ausschließt. Und solche Zweifel sind nicht übrig geblieben. Der Angeklagte hat sein Opfer getötet, um sich zu bereichern.“

In seiner Urteilsbegründung erläutert das Gericht detailliert, in welchen Geldnöten sich der Angeklagte befand: Es lief ein Kredit für seinen Golf GTI, einer für die extravaganten Felgen und ein aufgebrauchter Privatkredit über 10 000 Euro, der dazu diente, die Raten zu tilgen und die Miete zu zahlen. Brommann: „Der Angeklagte war praktisch einkommenslos, in einer finanziell ausweglosen Situation.“ Versuche, bei seinem Vater oder der Schwiegermutter Geld zu erbetteln, scheiterten.

Für einen natürlichen Tod des Rentners, etwa durch einen Herzinfarkt, hätten die Gerichtsmediziner keine Hinweise gefunden. Bis auf seine Gehbehinderung habe sich Just bester Gesundheit erfreut. Auch ein Unfall könne nach Spurenlage ausgeschlossen werden. Vielmehr seien die erlittenen Verletzungen am Kehlkopf typisch für einen Tod durch Erwürgen. Einwände der Verteidigung, die Schildknorpelplatte am Kehlkopf könne beim Transport der Leiche gebrochen sein, wies das Gericht als „unplausibel“ zurück, weil der Tote eingewickelt gewesen sei.

„Das Urteil ist gut begründet, wir sind zufrieden“, sagte Staatsanwalt Achim Hackethal nach dem Prozess. Ob der Angeklagte in Revision gehen wird, blieb gestern offen.

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