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19. November 2017 | 06:17 Uhr

Regionale Stärke

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

shz.de von
erstellt am 19.Apr.2014 | 13:40 Uhr

Zum Glück bedarf das deutsch-dänische Verhältnis nicht mehr so spektakulärer Gesten, wie sie der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl 1984 mit dem französischen Staatspräsidenten François Mitterand auf dem Schlachtfeld von Verdun und ein Jahr später in Bitburg mit US-Präsident Ronald Reagan setzte. 150 Jahre nach der Schlacht auf den Düppeler Schanzen sind aus Feinden Freunde geworden, die sich auch ohne große Symbolik vertrauen. Doch weil dieses Miteinander auch anderthalb Jahrhunderte nach dem deutsch-dänischen Krieg nicht selbstverständlich ist, behalten öffentlichen Zeichen der Überwindung des Grenzkampfes ihren Sinn.

So gesehen hat die deutsche Seite zum 150. Jahrestag der Schlacht bei Düppel eine Chance verpasst. Dänemarks Königin Margrethe II. war gekommen und Staatsministerin Helle Thorning-Schmidt. Dass der eingeladene Bundespräsident Joachim Gauck absagte, lässt sich mit terminlichen und protokollarischen Argumenten begründen. Warum aber kein anderes Mitglied der Bundesregierung kam, verwundert dann doch. Deutschland wurde durch den Botschafter in Kopenhagen, Michael Zenner, vertreten.

Der Vorgang zeigt, dass der Norden für Berlin eben doch weit weg ist. Und auch in Kopenhagen wandelt sich die Perspektive. Dänemark, so Thorning-Schmidt in ihrer Rede, schaut heute über die Staatsgrenzen hinaus und beteiligt sich an internationalen Militäreinsätzen. Doch je stärker die Globalisierung einschließlich des wirtschaftlichen Wettbewerbs voranschreitet, desto mehr müssen Schleswig-Holstein und die Region Süddänemark das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Kiels Ministerpräsident Torsten Albig unterstrich diesen Willen bei den Gedenkfeiern. Sie waren trotz fehlender Politik-Prominenz aus Berlin für das Grenzland ein Zeichen der Selbstvergewisserung. Wie hatte Albig es postuliert: Der Norden steht vor einem deutsch-dänischen Jahrzehnt. Das Eisen dafür wird aber nicht in Berlin oder Kopenhagen geschmiedet, sondern in der Region.

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