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SHFV : Reformpläne spalten Fußballvereine in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband will seine 13 Kreisverbände abschaffen und durch sechs Regionen ersetzen. „Wir wissen, dass das Thema hochsensibel ist“, sagt SHFV-Geschäftsführer Jörn Felchner. Die Stimmung ist durchwachsen.

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2014 | 10:04 Uhr

Das weitreichende Reformkonzept ist rund 50 Seiten stark, trägt den sperrigen Titel „Vorschlag einer neuen Organstruktur für den SHFV“ – und sorgt derzeit im schleswig-holsteinischen Fußball für viel Wirbel und hitzige Diskussionen. Kein Wunder: Die zentrale Idee des brisanten Thesenpapiers ist die Abschaffung der 13 Kreisverbände (KFV), in die der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) in nahezu unveränderter Form seit Jahrzehnten unterteilt ist. Sechs Regionen sollen laut Planung des Verbands im Juli 2016 an ihre Stelle treten und für mehr Flexibilität bei der Spielplangestaltung sowie weniger Verwaltungsaufwand sorgen. „Wir wissen, dass das Thema hochsensibel ist“, sagte Jörn Felchner, Geschäftsführer des SHFV. „Wir glauben aber auch, dass der richtige Zeitpunkt für Veränderungen gekommen ist.“

Die Vorschläge für eine Strukturveränderung sind kein Schnellschuss. Bereits vor Jahren rief der SHFV eine Projektgruppe ins Leben, die Zukunftsmodelle erarbeiten sollte. Und die Expertenrunde nahm ihren Auftrag augenscheinlich ernst. „Es liegt nun ein Konzept zur Lösung unserer Probleme vor“, stellte SHFV-Präsident Hans-Ludwig Meyer zufrieden fest. Die beiden zentralen Punkte lauten: Abbau der Bürokratie, Schaffung neuer Gestaltungsmöglichkeiten im zunehmend schwieriger zu organisierenden Spielbetrieb.

Durch die Eliminierung der 13 Kreisverbände soll der Organisationsaufwand verringert werden. „Die Abläufe müssen schlanker werden, zumal wir nicht mehr genug Ehrenamtliche finden“, verdeutlichte Felchner. „Wir erlauben uns den Luxus, eine Aufgabe 13 Mal zu erledigen, obwohl sie auch ein Mal an zentraler Stelle erledigt werden kann.“ Im Klartext: Vieles soll den Funktionären vor Ort abgenommen und künftig von hauptamtlichen Kräften in der Kieler Verbandszentrale bearbeitet werden. „Wir würden zu diesem Zweck weitere Mitarbeiter einstellen“, erklärte Felchner.

Auch in Sachen Spielbetrieb soll das Sechs-Regionen-Modell Verbesserungen bringen. Hintergrund: Die Zahl der Teams geht – vor allem im Jugendbereich – seit Jahren zurück, einzelne Kreise tun sich schwer, Spielklassen in angemessener Größe zusammenzustellen. „Derzeit ist ein Verein an seinen Kreis gebunden. Das wollen wir aufweichen, die Flexibilität erhöhen“, sagte Felchner. Ein Beispiel: Im KFV Neumünster finden sich im Jahr 2016 nur acht – und somit zu wenige – Teams, die für die Kreisklasse A melden. Nach dem neuen Modell würden die acht Mannschaften in einem Pool mit A-Klassisten aus einstigen Nachbarverbänden – je nach geographischer Lage zum Beispiel Segeberg oder Plön – landen und könnten somit in einer 16er-Liga antreten. Felchner betonte, dass die Klasseneinteilung Jahr für Jahr neu gestaltet werden könne. Der Zuschnitt der sechs Regionen stehe „noch nicht endgültig fest“.

In der schleswig-holsteinischen Fußballfamilie wird derweil bereits kontrovers diskutiert. Während der SHFV-Beirat laut Verbandsboss Meyer „ein klares Votum“ für die vor wenigen Tagen präsentierten Pläne abgab, ist die Stimmungslage in den Kreisen weniger eindeutig. Robert Lohmann zum Beispiel, Chef des KFV Rendsburg-Eckernförde, lobte das Projekt („Ich stehe dem positiv gegenüber“) – doch nicht jeder seiner Amtskollegen pflichtet ihm bei.

„Ich sehe eine Spaltung“, erklärte Werner Papist, Vorsitzender des KFV Steinburg. „50 Prozent der Kreise sind dafür, 50 Prozent dagegen.“ Aus seiner persönlichen Meinung machte Papist keinen Hehl: „Das Konzept ist zentralistisch, durch die Abschaffung der Kreise ginge Tradition verloren.“ Auch Dithmarschens KFV-Boss Gustav Haack reagierte ablehnend. „Man kann nicht mit einem Federstrich die Kreisverbände auslöschen“, sagte Haack, der vor allem die Verlagerung der Aufgaben nach Kiel kritisierte: „Um den Vereinen zu helfen, muss man vor Ort sein – das können wir viel besser leisten. Aber wenn wir bald zu einer größeren Region gehören, wird das nicht leichter.“

Für Felchner kommt der Gegenwind nicht unerwartet. „Wir sind am Anfang einer Entwicklung“, sagte der SHFV-Geschäftsführer, „da kann es noch keine breite Zustimmung geben.“ Beginnend mit Infoabenden im Februar und März will der Verband nun Überzeugungsarbeit vor Ort leisten. Und Felchner glaubt: „Wir haben noch genug Zeit, um alle auf unserer Reise mitzunehmen.“ Im März 2015 soll auf einem SHFV-Verbandstag über die Reform abgestimmt werden, die Umsetzung ist ab der Saison 2016/17 geplant.

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