Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals : Rajensdorf - Klage aus dem übersehenen Dorf

„Wir wollen  als Anwohner ernst genommen werden“:  Uschi Hammer-Uschtrin  und ihr Mann Dieter  verklagen  den Bund.
„Wir wollen als Anwohner ernst genommen werden“: Uschi Hammer-Uschtrin und ihr Mann Dieter verklagen den Bund.

Das Haus der Uschtrins in Rajensdorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde steht nur 250 Meter vom Nord-Ostsee-Kanal entfernt. Das Ehepaar klagt gegen die Verbreiterung der 20 Kilometer langen „Oststrecke“. Die beiden kritisieren Planungsfehler.

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03. März 2014, 13:55 Uhr

Quarnbek | Es fing damit an, dass ihr Wohnort auf der Landkarte fehlte. Rajensdorf liegt am Nord-Ostsee-Kanal ein paar Kilometer westlich von Kiel – doch in den Unterlagen der bundeseigenen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zum Ausbau des Kanals gab es das zur Gemeinde Quarnbek gehörende Dorf einfach nicht. Dieter Uschtrin und seine Frau Uschi Hammer-Uschtrin waren alarmiert: „Wenn solche Fehler schon in der Planung passieren, wie soll es dann in der Bauphase werden?“, fragten sich die beiden – und nahmen die Pläne zur Verbreiterung der vor ihrer Haustür vorbeiführenden der Wittenbeker Kanalkurve fortan besonders genau unter die Lupe.

Das Ergebnis ihrer Auswertungen könnte den Ausbau der meist befahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt nun deutlich in die Länge ziehen: Gemeinsam mit einem zweiten Ehepaar aus der Nachbarschaft haben die Uschtrins vergangenen Donnerstag in letzter Minute Klage beim Oberverwaltungsgericht in Schleswig gegen den Planfeststellungsbeschluss für die Erweiterung der rund 20 Kilometer langen „Oststrecke“ vor Kiel eingereicht. Vor allem wehren sie sich dagegen, dass die Lärmbelastung durch die Baustelle nach ihrer Ansicht in den Plänen falsch dargestellt ist: „Es wurde nicht beachtet, dass sich der Lärm zum Teil überlappt und addiert“, kritisiert der 65-jährige Uschtrin.

Das Haus der Eheleute steht nur 250 Meter vom Kanal weg, das ihrer Mitstreiter sogar nur 100 Meter. Der Krach der Baustelle wird also laut zu hören sein: Die Bagger, die den Kanal in der Wittenbeker Kurve von 44 auf 70 Meter und im Scheitel sogar auf 95 Meter verbreitern. Die Lastwagen, die das ausgehobene Erdgut zu Schuten an Kanal-Anlegern fahren. Die Schuten, die es über den Kanal bringen. Und die Transportbänder, die es am gegenüberliegenden Kanalufer zum Aufhäufen auf dem Gut Warleberg befördern. Und all das „mindestens sechs Jahre lang sieben Tage die Woche rund um die Uhr“, stöhnt Uschtrin.

Wenigstens solch permanenten Krach möchten er, seine Frau und ihre beiden Mitstreiter nun durch die Klage verhindern. „Dauerlärm macht krank“, sagt Uschtrin. Daher will er erreichen, dass die Bauarbeiten nachts und am Wochenende ruhen müssen – auch wenn die Verbreiterung des Kanals dann länger dauert. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen den Ausbau“, beteuert Uschtrin. „Aber wir wollen als Anwohner ernst genommen werden.“ Und anders als in den Plänen dargestellt werde der zulässige Lärmpegel nun mal nachts überschritten. „Ich finde das rücksichtslos“, schimpft Uschtrin und verkündet: „Wir werden beweisen, dass die Unterlagen nicht stimmen.“

Bei der Außenstelle Nord der zuständigen Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will man noch nicht viel zu der Klage sagen. „Wir warten jetzt erst mal die schriftliche Begründung ab“, sagt Direktionssprecherin Claudia Thoma. Eigentlich sollte der Ausbau der Oststrecke nächstes Jahr losgehen – an einer anderen Stelle, weiter westlich zwischen Königsförde und Groß Nordsee. Doch ehe nicht die Planung für die gesamte Oststrecke rechtskräftig ist, darf nirgends ein Bagger rollen. Völlig untätig bleiben will Dobrindts Behörde solange aber trotzdem nicht, kündigt Thoma an: „Die Ausschreibung werden wir weiter vorbereiten.“

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