Raubserie auf Hausbewohner : Räuber überfallen Opfer im Schlaf

Bei den Einbrüchen haben es die Täter laut Polizeisprecher Triphahn auf „schnelle Beute“ abgesehen.
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Bei den Einbrüchen haben es die Täter laut Polizeisprecher Triphahn auf „schnelle Beute“ abgesehen.

Die Kieler Kripo jagt eine brutale Bande, die wohlhabende Hausbewohner ausspäht, in der Nacht einbricht und sie überwältigt.

shz.de von
30. Januar 2015, 12:24 Uhr

Kiel | Der Albtraum beginnt mit dem Erwachen – mitten in der Nacht. Maskierte Männer stehen neben dem Bett, bewaffnet mit Messern oder Schusswaffen: Die Kieler Kripo jagt eine unheimliche Bande, die für mindestens elf Raubüberfälle verantwortlich sein dürfte, alle begangen nach identischem Muster. Die Opfer werden ausspioniert, im Schlaf überrascht, gefesselt und ausgeraubt.

Die Serie begann 2010, die Tatorte liegen im Süden Schleswig-Holsteins und meist in der Nähe von Autobahnen. In allen Fällen entkamen die Täter mit hoher Beute. „Sie gehen sehr professionell vor, hinterlassen kaum Spuren“, sagt ein Ermittler. Bei der Bezirkskriminalinspektion Kiel kümmern sich mittlerweile Spezialisten für Bandenkriminalität um die Verbrechen. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Räuber die Geschädigten ausbaldowert haben, die Häuser und den Tagesablauf der Bewohner mehrere Tage lang beobachteten“, sagt Harald Feddern, Sprecher der Kieler Bezirkskriminalinspektion.

Die Karte zeigt die Tatorte und die Daten.

Die Täter wählen stets Personen aus, bei denen eine ansehnliche Beute zu holen scheint. So war es auch bei der bislang letzten Tat in Rickling (Kreis Segeberg). Am 9. Januar gegen vier Uhr morgens drangen drei Maskierte in das Gehöft einer Familie ein, die eine Veranstaltungsagentur betreibt. Der Bruder (51) des Geschäftsführers und seine Ehefrau (54) wurden gefesselt und mussten den Tresor öffnen. Erbeutet wurde laut Polizei ein „hoher fünfstelliger Bargeldbetrag“. „Einer der Täter drückte Klebeband über den Mund meiner Schwiegertochter“, berichtete die Mutter des Überfallopfers gegenüber dem sh:z.

Trotz einer Großfahndung mit Spürhunden entkamen die Räuber – wie bei allen Fällen zuvor. Allerdings hatte es nach einem Überfall auf ein Ehepaar in Hartenholm (Kreis Segeberg) im Oktober 2013 zwei Festnahmen gegeben und die Ermittler glaubten, die Serie gestoppt zu haben. Einer der Täter, ein Aserbaidschaner (32) aus dem Kreis Plön, hatte seine DNA hinterlassen als er aus einer Mineralwasserflasche der Opfer trank. Er und ein Komplize (42) aus Neumünster mussten sich vor dem Kieler Landgericht verantworten, das den Jüngeren zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft verurteilte. Den Neumünsteraner sprach das Gericht aus Mangel an Beweisen frei. Die Identität eines dritten Täters konnte nicht ermittelt werden.

Und die Überfälle gingen weiter. Offenbar agieren die Täter in wechselnder Besetzung. An einer Serie hat die Polizei keine Zweifel. „Einige Taten weisen starke Übereinstimmungen in der Begehungsweise auf“, so Feddern.

Einer der spektakulärsten Kriminalfälle in Schleswig-Holstein, bei dem Räuber Hausbewohner bedrohten, war 2009 der Überfall auf die Chefin der Segeberger Kliniken, Marlies Borchert. Drei Maskierte zwangen sie, ihren Tresor zu öffnen. Die Täter wurden gefasst und verurteilt, doch ihr Vorgehen hat offenbar Nachahmer gefunden. Hinweise nehmen alle Polizeidienststellen entgegen, die ausgesetzten Belohnungen gehen zusammengerechnet in die Zehntausende.

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