zur Navigation springen

Vorwurf gegen LBV-SH : Rader Hochbrücke: „Versäumnis“ im Landesbetrieb

vom

Schon 2009 haben Experten Mängel an den Betonpfeilern der A7-Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal entdeckt. Doch die Lage schien nicht dramatisch zu sein. Und es gab keine Firma, die die Sanierung übernehmen konnte.

Rade | Die Reparatur der Rader Hochbrücke geht voran, doch jetzt sind neue Fakten bekannt geworden, warum die Schäden an der Autobahnbrücke erst so spät entdeckt worden sind. Bereits 2009 hatten Fachleute des Landesbetriebes Straßenbau und Verkehr (LBV) das erste Mal über kurz zuvor erst in die Pfeiler eingebaute Eisentreppen den Beton aus der Nähe betrachten können und dabei Mängel an der Oberfläche festgestellt. Ein Statiker habe das geprüft und empfohlen, die nötigen Sanierungen „gelegentlich“ zu erledigen, sagt der Sprecher des Verkehrsministeriums in Kiel, Harald Haase. Es habe sich um eine „beherrschbare Lage“ gehandelt, ergänzt der Leiter der LBV-Niederlassung Rendsburg, Matthias Paraknewitz. „Wenn Ihnen ein Arm weh tut, er aber voll bewegungsfähig ist, gehen Sie auch nicht zum Röntgen“, sagt Paraknewitz zur Verdeutlichung. Niemand habe ahnen können, dass hinter dem porösen Beton erhebliche Baumängel in Form von großen Löchern lauerten und stabilisierende Eisenrohre fehlten, die in den Plänen verzeichnet gewesen seien. „Das war Pfusch am Bau“, sagt Haase. Der sei allerdings heute nicht mehr vor Gericht einklagbar, weil die Brücke damals ordentlich abgenommen worden sei, und die Schäden über 40 Jahre lang niemandem aufgefallen seien. Haase: „Das ist verjährt.“

2009 habe es eine Ausschreibung für die Sanierung gegeben, es habe sich aber keine Firma gefunden, die die Arbeiten fachgerecht hätte ausführen können, so Haase. Dann seien die Arbeiten „liegen geblieben“. Das sei ein „Versäumnis“ gewesen, gibt Haase zu. Erst 2012 seien die Arbeiten vergeben worden, ein Unternehmen sollte den Beton oberflächig sanieren, während der Verkehr über die Brücke rollt. 2013 habe die Firma den Beton aufgestemmt und dabei die großen Schäden entdeckt. Statiker, die diese besichtigten, plädierten Ende Juli für die teilweise Sperrung der Brücke, die im November wieder aufgehoben werden soll. Die Experten gehen davon aus, dass die Schäden zwischen 2009 und 2013 nicht größer geworden sind. Allerdings hat in diesem Zeitraum eben auch niemand genauer in die Pfeiler hineingeschaut.

Ein Risiko habe es in all den Jahren vor der Sperrung gegeben, gibt Paraknewitz zu – allerdings sei die Brücke sicher gewesen, weil schwere Schäden bei regelmäßigen Kontrollen von außen sichtbar geworden wären. Auch der poröse Beton habe noch etwas zur Stabilität beigetragen, selbst als der weggestemmt worden sei und der Verkehr über die Brücke eingeschränkt wurde, habe man keine Risse erkennen können. Zur Stabilisierung haben die 28 Pfeiler nun an den Köpfen Stahlgerüste erhalten.

Einen Vorteil habe die Sanierung der Brücke unter reduziertem Verkehr jedoch, sagt Paraknewitz: „Der Beton härtet besser aus, wir werden schneller fertig.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 11.Okt.2013 | 11:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen