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Benefiz-Veranstaltungen : Querschnittsgelähmter verschenkt Spendenerlös

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Dem querschnittsgelähmten Kay Eckmann haben sehr viele Menschen finanziell geholfen - jetzt spendet er selbst für gute Zwecke.

Husum | Eigentlich wollte die Familie Eckmann jetzt endlich die Rückkehr zur Normalität. Weniger Rummel. Aber freilich ist Kay Eckmann sehr dankbar. Denn: Durch die Berichterstattungen konnten ihm und seiner Familie geholfen werden. Deshalb verschenkt er sogar 11.500 Euro. Geld, das ihm persönlich zur Alltagserleichterung mit seiner Behinderung helfen sollte. Aber er möchte, dass es anderen, die ein ähnliches Schicksal erleiden mussten, auch besser gehen soll. Er will jetzt helfen. „Geld kann man immer gebrauchen“, sagt der Schwerbehinderte Kay Eckmann. Aber sie seien jetzt gut versorgt. Daher hat er, den für ihn angedachten Spendenerlös aus einem Benefizkonzert Anfang November in Hattstedt (Kreis Nordfriesland) an Bedürftige weitergegeben.

Vor mehr als einem Jahr am 15. September 2012 hatte Kay Eckmann einen tragischen Unfall, der sein Leben und das seiner Familie völlig veränderte. Er verlor sein Gleichgewicht, stieß mit dem Kopf gegen einen Holzpfosten seines Carports und stürzte mit dem Hinterkopf auf den Boden. Der mittlerweile 41-jährige Familienvater von drei Töchtern ist seitdem querschnittsgelähmt – von den Schultern abwärts. Doch sein Leben im Rollstuhl, den er mit seinem Kinn steuert, meistert er beispiellos. Ein Verdienst, das zu einem großen Anteil daran liegt, dass sein Verein – der TSV Hattstedt – unter der Leitung des Vorsitzenden Thorsten Schulze, der jüngst zum Menschen des Jahres 2013 in den Husumer Nachrichten gewählt wurde, mehr als ein Dutzend Männer und Frauen um sich scharte, um das Eigenheim der Eckmanns für eine Summe von rund 84.000 Euro barrierefrei umzubauen. Es wurde innerhalb von nur neun Monaten möglich, da die Vereinsmitglieder den Umbau realisierten.

Die Gelder wurden aus Spenden generiert. Unter anderem gab der FC Bayern München Geld. Die Reserve der Profimannschaft des FC St. Pauli bestritt ein Benefizspiel. Zudem überwiesen zahlreiche Menschen und auch landesweit viele Fußballmannschaften Gelder auf das Spendenkonto. Menschen, die selber wenig haben, hätten viel gespendet, das hat Kay Eckmann „maximal berührt“.

Zudem wurde dann für den verunglückten Kay Eckmann noch eine Benefiz-Comedy-Gala organisiert. Doch auf den Erlös verzichtete er. Denn: Er wollte zwei weiteren schwer verunfallten Menschen helfen. Die 11.500 Euro gingen an drei andere Empfänger – 4000 Euro für den Hattstedter Hauke Heuer, 4000 Euro für die Lindewitterin Carlotta Breitel und 3500 Euro an den ambulanten Hospizdienst Husum und Umgebung. Seine Geste ist für Eckmann auch ein Zeichen des Danks. Er weiß, dass er nur wieder daheim sein kann, weil ihm enge Vertraute geholfen haben, sein Eigenheim umzubauen. Und somit auch seine Familie unterstützten, damit sie ihm in seiner Zeit in der Hamburger Spezialklinik zur Seite stehen konnten. Was auch einen hohen finanziellen Aufwand bedeutete.

Denn für die mehrere Monate andauernde Behandlung in Hamburg war für Eckmanns Ehefrau Levke eine hohe finanzielle Belastung. Die mittlerweile 38-Jährige besuchte ihren Mann mit den Töchtern Christin (15), Lena (12) und Sina (10) so oft es ging. Sie verbrachten sogar Weihnachten in der Hamburger Spezialklinik. Dort lernten sie auch Frederike Kreie kennen. Die 20-Jährige machte in dem Klinikum ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Und derzeit ihren Bundesfreiwilligendienst (BFD), was insgesamt 18 Monate andauert. Denn Frederike zog im September nach Husum, um Kay Eckmann zu Haus zu versorgen. Bis März 2014 bleibt die Bergedorferin der Familie noch erhalten. Eckmann selbst arbeitete als Pfleger im Helios-Klinikum in Schleswig, hat ein Gespür für besondere Situationen. Er machte sich Gedanken, wie es weitergehen sollte. „Wir haben gewitzelt, dass es schön wäre, wenn Frederike mitkommen könnte“, erinnert sich der Querschnittsgelähmte. Sie kam. Jedoch wird sie zum Wintersemester 2014 ein Studium beginnen. Dann werden sich die Wege trennen. „Wenn Husum eine Uni hätte, würde ich dort studieren“, gesteht die FSJ‘lerin wehmütig. Aber der Kontakt wird nicht abreißen, sind sich alle Beteiligten sicher.

Ihre tägliche Arbeit verbindet sie, schweißt sie zusammen. Um 6.30 Uhr beginnt der Tag. Der Pflegedienst holt Kay Eckmann aus dem Bett. Für die Körperpflege und das Frühstück werden dreieinhalb bis vier Stunden veranschlagt. Dann ist Besuchs- oder Therapiezeit. Täglich wird zwischendurch an seinem Bewegungstrainer trainiert. Die BFD‘lerin oder Ehefrau Levke helfen. „Das senkt die Spastik und lindert Lähmungserscheinungen“, erklärt der Schwerbehinderte. Um 13.30 Uhr wird mit den Kindern zu Mittag gegessen. Danach folgt eine einstündige Mittagsruhe. Um 16 Uhr ist dann wieder Besuchs- oder Therapiezeit. Kay Eckmann kann sogar kurzzeitig stehen. Das bringe ihm am meisten und erleichert – nicht nur zeitlich – die Arbeit, um zwischen Bett und Rollstuhl zu wechseln, fügt er stolz an. Dieser Zugewinn an Mobilität gibt ihm Kraft. Genau wie Besuche von Freunden. Eines der Komplimente, die ihm gemacht wurden, war, dass er sich nicht verändert habe. Wehmütig ist er nur ein wenig, wenn seine Ehefrau oder Frederike Kreie vom Autofahren mit dem behindertengerechten Van berichten: „Da würd’ ich gern selbst hinterm Lenkrad sitzen“, verrät er.

Aber einen weiteren Ansporn zieht er aus seinen alten Arbeitskollegen. Mit ihnen steht er seitdem Unfall weiterhin in Kontakt. Deshalb will er zurück nach Schleswig. Beruflich auf seiner alten Station mit seinen Kollegen zusammen sein – helfen. Er würde gern die Dienstpläne erstellen. Ein weiter Weg. Nicht nur von der Entfernung. Aber auch beim TSV Hattstedt – seinem Verein – will er weiterhin helfen. Derzeit ist er Beisitzer im Vorstand. Früher spielte der passionierte FC St.Pauli-Anhänger selber Fußball oder trainierte Jugendmannschaften beim TSV Hattstedt. „Wieder Trainer sein, wäre perfekt“, sprudelt es aus ihm heraus. Aber bei nassem Wetter ist es schwer für ihn auf den Sportplatz zu kommen. Deshalb sucht er sich neue Möglichkeiten. Im Oktober war er beim Handballspiel der SG Flensburg/Handewitt. Aber dort sind die Rollstuhlplätze leider zumeist ausgebucht.

Was ihm bei seinem TSV Hattstedt nicht passieren sollte: Denn dort wird bald ein neues Vereinsheim errichtet. Der Aufstieg ist laut Eckmann auch das avisierte Ziel. Dann will er „seinen Platz“ auf der Terrasse, um ganz dicht dabei zu sein.

Mobilität und Freizeitgestaltung sind seine Perspektive. Anfang Dezember war Eckmann mit Frederike Kreie in Hamburg. Er wollte sehen wie es dort mit den Hostels klappt. Ob sie seinen Ansprüchen genügen. Das sei auch Zeit, in der seine Frau Levke Luft holen könnte. Vor seinem Unfall war er entweder zur Arbeit oder zum Sport. Jetzt hocken sie permanent aufeinander. Aber am zweiten Adventswochenende machte das nichts. Die gesamte Familie Eckmann fuhr zum Weißenhäuser Strand. „Das war unser schönsten Erlebnis“, berichten Levke und Kay Eckmann. Als weiteres großes Ziel steht ein Ausflug in einen Ferienpark auf der Agenda. Und Kay Eckmann hat weitere Pläne. „Ziel ist es, mit meiner Frau in den Süden zu fliegen“, verrät er. „Wo es schön warm ist“, schiebt Levke hinterher.

Doch erstmal muss er mit seinen Töchtern Hausaufgaben machen: „Viele Vokabeln lernen“, gesteht er. Aber – das sei ein Gewinn gegenüber früheren Zeiten. Er könne mehr am Familienleben teilhaben.

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erstellt am 02.Jan.2014 | 00:33 Uhr

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