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Prozess: Frau erleidet jahrelanges Martyrium

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

49-Jähriger soll Gastwirtin tyrannisiert und verprügelt haben

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2014 | 15:54 Uhr

Die Schilderungen, die eine 46-jährige Restaurantbesitzerin aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde gestern vor dem Eckernförder Schöffengericht präsentierte, gleichen einem Horrorfilm. Sie sagte als Nebenklägerin gegen einen 49-jährigen Bauhofbesitzer aus, der wegen räuberischer Erpressung angeklagt ist. Ihm wird vorgeworfen, sich zwischen 2005 und 2007 durch Urkundenfälschung einen finanziellen Vorteil verschafft zu haben, die Gastwirtin bedroht und mit einem Schuhlöffel aus Stahl körperlich misshandelt zu haben. Viereinhalb Stunden dauerte die Verhandlung – Fortsetzung folgt.

Kennen gelernt hatten sich der Angeklagte und die Betroffene vor fünfzehn Jahren. Beide waren zu jener Zeit verheiratet, zwischen den Paaren entwickelte sich eine Freundschaft. Während der Trennungskrise der 46-Jährigen und ihrem damaligen Ehemann soll er stets für sie da gewesen sein. Die Vertrauensbasis, die durch die Ehekrise entstanden war, habe der 49-Jährige ausgenutzt. So soll er ihr seinen Steuerberater, Anwalt und seine Buchhalterin „aufgedrängt“ und gegen ihren Willen verschiedene Bauarbeiten an ihrem Betrieb veranlasst haben. Zudem habe er die Einliegerwohnung im Haus der Betroffenen als eigenes Büro eingerichtet. Die Renovierungskosten für die Räumlichkeiten habe die Besitzerin übernommen, der Angeklagte habe das Baumaterial besorgt. Laut dem 49-Jährigen wurde ein Teil dieses Geldes auf das Geschäftskonto eingezahlt, einen weiteren Teil erhielt dessen Schwester, bei der er seine Schulden für ein neues Auto abzahlen musste. Da sein Bauhof insolvent war und sein Haus zur Versteigerung freigegeben werden sollte, soll er er auf den Namen der Gastwirtin Schecks ausgestellt haben.

Die Betroffene sei nach einer einjährigen Beziehung mit dem Angeklagten immer mehr in eine Abhängigkeit geraten, denn er entzog ihr die Kontrolle über ihren eigenen Betrieb. Er soll ihr unter anderem den Zugriff auf betriebsinterne Unterlagen verweigert haben. „Er hat mich permanent kontrolliert und mich nach und nach betriebsunmündig gemacht“, erinnert sie sich. Die zweifache Mutter durfte keinen Brief mehr öffnen und keine Kontoauszüge holen. Zudem musste sie wöchentlich eine Liste mit den Einkünften und Ausgaben der Gaststätte vorlegen. Sobald sie Fragen stellte oder nicht parierte, habe es regelmäßig Schläge gegeben – und zwar mit einem Schuhlöffel aus Stahl, den sie dem Angeklagten selbst zum Geburtstag geschenkt hatte. Wehren konnte sie sich nicht, denn der 49-Jährige habe sie stets in eine Ecke gedrückt und dann auf Arme, Beine und Schultern eingeschlagen. In seinem Auto soll er zudem einen Baseball-Schläger gelagert haben.

Am 9. Juli 2007 verprügelte er sie zum letzten Mal, nachdem sie eine Frage zu einer Rechnung gestellt hatte. Er habe danach von ihr zunächst 80 000 Euro, dann 40 000 Euro und das Haus gefordert. Bei Ablauf des von ihm gestellten Ultimatums soll er gedroht haben, sie und ihre Tochter zu vergewaltigen und zu töten. Für diese Tat habe er laut Aussage der Nebenklägerin Polen angeheuert und sich sogar erkundigt, wie teuer ein Mord sei. Doch dazu kam es nicht, denn die Betroffene beendete den Leidensweg fünf Tage später mit einer Strafanzeige.

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