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Kaiser-Wilhelm-Koog : Pottwale in Dithmarschen: Bergung verzögert sich

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Acht riesige Pottwal-Kadaver liegen im Wattenmeer bei Friedrichskoog. Einmal mehr wurde die Nordsee zur Falle für die großen Meeressäuger.

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erstellt am 02.Feb.2016 | 16:25 Uhr

Kaiser-Wilhelm-Koog | Die acht im Wattenmeer vor Dithmarschen entdeckten Pottwalkadaver können frühestens am Mittwoch geborgen werden. „Wegen des starken Westwinds läuft das Wasser nicht wie sonst ab“, sagte der Leiter der Nationalparkverwaltung, Detlef Hansen am Dienstag. „Deswegen kommen wir mit den landgängigen Fahrzeugen nicht dorthin“, sagte er. Am Mittwoch soll sich die Wetterlage beruhigen und erneut ein Bergungsversuch der neun bis zwölf Meter langen Jungbullen unternommen werden. Sie waren am Sonntagabend rund zwei Kilometer vor Kaiser-Wilhelm-Koog entdeckt worden. Für Bergungsschiffe wiederum ist der Wasserpegel rund um den Fundort der Tiere zu flach.

Erst vor drei Wochen waren insgesamt zwölf Pottwale im Wattenmeer tot aufgefunden worden, drei davon in Schleswig-Holstein. Seit den 1990er Jahren strandeten damit 82 Pottwale an der Wattenmeerküste Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande.

Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz hatte am Sonntag eine erste Meldung erhalten. Die Tide und die anbrechenden Dunkelheit ermöglichte es erst Montagfrüh, mit einem Raupenfahrzeug zu den Tieren zu gelangen. Eines der Tiere lag zu diesem Zeitpunkt im Sterben, die anderen waren tot. Alle Wale liegen dicht beieinander in der nicht zugänglichen Zone 1 des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, etwa fünf Kilometer südlich des Hafens Friedrichskoog und zwei Kilometer vor dem Deich.

Die gelegentlich in der Nordsee vorkommenden Pottwale werden dem Azorenbestand zugerechnet.

Die gelegentlich in der Nordsee vorkommenden Pottwale werden dem Azorenbestand zugerechnet.

Foto: Brunckhorst/LKN.SH

Ursprünglich wollten Experten bereits am Dienstag erste Wale mit zwei Raupen und einem Bagger an der Schwanzflosse durchs Watt an Land ziehen. Auch die wegen des Elfenbeins wertvollen Unterkiefer der Tiere sollten herausgetrennt und geborgen werden, doch das Wasser stand teils mehr als zwei Meter höher als sonst. Es bedeckte die Kadaver fast vollständig. Für Bergungsschiffe wiederum ist das Wasser rund um den Fundort der tonnenschweren Riesen zu flach. „Alles steht Stand-by - und alles hängt vom Wetter ab“, berichtete Hansen. Zu dem Fund der Kadaver und der Riesenaufgabe für die Helfer sagte Hansen vom Nationalpark Wattenmeer: „Allein die schiere Anzahl und Masse stellt uns vor große Herausforderungen.“

Die gelegentlich in der Nordsee vorkommenden Pottwale werden dem Azorenbestand zugerechnet. Die Männchen dieser Population verbringen den Winter im Nordatlantik. Auf ihrer Wanderungen gelangen einzelne Tiere irrtümlich in die für sie zu flache und nahrungsarme Nordsee. Mit ihrem akustischen Orientierungssinn können sie sich dort schlecht orientieren. Wenn die schweren Tiere ins Flachwasser geraten und auf dem Grund liegen, kann das Gewicht ihres Körpers ihre Blutgefäße und die Lunge abdrücken, so dass die Tiere an akutem Herz-Kreislauf-Versagen sterben.

Es handelt sich um junge Bullen von neun bis zwölf Metern Länge.

Es handelt sich um junge Bullen von neun bis zwölf Metern Länge.

Foto: Brunckhorst/LKN.SH

Die flache Nordsee ist schon seit hunderten Jahren als tödliche Falle für Pottwale bekannt. Strandungen sind nach Angaben des Büsumer Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert. „Bisher haben wir keine direkten Hinweise, dass ein bestimmter, einzelner Einfluss dazu geführt hat, dass die Tiere in die Nordsee kommen und stranden“, sagte Institutsleiterin Ursula Siebert. Dass viele Tiere auf einmal stranden, könne damit zu tun haben, dass sich die Pottwal-Bestände erholt hätten und damit mehr Tiere auf die Wanderroute gingen.

 

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