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September 2014 : Polizisten kritisieren Blitzmarathon in SH

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Innenminister Breitner hofft auf eine nachhaltige Aktion, die Gewerkschaft der Polizei ist nicht begeistert von der „Show-Veranstaltung“.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Kiel | Autofahrer aufgepasst: Am Donnerstag, 18. September, startet in Schleswig-Holstein ab 6 Uhr morgens der zweite Blitzmarathon. Alle Bundesländer beteiligen sich an der Aktion. Bis zu 24 Stunden lang werden im ganzen Norden rund 260 Polizisten an 76 Messorten im Einsatz sein. Dazu kontrollieren die Kommunen mit 21 Leuten an zwölf Messpunkten.

Innenminister Andreas Breitner (SPD) sagt, der Blitzmarathon sei eine von mehreren wichtigen Aktionen in der Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei zur Vorbeugung gegen Geschwindigkeitsverstöße. Der erste bundesweite Blitzmarathon vor einem knappen Jahr war nach Breitners Ansicht ein großer Erfolg für die Verkehrssicherheit. Nicht nur an den Kontrollstellen und während des Marathons sei vorsichtiger gefahren worden, der Effekt habe auch darüber hinaus gewirkt. „Der Blitzmarathon ist nicht zuletzt wegen seines großen öffentlichen Aufmerksamkeitswerts geeignet, das Bewusstsein der Autofahrer für die jeweils richtige Geschwindigkeit zu schärfen“, so Breitner. Der Blitzmarathon sei kein PR-Gag.

Das sieht die Gewerkschaft der Polizei anders. „Wir haben große Skepsis gegenüber dieser Show-Veranstaltung“, sagt Geschäftsführer Karl-Hermann Rehr. Die Zahl der Unfälle und der dabei Verletzten sei im vergangenen Jahr gestiegen – trotz des neuen Blitzmarathons. Dazu gebe es keinerlei Untersuchungen über die genaue Wirksamkeit des massenhaften Blitzereinsatzes. „Wir brauchen keine einmalige Festveranstaltung, sondern ständige Verkehrskontrollen. Nur das sorgt für mehr Sicherheit auf den Straßen“, sagt Rehr. „Aber der Minister bewirkt das Gegenteil, wenn er 160 Stellen unbesetzt lässt und bis 2020 weitere 122 einsparen will – auch bei der Verkehrspolizei.“ Da sei ein Blitzmarathon das falsche Signal: „Das ist ein Luxus, angesichts dessen, dass die Polizei schon jetzt nicht weiß, wie sie den Regeldienst besetzen soll.“

Ove Rahlf, Sprecher des Innenministeriums sagt dazu nur: „Eine Maßnahme, die nicht sofort zu einer deutlichen und dauerhaften Veränderung des Fahrverhaltens führt, ist damit nicht sofort als ungeeignet anzusehen. Tatsächlich ist es gerade die wiederholte Kontrolle und damit die immer wieder im Bewusstsein der Autofahrer verankerte Sanktionsgefahr, die auf Dauer zu Verbesserungen führen soll.“ Die Tatsache, dass während der Aktion nicht nur an den Kontrollstellen, sondern auch später Änderungen im Fahrverhalten festgestellt wurden, belege dies, so Ove Rahlf weiter.

Die Radarkontrollen sollen laut Ministerium an Unfallschwerpunkten sowie an sensiblen Orten wie Kindergärten, Schulen und Seniorenheimen erfolgen. Anders als in anderen Bundesländern dürfen im Norden Kinder keine Vorschläge für den Standort von Blitzanlagen machen. Das kritisiert Ingo Loeding, stellvertretender Vorsitzender des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein. „Kinder sind Experten in eigener Sache.“ Oft seien es sogar die Eltern der Kinder, die vor Schulen und Kindergärten rasten. „Am häufigsten verunglücken Kinder immer noch im Auto der eigenen Eltern.“ Loeding setzt auf den Lerneffekt und plädiert dafür, am Tag des Blitzmarathons auch Kinder an den Anhaltekontrollen zu beteiligen. „Dann sehen die Autofahrer wessen Leben sie gefährden.“

Zu Beginn der Woche, in der der Blitzmarathon stattfindet, wird die Polizei bekannt geben, wo die Radarfallen stehen. Es gehe nicht um eine „Abzocke“ der Autofahrer, sagt Andreas Breitner. Wie im vergangenen Jahr, in dem der Blitzmarathon das erste Mal im Norden stattfand, sei sein Ziel, die Geschwindigkeit dauerhaft zu senken. Zu hohes Tempo sei immer noch Unfallursache Nummer 1. Während des ersten Blitzmarathons am 10. Oktober 2013 wurde in Schleswig-Holstein an 156 Messorten kontrolliert. 405 Polizeibeamte waren im Einsatz. 120 937 Fahrzeugen passierten die Messanlagen. 6113 Fahrer fuhren zu schnell.

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