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Training im Blaulicht-Simulator : Polizisten bauen zu viele Unfälle im Einsatz

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Fehlende Übung und ein oft einsetzender „Jagdinstinkt“: Die Polizei will gegen zu viele Verkehrsunfälle im Einsatz gegensteuern. Schleswig-Holsteins Ordnungshüter sollen in Zukunft im Simulator üben – wie Piloten.

Eutin | Nach zu vielen Unfällen im Einsatz sollen Schleswig-Holsteins Polizisten künftig wie Piloten im Simulator trainieren. Erster im „Cockpit“ war gestern Innenminister Andreas Breitner (SPD). Sein Urteil über das 215.000 Euro teure Gerät: „Sehr wirklichkeitsnah.“ Breitner selbst war Polizeibeamter – mit allerdings „nur fünf Blaulichtfahrten“ während seiner Dienstzeit.

Fehlende Übung und ein oft einsetzender „Jagdinstinkt“ seien die größten Probleme, sagt der Eutiner Polizist und Kriminologe Martin Herrnkind. So hat es im vergangenen Jahr 69 Unfälle gegeben. In 43 Prozent der Fälle trugen Polizisten die Schuld, 21 Menschen wurden verletzt, 13 davon waren Beamte. Die Schadenshöhe betrug 254.000 Euro, Behandlungskosten nicht mitgerechnet. „Aus Gründen der Verkehrssicherheit und aus Fürsorge für unsere Beamten müssen wir gegensteuern“, sagte Breitner.

Zwar gibt es bereits regelmäßig ein Fahrsicherheitstraining für Polizisten auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Eggebek (Kreis Schleswig-Flensburg). „Doch Blaulichtfahrten können wir nicht schulen, weil wir nicht im öffentlichen Straßenverkehr üben dürfen“, sagt Kay Reiß, verantwortlich für die Fahrausbildung bei der Polizei. Diese Lücke soll der Simulator schließen. „Hier kann der Beamte den Tunnelblick durch Stress in den Griff bekommen, ein Risikobewusstsein und Handlungskompetenz entwickeln.“

Der Simulator steht bei der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung in Eutin (Kreis Ostholstein). Für den Nachwuchs ist die Schulung verpflichtend, aber auch ältere Kollegen können sich anmelden. Die Situationen, mit denen die Beamten konfrontiert werden, basieren auf tatsächlichen Unfällen bei Blaulichtfahrten, ausgewertet durch das Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften. Es gibt Fahrten im dichten Großstadtverkehr mit vielen unübersichtlichen Kreuzungen oder Überlandeinsätze mit hohen Geschwindigkeiten. Nebel, Regen, Gewitter und Dunkelheit können „zugebucht“ werden. Fahrzeuge und Fußgänger haben ein Eigenleben, reagieren wie im echten Leben auch mal falsch.

Thomas Gründemann von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte die Investition: „Im Einsatz ist das Risiko eines tödlichen Unfalls um das Vierfache erhöht. Der Simulator hilft, das hohe Gefahrenpotenzial zu bewältigen.“

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