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Albig, Schlie und Ulrich : Politik und Kirche in SH: „Flüchtlinge sind uns willkommen“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Spitzen von Politik und Kirche rufen zu einem Konsens in der Flüchtlingsfrage auf. Ein Gastbeitrag.

„In unserem Umgang mit Flüchtlingen darf es kein Missverständnis geben. Sie sind uns willkommen“, heißt es in diesem von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) und dem Landesbischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich, unterzeichneten Beitrag für unsere Zeitung, der in dieser Form ohne Beispiel ist:

„Wie gehen wir mit Menschen in höchster Not um? Mit denen, die vor Krieg, Verfolgung, Mord fliehen und zu uns nach Schleswig-Holstein kommen? Das ist eine Frage an uns alle. Eine Frage, die uns zutiefst berührt. Wir bitten Sie: Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung übernehmen. Geben wir den Frauen, Männern und Kindern, die bei uns Sicherheit suchen, das Gefühl: Sie bleiben nicht alleine. Zeigen wir ihnen, dass sie in Schleswig-Holstein willkommen sind. Nicht nur, weil diese Menschen uns brauchen. Auch weil wir als Gesellschaft bedenken sollten: Es macht uns ärmer, wenn wir uns aus Angst vor dem Fremden auf uns selbst zurückziehen.

Der Maßstab unseres Handelns ist das Grundgesetz. Es sichert jedem die Unantastbarkeit der Menschenwürde zu. Auch der christliche Glaube lehrt uns Solidarität mit den Schwachen. Ganz gleich, wovon wir uns leiten lassen: Unser Umgang mit Flüchtlingen muss sich daran messen lassen können, ob wir ethischen Werten wie Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit gerecht werden. Wir im Norden können das. In Schleswig-Holstein haben wir Erfahrung mit Menschen, die neu in unserer Mitte leben wollen. Das halbe Land hat Wurzeln, die nicht hier liegen. Wir haben schon mehrfach bewiesen, dass wir Flüchtlinge integrieren können. In Friedrichstadt waren es im 17. Jahrhundert die verfolgten Remonstranten. Und nach dem Zweiten Weltkrieg mussten besonders viele Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten bei uns aufgenommen werden. Kein anderes Bundesland hat damals so viele Flüchtlinge aufgenommen. Sie haben hier eine neue Heimat gefunden. Diese Nachkriegs-Erfahrungen machen viele Bürgerinnen und Bürger bis heute sensibel für die Sorgen von Flüchtlingen.

Wir brauchen einen überparteilichen, gesamtgesellschaftlichen Konsens in der Flüchtlingsfrage! In unserem Umgang mit Flüchtlingen darf es kein Missverstehen geben: Sie sind uns willkommen. Und wir sind dankbar für die vielen Initiativen in unseren Gemeinden und Kommunen, und auch in der Diakonie und Caritas, die sich verstärkt für Flüchtlinge engagieren. So viele öffnen Türen, teilen, heißen willkommen.

Wie kann es uns gelingen, diese Menschen erfolgreich zu integrieren? Es darf keinen Rückfall in die Exzesse der 90er Jahre geben, mit einer rechtsextremen Partei im Landtag und Anschlägen wie in Lübeck und Mölln. Der Brandanschlag von Escheburg hat wachgerüttelt. Und die Reaktion so vieler Menschen im Land zeigt: Dies war die Tat eines Einzelnen. Das war nicht Escheburg. Und es war schon gar nicht Schleswig-Holstein. Im Gegenteil: Immer mehr Mitbürger machen sich auf, um Flüchtlingen zu helfen. Jeden Tag liest man in den sh:z-Lokalausgaben von Menschen, die das Elend nicht kalt lässt. Die aktiv werden in den Städten, auf den Dörfern.

Diesen Elan und diese Hilfsbereitschaft unterstützen wir! Wir müssen durch frühzeitige Informationen und Gespräche vor Ort noch stärker als bisher Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit leisten und möglichst alle Menschen auf diesem Weg mitnehmen. Auch diejenigen, die noch zweifeln oder Sorge haben, die neue Situation nicht bewältigen zu können. Land, Kommunen und Kirche schaffen das gemeinsam mit Ihnen, liebe Leserinnen und Helfer. Je mehr sich jetzt an die Seite dieser von Krieg, Verfolgung und Mord bedrohten Menschen stellen, umso besser wird unsere gemeinsame Antwort auf die weiter steigende Zahl an Flüchtlingen sein. Wir in Schleswig-Holstein haben die Kraft für ein belastbares Bündnis der Humanität.

Wir werden diese Herausforderung meistern. Denn Schleswig-Holstein ist offen, barmherzig und tolerant.“

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