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„Willy Brand statt Karl Dönitz“ : Philologen-Treffen: Opposition wirft Stegner Nazi-Vergleich vor

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„Mein Leitbild ist eher Willy Brandt und nicht Karl Dönitz.“ Dieser Satz von Ralf Stegner sorgt für Empörung beim Philologenverband und in der Opposition.

Rendsburg | Die Vertretung der Gymnasiallehrer sieht ihre Schulart im Überlebenskampf. Entsprechend harsch fiel die Wortwahl ihres Vorsitzenden auf dem Jahreskongress am Donnerstag in Rendsburg aus: Die Landesregierung wolle das Gymnasium „sturmreif schießen“, äußerte der Chef des Philologenverbands, Helmut Siegmon.

SPD-Landtagsfraktionschef Ralf Stegner fand in einem Grußwort allein schon das Motto des Kongresses „militaristisch“. Es lautete: „Flaggschiff Gymnasium im Fadenkreuz der Küstenkoalition“. Stegner unterstellte den Philologen daraus die Lesart, sie sähen die Regierung am Steuer eines U-Boots, das das Gymnasium auf den Meeresgrund schicken wolle. Der Saal bestätigte diesen Eindruck, Stegner indes stellte klar: „Mein Leitbild ist eher Willy Brandt und nicht Karl Dönitz.“ In seinem zuvor von der SPD-Fraktion verbreiteten Manuskript hatte es geheißen: „Mein Leitbild ist Willy Brandt; das müssen Sie natürlich nicht teilen, aber ich wünsche mir auch nicht Karl Dönitz als Leitfigur des schleswig-holsteinischen Philologenverbandes.“ Dönitz war Oberbefehlshaber der Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg und im Frühjahr 1945 kurz Nachfolger Adolf Hitlers.

CDU-Fraktionschef Johannes Callsen und der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Christopher Vogt bezichtigten Stegner daraufhin per Pressemitteilung eines „Nazi-Vergleichs“. Nicht einmal im Eifer einer Debatte wäre eine solche Äußerung für Callsen entschuldbar. „Dass Stegner diese Formulierung auch noch wohl überlegt in sein Manuskript hinein schreiben ließ, ist völlig inakzeptabel“, sagte Callsen. „Wer im so genannten Dialogprozess den Regierungskurs nicht unterstützt, wird sofort persönlich verunglimpft.“ Vogt verlangt von Stegner eine Entschuldigung.

Der SPD-Fraktionschef las aus dem Motto des Kongresses weitere kriegerische Unterstellungen an die Landesregierung heraus. Er fragte: „Ist es wirklich Ihre Überzeugung, dass der bildungspolitische Diskurs – ein Bildungsdialog, wie es ihn in diesem Umfang und in dieser Intensität in unserem Land noch nie gegeben hat – mit einer Seeschlacht gleichzusetzen ist? Dass die Gymnasien ein Flaggschiff, also das Führungsschiff eines Kriegsschiffverbandes, sind? Eine solche Militarisierung der Sprache stehe in einem krassen Gegensatz zu den Zielen der Schulen und auch zum Dialog, der für die derzeitige Koalition Grundsatz geworden sei.

Beim Stichwort Dialog erntete Stegner von den rund 200 Mitgliedern schallendes Gelächter. Sie betrachten die Schulpolitik mit den Augen ihres Vorsitzenden, der beklagte: „Die Küstenkoalition schlägt einen Pflock nach dem anderen für die heiß ersehnte Einheitsschule ein.“ Siegmon untermauerte diesen Vorwurf mit einem Zitat aus einer Schrift der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung. Dort heiße es: „Das Zweiwegemodell (aus Gymnasium und einer anderen weiterführenden Schule, die Haupt- und Realschule bündelt, Anm. d. Red.) sehen wir als Zwischenschritt an.“

Besonders reibt sich Siegmon an der Gründung von Oberstufen an Gemeinschaftsschulen und Plänen für eine einheitliche Lehrerausbildung für alle Schularten – für ihn „der finale Flop“. Bei der Umsetzung des neuen Schulgesetzes zeigten sich schon jetzt „schwerwiegende Mängel“. Offensichtlich habe „ideologische Borniertheit oder Machtversessenheit der Küstenkoalition den Verstand vernebelt“.

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erstellt am 27.Feb.2014 | 12:58 Uhr

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