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Streit um Lehrerausbildung : Opposition fordert Rücktritt von Wende

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FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki hält Wende für „heillos überfordert“. Sie selbst mahnt zur Sachlichkeit. Am Mittwoch berät der Landtag ihr umstrittenes Lehrergesetz.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2014 | 12:35 Uhr

Flensburg | Im Streit um die künftige Lehrerbildung gerät nun auch Finanzministerin Monika Heinold unter Druck. Auf Fragen von Journalisten räumte die Grünen-Politikerin ein, die von Bildungsministerin Waltraud Wende prognostizierten Kosten der Reform nicht hinterfragt zu haben. Sie gehe davon aus, dass Wendes Angaben korrekt seien, sagte Heinold. Träfen die Angaben der Uni zu, „hätte ich den Beschluss des Kabinetts nicht mitgetragen“. 

Wende hatte die Investitionskosten für den Ausbau der Lehrerbildung an der Uni Flensburg in ihrer Kabinettsvorlage mit 1,2 Millionen Euro angegeben. Die Uni Kiel hält diese Summe für eine Fantasiezahl, rechnet mit 55 Millionen Euro nur für den Bau von Laboren für Biologen, Physiker und Chemiker. Pikant: Bei einer Hochschulkonferenz im November 2012 hatte Wende selbst die möglichen Kosten eines Ausbaus von Laboren für die naturwissenschaftliche Ausbildung in Flensburg indirekt als nicht finanzierbar bezeichnet. Kapazitäten gebe es an der Uni Kiel, erklärte Wende damals. „Geld, so etwas an zwei Standorten vorzuhalten, hat das Land nicht.“

CDU-Fraktionschef Johannes Callsen zeigte sich verwundert über Heinolds Erklärungen, sieht die Finanzministerin in Erklärungsnot. Wenn Heinold dem Gesetzentwurf zustimme, ohne die Kosten zu prüfen, „dann macht sie ihren Job nicht“. Der CDU-Hochschulpolitiker Daniel Günther sagte, „jeder mit einigermaßen Sachverstand lacht sich kaputt“  bei den von Wende angegebenen Kostenrahmen.

Während SPD-Fraktionschef Ralf Stegner den Entwurf zur Lehrerbildung verteidigte, pochten CDU und FDP auf den Rücktritt Wendes. Dies wäre „gut aus Sicht des Landes“, sagte Günther. Auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki hält Wende für „heillos überfordert“. Es sei „nicht das erste Mal, dass Professoren im politischen Leben an ihre Grenzen stoßen.“ Der FDP-Hochschulpolitiker Christopher Vogt sagte, entweder Ministerpräsident Torsten Albig ziehe das Gesetz zurück oder er zieht Wende zurück – am liebsten beides.

Wende selbst bat um eine „sachliche Diskussion“.  Es sei wenig förderlich, immer neue Konfliktkulissen aufzubauen und so Studenten zu verunsichern.

Nach den Reformplänen soll die Uni Flensburg ausgebaut werden und in Zukunft Lehrkräfte für die Sekundarstufe II an Gymnasien wie Gemeinschaftsschulen ausbilden. Die Uni Kiel sieht deshalb ihre Ausstattung gefährdet. Stegner versicherte, es werde „kein Euro umgeschichtet“ und keine Kapazitäten nach Flensburg verlagert. Heute wird sich der Landtag mit dem Gesetzentwurf befassen.

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