Korridor : Nur anderthalb statt drei Tage: Albig trickst bei Ferienterminen

Albig rühmte sich: „Dank des Protestes aus Schleswig-Holstein haben wir jetzt drei Tage mehr.“ Doch diese Rechnung stimmt so nicht.

Unser Hauptstadtkorrespondent Hening Baethge von
13. Juni 2014, 12:14 Uhr

Kiel | Nach der Einigung der Kultusministerkonferenz am Donnerstag freute sich Ministerpräsident Torsten Albig: Die Länge des Sommerferien-Korridors in Deutschland werde in den sieben Jahren ab 2018 nun zwar nicht wie gefordert auf durchschnittlich 90 Tage steigen, aber immerhin auf 84,6 statt nur auf 81,6 Tage. „Dank des Protestes aus Schleswig-Holstein haben wir jetzt drei Tage mehr“, rühmte sich der Regierungschef.

Das stimmt allerdings bei weitem nicht. Vielmehr sieht das sehr magere Zugeständnis, das Albig den anderen Ländern zur Verlängerung des Ferienzeitraums abgerungen hat, bei genauer Betrachtung so aus: Nordrhein-Westfalen geht 2023 zwei Tage eher in die Ferien, Sachsen mit Thüringen im Jahr 2024. Punkt. Das ergibt im Schnitt gerade mal einen halben Tag mehr für die Ferienkorridore von 2018 bis 2024 – aber nicht drei. Für Jörn Klimant, Chef des Tourismusverbandes im Land, ist daher klar: „Hier soll ein fauler Kompromiss schöngerechnet werden.“

Die anderen zweieinhalb Tage in Albigs Rechnung resultieren zum einen daraus, dass Schleswig-Holstein selber nun 2021 seine Ferien um eine Woche vorzieht, gemeinsam mit dem stärksten anderen Befürworter längerer Ferienzeiten, Mecklenburg-Vorpommern. Das bringt zwar einen Tag mehr – aber den hätte Albig auch gleich haben können, ohne erst ein Veto in der Kultusministerkonferenz androhen zu müssen.

Die restlichen anderthalb Tage dagegen sind eine reine Luftbuchung: Albig zählt für 2019 plötzlich die dann sehr späten zweiwöchigen Pfingstferien in Bayern und Baden-Württemberg mit. Das bringt rechnerisch 1,7 Tage mehr – faktisch aber keinen einzigen. Denn die Pfingstferien im Süden gibt es in jedem Fall. Hätte man sie bei der bisherigen Planung bereits mitgezählt, wäre man auch schon auf 83,3 Tage statt auf 81,6 gekommen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen