Neue Regelungen seit Januar : Notdienst in SH: Lange Wege zur Apotheke sorgen für Ärger

Am Bereitschaftsdienst sind neuerdings alle Apotheken beteiligt – für die Kunden eine Umstellung.
Wer in SH zur Apotheke muss, hat teilweise einen langen Weg vor sich.

Seit Anfang des Jahres darf der nächste Notdienst bis zu 40 Kilometer weit entfernt sein – vor allem für ältere Menschen auf dem Land ist das ein Problem.

Margret Kiosz von
14. Mai 2015, 11:46 Uhr

Seit Januar wird in Schleswig-Holstein per Computer errechnet, wann die einzelnen Apotheken Notdienst machen müssen – und es war absehbar, dass es Krach gibt. Die Folgen sind nämlich erheblich: Nicht in jeder Kreisstadt gibt es seitdem an 365 Tagen im Jahr eine Notdienstapotheke vor Ort. Die Husumer müssen schon mal ins benachbarte Mildstedt oder die Itzehoer nach Wilster fahren.

„Diese Neuregelung des Apothekendienstes gehört auf den Prüfstand“, fordert jetzt die Senioren-Union. „Wer alt ist, wer nicht mobil ist, wer auf dem Lande lebt, der ist der Betrogene“, schimpft Landesvorsitzender Wolfgang Börnsen, ehemaliger Bundestagsabgeordneter. In großen Städten mit über 70.000 Einwohnern dürfe die Not-Apotheke maximal 10 Kilometer entfernt sein, in Städten ab 20.000 Einwohner sind es bereits 16 und in Kleinstädten ab einer Bevölkerungszahl von 5000 Menschen müssten sich die Patienten bei einem nächtlichen Notfall auf eine Strecke bis zu 23 Kilometer einstellen.

Besonders in Stormarn regt sich laut Börnsen heftige Kritik. „Hier wurde offenbar das Vorgehen nicht mit der Hamburger Apothekenkammer abgestimmt, so dass es zu sehr weiten Entfernungen kommt. Aber auch in anderen Teilen des Landes gibt es Unmut und Unverständnis und den zunehmende Wunsch, zur alten, bewährten Regelung zurückzukehren“, so Börnsen.

Ziel der Neuregelung war es, die rund 12.600 Rund-um-die-Uhr-Dienste im Norden gerechter zu verteilen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Schleswig-Holsteiner in klar geregelter Entfernung eine dienstbereite Apotheke finden. Insgesamt – so damals die Hoffnung – werde die Verteilung in Schleswig-Holstein effizienter und gerechter, weil alle Apotheken Notdienste leisten müssen und es keine Teildienste – etwa bis 20 oder 22 Uhr – mehr gibt.

Das Ziel sei auch weitestgehend erreicht, erklärt jetzt der Präsident der Apothekerkammer, Gerd Ehmen. Probleme gebe es immer noch bei der Suche nach der nächsten Apotheke. Einige Angaben im Internet führen immer noch zu Verwirrung. „Am besten schaut man auf der Seite AKSH-Notdienst.de nach oder fragt den Arzt, der im Notdienst das Rezept ausstellt, wo die nächstgelegene Apotheke ist“, rät Ehmen. Zudem steht an jeder Apotheke in der Nachbarschaft angeschlagen, wer gerade Notdienst macht.

„Im Grunde hat sich gegenüber der Vor-Reformzeit für die Kunden nichts geändert“, so Ehmen. Schon vorher habe es in einigen Regionen Entfernungen von deutlich mehr als 30 Kilometern gegeben. Ob das die Senioren auf Dauer beruhigt, bleibt abzuwarten. Bei einem ersten Gespräch in der Kammer in dieser Woche seien die Wogen geglättet worden, so Ehmen.

Dem widerspricht Senioren-Union-Chef Börnsen vehement. „15 Kilometer bis zur nächsten diensthabenden Apotheke, das gab es, aber nicht annährend 40 Kilometer“, so der langjährige Bundestagsabgeordnete. Er will weiter für die Reform der Reform kämpfen, „denn so, wie der Notdienst jetzt geregelt ist, ist das ein Schlag ins Gesicht des ländlichen Raums“.

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