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Notarzt bei Unfall eingeklemmt

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Opel-Fahrer übersieht trotz Blaulicht und Martinshorn Rettungswagen / Fahrtrainer warnt: Unfallgefahr ist im Einsatz um Vielfaches höher

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2013 | 17:33 Uhr

Er wollte Leben retten, doch dann verunglückte er selbst: Bei einem Unfall in Kappeln ist gestern der Notarzt eingeklemmt worden. „Ein Hubschrauber musste gerufen werden, der ihn in die Klinik flog“, sagte Wolfgang Rochlitz, Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Schleswig-Flensburg, unserer Zeitung. Dort habe sich später herausgestellt, dass die Verletzungen des Notarztes nicht so schwerwiegend waren, wie es sich zunächst am Unfallort darstellte.

Mit Blaulicht und Martinshorn war der Notarzt auf der B 203 unterwegs zu einem medizinischen Notfall in Kappeln. An einer Kreuzung kam es zu dem Unglück: Der Fahrer eines Opel Omegas, für den die Ampel Grün gezeigt haben soll, übersah den VW-Bus und krachte ihm in die Seite. Das Einsatzfahrzeug wurde durch die Wucht des Aufpralls auf eine Verkehrsinsel und gegen einen Ampelmast geschleudert, der Notarzt auf dem Beifahrersitz eingeklemmt. „Wir mussten einen Rettungszylinder einsetzen, um den Fußraum aufzuweiten und ihn zu befreien“, erklärt Feuerwehr-Einsatzleiter Dirk Schadewaldt. Die Rettungsassistentin, die das Einsatzfahrzeug gefahren hatte, wurde ebenso wie der Fahrer des Opels nur leicht verletzt.

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft kam ein Sachverständiger zur Unfallaufnahme, die B 203 war während der Bergungs- und Aufräumarbeiten rund zwei Stunden lang für den Verkehr gesperrt. Details zu dem medizinischen Notfall, zu dem das Rettungsteam gerufen worden war, wurden nicht bekannt. Nur so viel: Am Ende habe der betroffenen Person trotz des Unfalls geholfen werden können, versicherte Rettungsdienstleiter Rocklitz.

Es ist nicht der erste Unfall des Kappelner Notarztwagens: Am Pfingstsonntag 2011 wurde er zu einem Herzinfarkt in Saustrup (Kreis Schleswig-Flensburg) gerufen. Nur 100 Meter vor dem Ziel prallte das Fahrzeug mit einem Motorradfahrer (70) zusammen und schleuderte in den Graben. Die Notärztin war durch Glassplitter am Auge schwer verletzt worden, kümmerte sich trotzdem um den Rentner. Er hatte laut Polizei den Notarztwagen trotz eingeschalteten Blaulichts übersehen. Der 70-Jährige erlag zwei Tage später seinen Verletzungen. Tragisch: Weil der Herzinfarkt-Patient, ein siebenfacher Familienvater, nun auf einen weiteren Notarztwagen warten musste, verstarb auch er.

„Die Unfallgefahr wächst, sobald ein Rettungswagen mit Blaulicht unterwegs ist“, erklärt Sven Göttsche, Fahrtrainer für Rettungswagen. Die Gefahr, bei einem Unfall schwer verletzt zu werden, sei achtmal so hoch wie bei einer normalen Fahrt, die Gefahr eines Sachschadens siebzehn Mal so hoch und die Gefahr, dass jemand bei einem Unfall ums Leben kommt, viermal so hoch. Die Rettungsdienst Kooperation in Schleswig-Holstein (RKISH) veranstaltet deshalb Sicherheitstrainings für Rettungsassistenten. Sie sollen ein Gespür für die Grenzen von Rettungs- und Notarztwagen bekommen. Ein Schutz vor unachtsamen anderen Verkehrsteilnehmer ist das nicht.

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