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Mord an Lübecker Joggerin : Norman L. kommt lebenslang ins Gefängnis

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Der 46-Jährige soll eine Joggerin aus Lübeck kaltblütig getötet haben. Er wird zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt – und kann nicht vorzeitig entlassen werden.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2014 | 09:53 Uhr

Lübeck/Schwerin | Für den Mord an einer 29 Jahre alten Joggerin aus Lübeck hat das Landgericht Schwerin am Mittwoch einen 46-jährigen Mann zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Nach Überzeugung der Richter hatte er die Frau am Morgen des 7. Juli 2013 in einem Wald zwischen Lübeck und Herrnburg (Nordwestmecklenburg) angegriffen und durch einen gezielten Messerstich in den Hals getötet.

Die späte Erklärung des Mannes, er habe die Frau attackieren, aber nicht töten wollen, konnte den Mordvorwurf nicht entkräften. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters, Robert Piepel, blieben viele Zweifel an den Darstellungen des Täters, so dass seinen Beteuerungen kein Glauben geschenkt werden könne. Die Angaben zum Tathergang seien „lebensfremd und konstruiert“ gewesen. Er habe mit dem späten Geständnis nur den Tathergang vernebeln wollen. Wie Piepel weiter sagte, besteht kein Zweifel am Tötungsvorsatz.

Der Mann habe seinem völlig arglosen Opfer die Klinge bis zum Anschlag in den Hals gerammt. Der Angriff sei überraschend gekommen, die junge Mutter habe sich noch gewehrt, sei aber ohne Chance gewesen. Zweifel äußerte das Gericht aber daran, dass der Angriff sexuell motiviert war. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten neben Mord und Verstoß gegen das Waffengesetz auch versuchte sexuelle Nötigung zur Last gelegt. Das Gericht sah indes Heimtücke und niedere Beweggründe als ausschlaggebend für die Tat.

Das Gericht folgte mit dem Urteil dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft und stellte auch die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Entlassung des vorbestraften Mannes nach frühestens 15 Jahren nicht möglich. Das Gericht begründete dies mit den schweren Folgen der Tat. Einem kleinen Kind sei die Mutter genommen worden. Außerdem habe der Mann - wie schon bei früheren, gerichtlich geahndeten Taten - eine große Aggression gegenüber Frauen offenbart.

Der Verteidiger hatte auf gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge plädiert und elfeinhalb Jahre Freiheitsentzug verlangt. Nach Konsultation mit seinem Mandaten wolle er entscheiden, ob das Urteil angefochten wird. Es ist somit noch nicht rechtskräftig.

Der Lübecker war vier Tage nach der aufsehenerregenden Tat in seiner Wohnung in festgenommen worden. DNA-Spuren an der Tatwaffe, einem in Tatortnähe gefundenen Butterflymesser, hatten auf seine Spur geführt. Bis unmittelbar vor Prozessende hüllte sich der 46-Jährige in Schweigen. Dann hatte er in einer Erklärung den Angriff überraschend doch zugegeben, die Tötungsabsicht aber bestritten.

Die Frau, die ihre Eltern in Lübeck besucht hatte und nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zufällig Opfer des Messerstechers wurde, hinterlässt einen kleinen Sohn und einen Mann. Die junge Familie lebte in Italien.

Was Sie über den Mordfall wissen sollten:

Wer war Anna-Lena U.?

Anna-Lena U. ist in Lübeck aufgewachsen. Die 29-Jährige war verheiratet und hatte eine zwei Jahre alte Tochter. Die Familie lebte aber nicht in Lübeck, sondern in Italien. In der Hansestadt war Anna-Lena U. nur, um ihre Eltern zu besuchen.

Was passierte am 7. Juli 2013?

Anna-Lena U. war im Wald bei Herrnburg (Nordwestmecklenburg) joggen. Am Sonntagvormittag gegen 11.30 Uhr fand ein  Jogger ihre Leiche. Sie lag auf einer kleinen Sandfläche neben dem alten Kolonnenweg. Der Weg gehört zum ehemaligen Grenzstreifen und wird gerne von Reitern, Joggern, Hundehaltern und Fahrradfahrern  genutzt. Da der Mann kein Handy bei sich hatte, lief er in Richtung Lübeck zurück. Er soll dann auf einen Radfahrer getroffen sein, den er  auf die grausige Entdeckung ansprach. Es war ausgerechnet der Vater der Ermordeten, der sich schon auf die Suche nach seiner Tochter gemacht hatte, weil sie nicht nach Hause zurückkehrte. Isabel Wenzel, Sprecherin der Polizeidirektion Rostock: „Der Vater fand dann seine tote Tochter.“ Anna-Lena U. soll blutüberströmt dagelegen haben, sie hatte Stichverletzungen am Hals.

Wie kam die Polizei dem Täter auf die Spur?

Ausschlaggebend für den Fahndungserfolg waren nach Angaben  des Leiters der  Kripo   Schwerin, Joachim  Arlom, Spuren des Täters, die  am Körper der Getöteten und an  der Tatwaffe sichergestellt wurden. Das Messer, mit dem der jungen Frau der tödliche Stich in  den Hals versetzt wurde, war in Tatortnähe gefunden worden. Ein DNA-Abgleich führte  die Polizei zu einem Mann aus Lübeck.

Vier  Tage  nach  dem Mord stürmten SEK-Beamte die Wohnung des Tatverdächtigen. Seine direkte Nachbarin  erzählt: „Es knallte gewaltig, da habe ich durch den Türspion geguckt – und sah die Polizisten mit ihren Sturmhauben.“ In einem weißen Overall und gefesselt mit Handschellen wurde Norman L. abgeführt. „Er war ein netter Typ, aber eher introvertiert“, sagt die Nachbarin.

Wer ist Norman L.?

Norman  L.  wohnte  nur   knapp 1,5  Kilometer  vom  Tatort  entfernt. Er ist geschieden und arbeitslos, war 1989 nach einer versuchten Vergewaltigung vom Lübecker Landgericht zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden, die er auch komplett abgesessen hat. Auch danach hat er nach Informationen des sh:z immer wieder Frauen belästigt. Der Vater von drei Töchtern war mit deren Mutter zwölf Jahre lang verheiratet gewesen. Vor einem Jahr trennten sich die beiden, Norman L. zog in die Wohnung nicht weit entfernt von seiner Ex-Frau – um die Kinder weiter regelmäßig sehen zu können, ein Auto hatte er nicht. Norman L. arbeitete zeitweise als Lagerist, war zuletzt aber arbeitslos.“ Seine Ex-Frau möchte nicht über ihn sprechen. „Es ist zu schwer für sie, auch wegen der Kinder“, erklärt ein Bekannter und fügt hinzu: „Norman war ein Einzelgänger ohne Freunde. Er trank viel und lungerte nicht nur vor dem Haus seiner Ex-Frau herum, sondern streifte auch viel in der Gegend umher.“

Was steht in der Anklage?

Einen Monat nach dem gewaltsamen Tod einer Lübecker Joggerin hat die Schweriner Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 45-jährigen Tatverdächtigen erhoben. Dem Mann werden Mord, versuchte sexuelle Nötigung und Verstoß gegen das Waffengesetz zur Last gelegt.

Norman L. soll Anna-Lena U. überfallen haben, um sich an ihr zu vergehen. Als sie sich  wehrte, hat sie der Angeklagte nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft aus Frust über den missglückten Übergriff und Angst vor Entdeckung erstochen. Die  Klageschrift geht von niederen Beweggründen als Mordmerkmal aus.

Was sagte Norman L. in seinem Geständnis?

Am 13. Januar legt Norman L. ein sechsseitges Geständnis ab. „Es tut mir unendlich leid“, heißt es in der Erklärung, die sein Anwalt verlas. Er habe den Tod der Frau nicht gewollt. Er habe an jenem Tag im Juli 2013 eine Körperverletzung an irgendjemandem begehen wollen, um eingesperrt zu werden. Damit habe er seiner von ihm getrennt lebenden Verlobten einen Warnschuss verpassen wollen, die immer wieder die Verantwortung für die vier gemeinsamen Kinder bei ihm abgeladen habe. Aus heutiger Sicht sei ihm diese Überlegung „absolut unbegreiflich“. Er habe einen Spaziergang in die Palinger Heide zwischen Lübeck und Herrnburg (Mecklenburg-Vorpommern) unternommen, als ihm plötzlich die Idee zu der Körperverletzung gekommen sei. Es sollte „nichts Schwerwiegendes“ sein.

Auf dem Weg sei ihm eine Person entgegengekommen, die er erst spät als Frau erkannt habe. Er habe ihr in den Arm stechen wollen. Sie habe ins Messer gegriffen. Dann, als er habe weglaufen wollen, habe die Frau ihn festgehalten und zurückgerissen. Beide seien zu Boden gegangen, sie habe plötzlich unter ihm gelegen. Beim Sturz sei das Messer offensichtlich im Hals der Frau gelandet. Das sei nicht bewusst geschehen, beteuerte er. Dann sei er weggerannt. Sein Butterflymesser habe er bei dem Spaziergang dabei gehabt, um es im Wald wegzuwerfen. Ihm sei bewusst gewesen, dass der Besitz eines solchen Messers illegal ist. Ihm sei mehrere Tage lang nicht bewusst gewesen, dass er die Frau tödlich getroffen hatte, hieß es in der Erklärung des Angeklagten weiter. Sie sei nach dem Angriff aufgestanden und habe sich in die Richtung bewegt, aus der sie gekommen war. Er sei weggelaufen und habe sich nach etwa 350 Metern hingesetzt, um eine Zigarette zu rauchen. Dabei habe er das Messer fallen lassen und mit dem Fuß Sand darübergescharrt.

Dieses Geständnis könnte sich strafmildernd auf das Urteil auswirken.

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