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Nordkirche: Gute Konjunktur lässt die Kirchensteuern sprudeln

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Landessynode in Travemünde beschließt Haushalt / Massenhafte Kirchenaustritte noch nicht berücksichtigt

Noch hat die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland gut lachen: Die Nordkirche hat einen ausgeglichenen Haushalt und ist schuldenfrei. Und mit Einnahmen in Höhe von 489 Millionen Euro lässt es sich in den Kirchengemeinden zwischen List auf Sylt und Heringsdorf auf Usedom gut leben: Rund 40 Millionen Euro konnten die am Wochenende in Travemünde tagenden Mitglieder der Landessynode bei den Beratungen über den Haushaltsplan 2015 als Rücklage für künftige Pensionszahlungen zur Seite legen.

Das sind andere Werte als etwa in der Landeskirche Oldenburgs, die ebenfalls am Wochenende mehrere Millionen Euro den Rücklagen entnehmen musste, um ihren Haushalt auszugleichen. „Dieser Haushalt macht deutlich, dass vorausschauend, solide und nachhaltig gewirtschaftet wird“, sagte das Mitglied der ersten Kirchenleitung der Nordkirche, Ralf Büchner, in Travemünde. Und der Vorsitzende des Finanzausschusses der Nordkirche, der frühere schleswig-holsteinische Finanzminister Claus Möller (SPD), betonte: „Die Nordkirche ist schuldenfrei.“


Kirchenaustrittszahlen „sind nicht kalkulierbar“


Das machte es den Kirchenparlamentariern möglich, einen mit 4,5 Millionen Euro ausgestatteten Fonds für die Seelsorge im Tourismus aufzulegen. Daraus sollen Gemeinden in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern unterstützt werden, in denen während der Tourismussaison besonders viele Urlauber zu Gast sind.

Doch wie sich die Finanzen der Nordkirche in den kommenden Jahren entwickeln werden, ist noch völlig offen. Eine Tischvorlage der Kirchenleitung der Nordkirche prognostizierte für das kommende Jahr zwar Kirchensteuereinnahmen in Höhe von 453 Millionen Euro. Und in einer so genannten „Kirchensteuergrobprognose“ wird sogar davon ausgegangen, dass 2018 in den Bundesländern Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 462 Millionen Euro Kirchensteuern eingenommen werden könnten.

Doch ein wesentlicher Trend der letzten Jahre ist darin noch nicht einbezogen: „Seit Oktober 2013 sind erhöhte Kirchenaustrittszahlen festzustellen“, heißt es in dem Papier der Kirchenleitung. Gründe dafür seien die Debatten um den ehemaligen katholischen Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, über das kirchliche Engagement beim Rückkauf der Energienetze in Hamburg und zuletzt das neue Verfahren zum Einzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge. „Es ist nicht kalkulierbar, wie sich die Kirchenaustrittszahlen weiter entwickeln“, heißt es in dem von Finanzdezernent Wichard von Heyden unterzeichneten Papier. „Kirchensteuerlich werden sich diese Kirchenaustritte im Wesentlichen erst in den Folgejahren niederschlagen.“ Was dazu führen könnte, dass der gute Haushalt der Nordkirche nur eine Atempause bleibt.



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