"Nicht bei uns" - Streit um Flüchtlings-Unterkünfte

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08. Januar 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Der Sozialsenator wusste, dass es Probleme geben wird. Im November hatte Detlef Scheele (SPD) an Bürger und Bezirke appelliert, zusätzliche Einrichtungen für Flüchtlinge mitzutragen: "Nur wenn wir alle an einem Strang ziehen und sich die gesamte Stadt solidarisch zeigt, werden wir es schaffen, bis zum Frühling mehr Plätze für Flüchtlinge und Wohnungslose zu schaffen." Sein Wunsch fand nicht überall Gehör. In allen sieben Bezirke sträuben sich Bürger gegen geplante Wohn- und Containerdörfer.

Besonders fassungslos sind Anwohner in Lokstedt. Dort soll auf dem Gelände eines ehemaligen Recyclinghofs ein Containerdorf für 180 Bewohner entstehen. Bei einem Infoabend sprach ein Bürger aus, was viele insgeheim denken mögen: "Nebenan ist ein Autohändler - und so ein Rolls Royce weckt Begehrlichkeiten."

Die Kritiker fordern einen anderen Standort. Auch deshalb, weil das ausgewählte Grundstück mit Gift belastet sei. Sechs Meter unter dem Gelände liegt eine ehemalige Mülldeponie mit giftigen Methanausdünstungen. Die Behörden geben allerdings Entwarnung: "Es besteht keine Gesundheitsgefahr, der Boden wird nicht aufgegraben." Dennoch ließ Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke die Erschließung stoppen. Ein toxikologisches Gutachten soll Klarheit bringen.

Massiver Protest regt sich auch in Bergedorf. Bezirksamtsleiter Arne Dornquast klagt, sein Bezirk werde stärker belastet als andere. Tatsächlich soll Bergedorf 400 von hamburgweit 1150 Plätzen schaffen. Dort ist auch die größte der neuen Siedlungen vorgesehen. Nahe der A 25 sollen 300 Flüchtlinge und Zuwanderer vorübergehend unterkommen. Im benachbarten Kleingartenverein erinnert sich mancher an das Flüchtlingsdorf, das es dort in den 90er Jahren gegeben hatte. Damals seien die Einbruchszahlen sprunghaft angestiegen.

Der Unmut trifft den Senat am wundesten Punkt: Ihm läuft die Zeit davon. Schon im März müssen erste Unterkünfte bezugsfertig sein. Die bisher rund 8350 Plätze in der Stadt sind schon jetzt belegt. Grund ist die erhebliche Zunahme der Asylbewerberzahlen seit Mitte 2012.

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