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Maklercourtage für Vermieter : Neues Gesetz: Makler in SH fürchten um ihre Jobs

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Künftig sollen Vermieter die Maklerkosten übernehmen. Droht jedem dritten Wohnungsvermittler im Norden das Aus?

Kiel | Die Maklerbranche ist in Aufruhr. Die Berliner Koalition will angesichts explodierender Wohnungskosten Mietern entgegenkommen und das sogenannte Bestellerprinzip einführen. Vermieter, die einen Makler einschalten, sollen ihn auch bezahlen. Bislang zahlten meist die Mieter die Courtage in Höhe von 2,38 Kaltmieten. „Das Gesetz wird eine Menge Arbeitsplätze kosten“, ist sich Axel Kloth, Chef der Maklerverbandes IV-Nord sicher. Der Grund: Viele Vermieter werden ihre Immobilie in Eigenregie vermarkten, um die Maklercourtage einzusparen.

Vom großen Maklersterben – einem Drittel droht das Aus, sagen Experten – will Kloth zwar nicht sprechen. Er geht aber davon aus, dass nicht nur „die windigen Glücksritter“, die sich zuletzt auf dem Markt breit machten, schneller verschwinden als ohne die Neuregelung, die im Frühjahr 2015 in Kraft treten soll. „Wenn man die Verbraucher wirklich schützen will, sollte man lieber Qualitätsstandards festlegen“, fordert Kloth, der 400 im IVD-Nord organisierte schleswig-holsteinische Makler vertritt. Momentan kann jeder als Immobilienmakler tätig werden, er benötigt lediglich einen Gewerbeschein, keine Sachkenntnisse. Zuletzt hatte die Branche deshalb mit dem Image zu kämpfen, nur für Türaufschließen und Massenbesichtigungen satte Provisionen einzustreichen.

Mieter und Mieterverbände warnt er zudem vor zu viel Euphorie. Es werde für sie massiv Nachteile geben. So würden Vermieter ihre Mieter künftig durch längerfristige Verträge knebeln und bei vorzeitiger Kündigung Teile der Courtage in Rechnung stellen. Zudem werde für Bürger, die aus beruflichen Gründen eine Bleibe in einer anderen Stadt benötigen, die Suche schwieriger. „Sie werden kaum einen Makler finden, der sich angesichts der strengen Regularien – die Wohnung darf noch nicht anderen Interessenten angeboten worden sein – zu einem Vermittlungsvertrag überreden lässt“.

Für den Mieterbund Schleswig-Holstein ist die Reform hingegen längst überfällig. Das bisherige System sei „unanständig und hochgradig ungerecht“. Besonders ärgerlich findet Verbandsvize Heidrun Clausen, dass sich etliche Hausverwaltungen gleichzeitig als courtageberechtigte Makler betätigen. Das ist zwar offiziell verboten, wird aber mit vielen Tricks und Überkreuzgeschäften trotzdem gemacht. „Diesem Missbrauch wird jetzt der Boden entzogen.“ Für Clausen steht fest: „Mieter werden profitieren.“ Allen jenen, die demnächst umziehen möchten und zeitlich nicht unter Duck stehen, rät sie: „Warten sie mit der Anmietung bis das Gesetz in Kraft tritt.“ Da auch in Schleswig-Holstein pro Jahr in jeder siebten Wohnung ein Mieterwechsel stattfinde, sei das Sparpotenzial enorm. Laut Berechnungen des Mieterbunds zahlen Mieter bundesweit derzeit 1,2 Milliarden Euro Makler-Courtage pro Jahr.
 

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erstellt am 23.Nov.2014 | 18:46 Uhr

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