„Grosser Nordbogen“ : Neuer Vorstoß für A20-Trasse über Neumünster

Die A20 kann bisher von der A11 in Brandenburg nahe der polnischen Grenze bis Bad Segeberg befahren werden.
Die A20 kann bisher von der A11 in Brandenburg nahe der polnischen Grenze bis Bad Segeberg befahren werden.

Nach dem Baustopp der A20 schöpfen die Befürworter eines „großen Nordbogens“ wieder Hoffnung. Sie sind für eine nördliche Fortführung der Autobahn über Neumünster bis zu einer Elbquerung bei Brunsbüttel. Doch Schleswig-Holsteins Verkehrsminister bremst.

shz.de von
25. November 2013, 13:48 Uhr

Kiel | Der Brief in Sachen A20 richtet sich direkt an Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten. „Der Presse können wir entnehmen“, schreibt der Chef des Landesverbands Güterkraftverkehr und Logistik, „dass die Trassenführung südlich von Segeberg auf wenig Akzeptanz in den betroffenen Gemeinden stößt.“ Daher mache er sich den Vorschlag der Initiative „A-20-Nordbogen“ zu eigen: Eine Streckenführung mit einem Tunnel durch Bad Segeberg und einer nördlichen Fortführung der Autobahn über Neumünster bis zu einer Elbquerung bei Brunsbüttel „wäre eine Alternative, die mehr Akzeptanz erfahren und schneller verwirklicht werden könnte.“

Das war vor acht Jahren, Ministerpräsident in Kiel war Peter Harry Carstensen, Verkehrsminister Dietrich Austermann, beide CDU – und beide hielten nichts vom „großen Nordbogen“. Vielmehr wurde kurz nach dem Brief der Logistikbranche die bis heute vorgesehene Linienführung der A20 festgelegt, die im Süden an Bad Segeberg vorbeiführt. Die allerdings hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gerade nach Klagen von Umweltverbänden und Gemeinden gekippt und vom Land die Prüfung weiterer Trassenvarianten verlangt. Weil Carstensens SPD-Nachfolger Torsten Albig daher nun zumindest wieder über einen Tunnel durch Bad Segeberg nachdenkt, wittert auch die Bürgerinitiative „A-20-Nordbogen“ Morgenluft: „Wenn die Landesregierung jetzt andere Trassen prüft, muss sie auch den großen Nordbogen einbeziehen – denn der hat viele Vorteile“, sagt Initiativensprecher Nic Pohlmann, ein pensionierter Ingenieur aus Kaltenkirchen.

Ein großer Vorzug sei etwa, dass der Nordbogen in weiten Teilen auf Trassen bestehender Bundesstraßen wie der B205 Richtung Neumünster oder der B5 bei Brunsbüttel verläuft. „Dadurch lassen sich unnötiger Flächenverbrauch und Flächenankauf vermeiden“, sagt Pohlmann. Der Nordbogen wäre daher „umweltfreundlicher und kostengünstiger“. Das gelte auch deshalb, weil die A20 in Niedersachsen kürzer sein könnte als bisher vorgesehen – wenn sie schon bei Cuxhaven in die A27 münden würde. Zudem sei der Nordbogen „effektiver“, da Zentren wie Neumünster, Itzehoe und Brunsbüttel besser angebunden würden. „Die Standortqualität würde dort erheblich verbessert“, argumentiert Pohlmann. Er nennt den Nordbogen daher auch „Achse der Vernunft“.

Allerdings hat diese Achse auch große Nachteile. Den größten nennt Schleswig-Holsteins heutiger Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD): „Wir müssten alles völlig neu planen – das würde uns Jahre zurückwerfen“, warnt er. Hinzu kommt, dass durch den Schwenk nach Norden die A20 und damit die Verbindung zwischen polnischer und holländischer Grenze länger als geplant würde und der Tunnel unter der Elbe weiter westlich entstünde. Beides könnte dazu führen, dass weniger Autofahrer diese Route wählen als bei der jetzigen Linienführung. Meyer macht Pohlmanns Initiative daher keine große Hoffnung: „Der Nordbogen steht für uns im Moment nicht zur Debatte.“

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