Grippeepidemie in SH : Neuer Grippe-Impfstoff wirkt nicht richtig – Ärzte alarmiert

Gegen einige gefährliche Virustypen gibt es kein Mittel – ein Kieler Experte befürchtet einen starken Anstieg der Erkrankungen.

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21. Januar 2015, 19:59 Uhr

Kiel | Bisher haben sich 400.000 Schleswig-Holsteiner gegen Grippe impfen lassen. Doch der Impfstoff dieser Saison wirkt offenbar nicht bei jedem Geimpften. Gegen einen von drei Virentypen, die im Umlauf sind, gibt es keinen wirksamen Schutz, bestätigt das Robert-Koch-Institut (RKI). Dabei handelt es sich ausgerechnet um den stark verbreiteten Viren-Subtyp A (H3N2), der schon häufiger zu schweren Grippewellen geführt hat. Die RKI-Wissenschaftler rechnen deshalb mit höheren Erkrankungszahlen.

Dieses Risiko sieht auch Professor Helmut Fickenscher vom Kieler Uni-Institut für Infektionsmedizin: „Weil die Influenza Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr links liegen gelassen hat, rechnen wir in diesem Jahr mit einer deutlichen Epidemie“, so der Professor. Der Grund: Die Abwehrkräfte lassen nach, wenn sich der Köper – wie im vergangenen Jahr – nicht mit den Influenzaviren auseinandersetzen muss.

Die Auswirkungen des nicht optimalen Impfstoffes sind allerdings noch nicht absehbar, denn die Grippewelle ist noch gar nicht angelaufen. „Sie schlägt erfahrungsgemäß erst ab der vierten Januarwoche zu“, erläutert Fickenscher. In der vergangenen Woche sind erst 17 Meldungen über Influenza-Fälle in Schleswig-Holstein eingegangen – davon allein fünf aus Kiel. Seit Ende Dezember waren es 40, mit einem Schwerpunkt in Lübeck.

Die RKI-Wissenschaftler betonen, dass es einen hundertprozentigen Schutz nie gibt, weil sich die Virenstämme ständig ändern. Der jeweilige Impfstoff wird jedoch schon Monate vor der Grippesaison von Virologen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in seinen Komponenten festgelegt und dann produziert. Aber auch wenn der Schutz nicht optimal ist, rät Fickenscher dazu, sich noch gegen Grippe impfen zu lassen. Schließlich habe sich der Impfstoff gegen die übrigen Virengruppen (vor allem Influenza-B-Viren und N1H1) als wirksam erwiesen. Und noch sei gar nicht klar, ob die dritte Impfkomponente nicht doch zumindest teilweise wirksam ist. „Einen Totalausfall gab es bislang noch nie“, so Fickenscher.

Empfohlen wird die Grippeschutzimpfung bestimmten Risikogruppen sowie Kindern und Senioren. Nur bei diesen Betroffenen muss sie von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden. Allerdings finanzieren die meisten Kassen die Impfung auch für andere Versicherte.

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