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Stromtrassen für Windenergie : Neuer Fahrplan für den Netzausbau

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bis 2018 sollen neue Stromleitungen Schleswig-Holsteins Windenergie in Deutschland verteilen. „Schon Windräder bedeuten einen schweren Eingriff in die Landschaft“, sagt Umweltminister Habeck. Stromnetze seien das allemal.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Kiel | Für Robert Habeck (Grüne) ist er der „hässliche Bruder“ der Energiewende: der Stromnetzausbau. Doch der Energieminister will die Projekte im Eiltempo vorantreiben. Bis 2018 solle das Netz stehen, um im Norden produzierten Strom in die Regionen ableiten zu können, wo er gebraucht wird. Das sei zwar „sportlich“, aber machbar.

Im Landtag in Kiel legte der Grüne dazu gestern seinen Fahrplan vor. Im Grundsatz stellten sich alle Fraktionen hinter die Ausbaupläne. Das Land liege mit seinen Planungen für den Netzausbau an der Westküste so weit vorne, dass mit einer „übermäßigen Zunahme von Zwangsabschaltungen“ nicht zu rechnen sei, sagte Habeck.

Der Ausbau der Windkraft geht im Rekordtempo weiter. Nicht mehr lange, dann wird Schleswig-Holstein drei- bis viermal soviel Strom aus Erneuerbaren Energien produzieren wie es selbst verbraucht. Für die nächsten Jahre rechnet Habeck mit einem Zubau von 9000 Megawatt. 250 Windräder befinden sich aktuell im Bau. „Schon Windräder bedeuten einen schweren Eingriff in die Landschaft“, sagte Habeck. Stromnetze seien das allemal. Die seien aber nötig für den Abtransport des Windstroms.

Netzausbau im Norden – das sind fünf Großvorhaben, die Habecks Planer derzeit auf dem Tisch haben und die mit der betroffenen Bevölkerung breit diskutiert werden sollen. Dabei geht es um die 185 Kilometer lange Mittelachse zwischen Dollern (Niedersachsen) und Kasso (Dänemark). Die Leitung soll ab 2019 den Austausch mit dem nördlichen Nachbarn verbessern, für den Abfluss erneuerbarer Energien aus dem Kreis Schleswig-Flensburg und Versorgungssicherheit im Land sorgen.

Dazu kommt die 150 Kilometer lange Westküstenleitung, die erneuerbaren Strom aus Nordfriesland und Dithmarschen einsammeln, ableiten und bis spätestens 2018 stehen soll. Die notwendigen Verfahren laufen.

Außerdem wird das 500 Kilometer lange Seekabel nach Norwegen geplant, das ab 2018 einen Teil der an der Westküste produzierten Stromüberschüsse auffangen und in windarmen Zeiten wieder ins Netz einspeisen soll. Hinzu kommt das 770 Kilometer lange Südlink, das 2017, spätestens 2022, Strom aus erneuerbaren Energien in die großen Verbrauchsszentren im Süden ableiten soll. Es soll dort Strom aus konventionellen und Kernkraftwerken ersetzen.

Und als Letztes geht es um die 100 Kilometer lange 380-KV-Leitung von Göhl im Norden von Ostholstein nach Lübeck. Die Bundesnetzagentur hat den Leitungsausbau genehmigt.

Habeck steht zu dem Projekt: Ein zunächst geplanter Ausbau als 110-KV-Leitung sei „erheblich teurer und ein größerer Eingriff ins Landschaftsbild“. Das Projekt hatte zu Konflikten auch innerhalb der Koalition geführt. In dieser Region sind bisher über 500 Megawatt Ökostrom installiert. Weitere 1000 Megawatt, vor allem aus Windkraft, sollen in den kommenden Jahren dazukommen.

Die SPD-Fraktion hatte die Notwendigkeit der 380-KV-Trasse, deren künftiger Verlauf noch unklar ist, zunächst in Frage gestellt. Regierungschef Torsten Albig und Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (beide SPD) verteidigten das Projekt und stärkten Habeck den Rücken. Es gebe keine Alternative zu dem Vorhaben, wenn Schleswig-Holstein Top-Energiestandort bleiben wolle.

In der Landtagsdebatte gestern unterstrich der SPD-Abgeordnete Olaf Schulze, Grundlage der Gespräche in der betroffenen Region werde das Votum der Bundesnetzagentur für die 380-KV-Variante sein.

Aus Sicht der Opposition sind zahlreiche Fragen beim Ausbau der Windkraft und der Stromnetze noch unbeantwortet. „Kaum Ideen, keine Unterstützung von innovativen Projekten zur Nutzbarmachung von Energie, die nicht abgeführt werden kann, keine Initiativen zur Entwicklung von Stromspeichern, und selbst der Koalitionspartner von der SPD stellt den Netzausbau auf einmal infrage“, befand Oliver Kumbartzky von der FDP. Auch der Unionsabgeordnete Hartmut Hamerich kritisierte den „Schlingerkurs der Koalition“ bei der Osttrasse. Hamerich: „Wir brauchen eine Nachhaltigkeitsstrategie für Schleswig-Holstein, die mittelfristig nicht mehr auf Subventionen angewiesen ist.“

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