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Neuer Digitalfunk nervt die Polizei

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erstellt am 30.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Kiel/Lübeck | Der Schritt in die Zukunft, er ist ein Stolpern: Die Polizei bekommt ihre Probleme mit dem Digitalfunk nicht in den Griff: Gestern sollte die Kieler Regionalleitstelle ihren Digitalfunk einschalten - doch wegen Softwareproblemen musste der Start der neuen Technik verschoben werden. Ein zweiter Versuch ist für heute geplant. Trotzdem steht fest: Während der Kieler Woche soll es keine Experimente geben, es wird weiter analog gefunkt.

Die Kieler Panne reiht sich in eine lange Serie ein. Im Dezember hatte Innenminister Andreas Breitner (SPD) den ersten digitalen Funkspruch abgesetzt, im April begann die heiße Phase, der "erweiterte Probebetrieb". Als erste Regionalleitstelle im Land ging Lübeck ans digitale Netz. In der Hansestadt und im Kreis Ostholstein sollte abhörsicher kommuniziert werden. Daraus wurde nichts. "Aus noch ungeklärter Ursache kam es zwischen der Leitstelle und den Einsatzkräften immer wieder zu Gesprächsabbrüchen", sagt Jürgen Börner vom Landespolizeiamt in Kiel. Die Probleme waren so gravierend, dass die Beamten bereits nach drei Wochen wieder ausschließlich analog funkten.

Die Landespolizei startete ein intensives Test- und Analyseverfahren. "Es sind bereits wichtige Erkenntnisse gewonnen worden", erklärte Börner. Nach Informationen unserer Zeitung gab es Probleme mit den Sendemasten. Der Verbindungsaufbau soll nur schleppend funktioniert haben und in mehreren Fällen konnte nur lediglich eine Person zur Zeit sprechen. Zudem soll es, wenn hohe Gebäude in der Nähe waren, zu Störungen gekommen sein.

Bauwerke bereiten den Beamten auch in anderer Hinsicht Schwierigkeiten: Bei Testläufen mit der neuen Technik in der Kieler Sparkassen-Arena war es Beamten innerhalb des Gebäudes nicht möglich, mit ihren Kollegen außerhalb der Halle zu kommunizieren. Für das neue digitale Netz wurden im Land 159 Funkmasten aufgestellt, doch bei Häusern mit Wänden aus Stahlbeton, beschichteten Scheiben oder Oberflächen, die Funkwellen reflektieren, sind die Sender offenbar nicht stark genug.

Hier müssen die Inhaber auf eigene Kosten Antennen installieren, es betrifft Veranstaltungs- und Einkaufszentren aber auch Verwaltungen. "Die Gewährleistung einer umfassenden Funkversorgung von Gebäuden und Bauwerken obliegt den Betreibern dieser Objekte", heißt es dazu von der Bundesanstalt für den Digitalfunk in Berlin. Die genauen Kosten für Schleswig-Holstein können noch nicht beziffert werden. Konflikte, die möglicherweise in langen Prozessen ausgefochten werden, sind programmiert.

Innenminister Breitner wirbt unterdessen für Gelassenheit: "Die jetzige Phase trägt aus gutem Grund den Namen Probebetrieb", sagte er gestern. Bei der Einführung einer so komplexen Technik seien Störungen und größere Probleme nie auszuschließen. "Wir proben, um Fehler zu erkennen und zu beheben, bevor es im Echtbetrieb zu ernsthaften Störungen kommt. Wir sind auf einem guten Weg - das Netz steht."

"Ganz offensichtlich tut es das aber weniger als in anderen Bundesländern", sagt die polizeipolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Astrid Damerow. Angesichts der großen Probleme habe sie Zweifel daran, dass der analoge Parallelbetrieb Ende 2013 wie geplant abgeschaltet werden könne.

Davon ist man im Landespolizeiamt auch längst abgerückt. "Einen konkreten Zeitplan für die flächendeckende Einführung des Digitalfunks in Schleswig-Holstein gibt es noch nicht", sagt Polizeisprecher Börner.

"Das Problem beim Digitalfunk ist, dass zu viele Firmen daran arbeiten, die nicht richtig miteinander kommunizieren", sagt Karl-Hermann Rehr von der Gewerkschaft der Polizei. Für die Beamten sei das eine erhebliche Belastung. "Wir fordern, die Leitstellen personell so zu besetzen, dass nicht improvisiert werden muss."

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