Neue Tourismus-Chefin setzt auf Gefühl

Gegen Andrea Gastager ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Gegen Andrea Gastager ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Andrea Gastager hat heute ihren ersten Arbeitstag und möchte eine weit höhere Gästezufriedenheit im „Echten Norden“ erreichen

shz.de von
01. Juni 2014, 13:50 Uhr

Stürmisch zeigt sich das Wetter an Ihrem letzten Arbeitstag als Geschäftsführerin des Lübeck- und Travemünde-Marketings. Was bewegt Sie nach sieben erfolgreichen Jahren in der Hansestadt innerlich?

Das gelungene Großereignis Hansetag wirkt noch nach. Die Freude ist groß über das, was mein hervorragendes Team für Lübeck und Travemünde bewegen konnte und weiter bewegen wird. Die Vorfreude auf die neue große Aufgabe wächst stündlich, ich möchte endlich loslegen.

Haben Sie lange gezögert als die Anfrage für den Tash-Job kam?

Ich habe schon überlegt, auch weil sich dadurch meine private Lebenssituation ändert, ich künftig eine Wochenend-Ehe führen werde. Doch dieses Heimatgefühl, die Liebe für Schleswig-Holstein machen das Angebot zum Traumjob.

Heimatgefühl, Sie sind doch in Bayern geboren und aufgewachsen?

Das stimmt, doch ich habe mich in Schleswig-Holstein sofort zuhause gefühlt. Hier vermisse ich manchmal die bayerische Küche. Doch wenn ich im Süden bin, ist die Sehnsucht nach Stränden, nach Marsch- und Hügelland, nach der Frische hier im Norden viel größer.

Das Landesmarketing steht vor einigen Herausforderungen. Was ist Ihr wichtigstes Ziel?

Die Tash ist in einer schwierigen Situation, in unruhigem Fahrwasser. Ich möchte alle Partner auf allen touristischen Ebenen dafür begeistern, gemeinsam für dieses einzigartige Land zu werben. Dafür müssen wir uns effektiver abstimmen.


Wie ist Ihre Einstellung zur neuen Dachmarke, zum „Echten Norden“?

Ich freue mich darüber, dass diese freche Marke polarisiert, für Aufmerksamkeit und Gesprächsstoff sorgt. Der ‚Echte Norden‘ ist schon ein wichtiger Absender, nun müssen wir ihn noch emotional aufladen und mit Inhalten füllen. Ende Juni wird es im Rahmen einer Imagekampagne erste konkrete Ergebnisse dafür geben.


30 Millionen Übernachtungen pro Jahr, die Steigerung des Umsatzes um 30 Prozent und bei der Gästezufriedenheit im Länder-Ranking der Sprung von Platz sieben auf Platz drei. Halten Sie die Ziele der Tourismustrategie bis 2025 für realistisch?

Ich bin gar nicht bange, ich freue mich, dass sie so ehrgeizig sind. Vielerorts haben sie eine Aufbruchstimmung erzeugt, deren Schwung genutzt werden sollte. Das schwierigste Ziel ist die hohe Gästezufriedenheit. Wenn wir Platz drei schaffen, ergeben sich die wirtschaftlichen Ziele fast von selbst.


Einen Service für glückliche Urlauber kann man nicht von oben verordnen...

Deshalb sollten wir unten anfangen, bei jedem Vermieter, jedem Bäcker und Busfahrer. Jede Freundlichkeit, die einem Urlauber geschenkt wird, ist beste Werbung für das ganze Land.


Gerade die kleinen Betriebe sind von der Flut an Themen, Strategiezielen und Zertifizierungsangeboten überfordert. Wie kann geholfen werden?

Wir brauchen einen Kümmerer für die Dienstleister vor Ort, der kostet Geld.


Ist denn die derzeitige finanzielle Ausstattung für eine Tash ausreichend, die mehr Verantwortung für die Vermarktung des Landes übernehmen soll?

Nein, wir brauchen eine höhere Finanzierung, die von vielen getragen werden muss – vom Land, den Regionalverbänden, der Wirtschaft und weiteren Partnern. Einer der wichtigsten Posten wird das Umsetzungs-Management für die Tourismusstrategie sein.

Welche Hindernisse müssen beseitigt werden, um die Potenziale des Landes besser zu nutzen?

Viel zu tun gibt es mit Blick auf die Erreichbarkeit. Die Infrastruktur muss stimmen, Baustellen sollten ehrlich und gut kommuniziert werden. Schließlich sind sie die Voraussetzung für notwendige Verbesserungen. Ein schnelles Internet sollte flächendeckend zur Selbstverständlichkeit werden. Dazu kommt der Fachkräftemangel. Dem müssen wir begegnen, indem wir besser vermitteln, welches Privileg es ist, seine Freizeit dort zu verbringen, wo andere ihren Urlaub genießen.

Kennen Sie sich denn in Schleswig-Holstein schon gut aus?

In einigen Ecken noch nicht, das werde ich aber schnell nachholen.


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