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Sinkende Aufklärungsquote : Neue Strategie gegen Einbrüche wirkungslos

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit zwei Jahren geht die Polizei besser organisiert gegen Diebesbanden vor – doch die neue Strategie zeigt kaum Wirkung.

shz.de von
erstellt am 08.Sep.2014 | 12:37 Uhr

Kiel | Es ist genau zwei Jahre her: Mit Beginn der dunklen Jahreszeit 2012 hat die Landespolizei eine neue Strategie gegen Einbrüche in Kraft gesetzt. Die Ermittlungen sind seitdem überregionaler und insbesondere auf organisierte banden ausgerichtet. Doch statistisch deutlich nachweisbare Erfolge lässt das Konzept bis heute vermissen.

Die Zahl der angezeigten Wohnungseinbrüche in Schleswig-Holstein ist von 2012 auf 2013 nur unwesentlich zurückgegangen – von 7654 auf 7534. Zum Vergleich: 2005 waren in Schleswig-Holstein erst 4996 Einbrüche erfasst worden. Die Aufklärungsquote ist sogar noch weiter gesunken: von 11,3 Prozent im Jahr 2012 auf 10,2 Prozent im vergangenen Jahr. Zugleich wird der Appetit der Täter immer größer: Die Zahl der versuchten Einbrüche stieg von 3008 im Jahr 2012 auf 3037 im Jahr 2013. Eine Änderung ist nicht in Sicht. „Die polizeilichen Feststellungen für die ersten Monate des laufenden Jahres lassen den Schluss zu, dass die Fallzahlen sich ähnlich wie 2013 entwickeln“, erklärt der Sprecher des Landespolizeiamts, Lothar Gahrmann. Er kommt zu der Erkenntnis: „Die Aufklärungsquote wird durch das neue Landeskonzept kaum beeinflusst. Wir halten es für einen richtigen Schritt – müssen aber nach wie vor sagen: Wir haben das Problem nicht wirklich im Griff.“

Das Landespolizeiamt setzt die vor zwei Jahren erfundene Taktik gemeinsam mit dem Landeskriminalamt um. Ziel ist es, durch einen verbesserten Informationsfluss zwischen verschiedenen Polizeibehörden und die zentrale Auswertung von Anzeigen und Berichten Taten bestimmten Gruppierungen besser zuordnen zu können. Es wird stärker als bei der konventionellen Aufklärung abgeglichen, ob die Merkmale einer Tat in das Raster anderer Fälle passen.

Durch Ermittlungen nach dem neuen Fahrplan hat die Polizei seit Herbst 2012 in 175 Fällen Täter oder Tätergruppen identifiziert und festgenommen. Wie viele einzelne Straftäter dahinter stehen, kann Gahrmann nicht beziffern. Nur soviel: Hinter den 175 Fällen stünden „etliche hundert Einbrüche“. 2013 ermittelte die Polizei zwischen Nord- und Ostsee insgesamt 764 Tatverdächtige für Wohnungseinbrüche. Zum Vergleich: 2012 waren es noch 864. Diese Zahlen enthalten allerdings auch Verdächtige, die nicht durch die Anwendung der neuen Strategie, sondern auf andere Weise aufflogen. Der Anteil ausländischer Krimineller stagniert. 2013 waren es 158, 107 davon Osteuropäer. Die Tathäufigkeit bleibt im Hamburger Umland am höchsten. Die Polizei führt das auf die dichtere Besiedlung und die besseren Einkommensverhältnisse als in anderen Landesteilen zurück. Wurde im letzten Jahr zum Beispiel im Kreis Pinneberg 1018 mal eingebrochen und im Kreis Stormarn 841 mal, passierte dies im Kreis Schleswig-Flensburg nur 265, im Kreis Nordfriesland sogar nur 184 mal.

Von einem Misserfolg der zwei Jahre alten Strategie will Gahrmann trotz der mauen Zahlenlage nicht sprechen. Das Konzept laufe weiter, es sei auf unbestimmte Zeit angelegt. „Auch wenn einzelnen Tätern lediglich einige wenige Taten nachgewiesen werden können, führt doch die Festnahme in der Regel dazu, dass eine fortgesetzte Tatbegehung verhindert wird“, betont der Sprecher des Landespolizeiamts. Der Schwerpunkt des Konzepts liege – „gerade mit dem Blick auf die besondere Gefährlichkeit der in den Blick genommenen Tatverdächtigen – auf der Verhinderung zukünftiger Einbrüche“. Demgegenüber liege der Fokus „nicht in erster Linie in der Aufklärung möglichst vieler, in der Vergangenheit registrierter Taten“, erklärt Gahrmann. „Denn die“, gibt er zu bedenken, „sind eh schon geschehen“, oft handele es sich auf um kleine Schadenssummen. „Uns sind die großen Fische, die Intensivtäter, wichtiger.“

Als einen Erfolg der Bevölkerung wertet Gahrmann die hohe Anzahl an Einbrüchen, die nicht über das Versuchsstadium hinauskommen. Das sei der Tatsache zu verdanken, dass die betroffenen Wohnungen und Häuser nach aktuellem Standard gesichert seien. „Das zeigt, dass Eigentümer und Mieter durch entsprechende Maßnahmen einen deutlichen Beitrag gegen Einbrüche leisten können.“

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