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Neue Radwege statt Straßenreparatur

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erstellt am 13.Aug.2013 | 01:14 Uhr

Kiel | "Mehr als 40 Prozent der Landesstraßen sind sanierungsbedürftig, 80 Prozent haben keinen frostsicheren Unterbau, viele sind so schmal, dass eine Begegnung von zwei Lkw unmöglich ist." Das Klagelied stammt nicht etwa von der Opposition, sondern aus der Feder der Grünen Landeschefin Ruth Kastner. Die Analyse sei goldrichtig - nur die Konsequenzen, die daraus gezogen werden, nicht, bemängelt FDP Verkehrsexperte Christopfer Vogt. Er wirft der Küstenkoalition aus SPD, Grünen und SSW eine "ideologisch verblendete Verkehrspolitik" vor. Statt die Schäden an den Landesstraßen zu beseitigen und damit Mobilität und Verkehrssicherheit zu gewährleisten, plane die Landesregierung, "neben die kaputten Straßen nagelneue Radwege zu bauen". Dafür sei eigens ein Etat mit fünf Millionen Euro eingerichtet worden. Geld, das viel nötiger sei, um die Löcher in den Asphaltdecken zu stopfen, "als nagelneue Wege zu bauen, die drei Mal im Jahr von einem Radfahrer benutzt werden".

Nach Berechnungen des Verkehrsministeriums und des Landesrechnungshofes beläuft sich der Sanierungsstau bei den Landesstraßen derzeit in der Tat auf über 100 Millionen Euro. Zudem sind von den rund 620 Brücken im Land 440 sanierungsbedürftig. Die für den Lastwagenverkehr gesperrte Rader Hochbrücke ist also kein Einzelfall.

Selbst die Omnibusunternehmen, die sich eigentlich daüber freuen müssten, dass die Regierung Albig das Finanzierungsverhältnis zwischen Straßenbau und ÖPNV von einst 70 zu 30 Prozent auf 30 zu 70 Prozent umgestellt hat, treten auf die Bremse. "Wir befahren etwa 80 Prozent aller Straßen mit unseren Bussen und haben ein Interesse daran, dass sie in Schuss sind", erklärte kürzlich Autokraft-Chef Alexander Möller und lieferte gleich eine Liste mit 22 Verkehrswegen, die nach Ansicht seiner Busfahrer ganz dringend saniert werden sollten. "Marode Oberfläche, abgebrochene Bankette" oder "durchgehend Schlaglöcher" - das seien nicht nur Herausforderungen für die Fahrer, sondern auch Risiken.

Erschwerend kommt hinzu, dass selbst 20 Prozent der Autobahnstrecken und 41 Prozent der Bundesstraßen im Norden dringend erneuerungsbedürftig sind und viele Kreis- und Gemeindestraßen einem löchrigen Schweizer Käse gleichen. Schuld ist unter anderem die dramatische Zunahme der Schwerverkehre. Wurden 1993 noch 2200 Anträge für Schwerlasttransporte gestellt, sind es 20 Jahre später 20 Mal so viele. Experten gehen davon aus, dass sie mitverantwortlich für das Desaster an der Rendsburger Autobahnbrücke sind. Hoffnungen, dass die kurzfristige Wiederinbetriebnahme einer weiteren Fahrspur im Kanaltunnel für Entlastung während der Brückenreperatur sorgen könnte, haben sich inzwischen zerschlagen. Experten halten es zwar für möglich, die laufende Tunnelsanierung zu unterbrechen, empfehlen dies aber nicht, weil der Aufwand gemessen am Nutzen zu groß wäre. Der Rückbau der Tunnelbaustelle und Sicherheitsmaßnahmen würde mehrere Millionen Euro kosten und die Sanierung des Tunnels womöglich um Jahre hinauszögern. Selbst ohne eine Unterbrechung werden sich die Arbeiten wohl bis ins Jahr 2015 hinziehen.

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