zur Navigation springen

Sonntagsverkauf : Neue Bäderregelung: Kritik der Einzelhändler wächst

vom

Bis 15. März müssen die Geschäfte auch in Tourismusorten sonntags schließen. Eine Petition dagegen an Ministerpräsident Torsten Albig verzeichnet schon fast 2000 Unterschriften.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 00:33 Uhr

Kiel | Am kommenden Sonntag öffnen die Geschäfte in den Touristen-Hochburgen vorerst zum letzten Mal, erst ab 15. März dürfen sonntags wieder Kunden bedient werden – so will es die neue Bäderregelung. Während Politik, Kirche und Tourismusverband die neue Verordnung für einen Kompromiss halten, mit dem alle Beteiligten leben können, wird die Kritik aus der Geschäftswelt lauter.

„Wir rechnen in der dunklen Jahreszeit mit Umsatzeinbußen von 50 Prozent“, sagt Sebastian Schmidt, Inhaber der Galerie „Stilhaus“ auf Gut Panker bei Lütjenburg (Kreis Plön). Er und seine Frau Christine haben deshalb eine Petition an Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) verfasst. Bis gestern gingen fast 2000 Unterschriften ein. Das Galeristen-Paar fordert eine Differenzierung zwischen Filialbetrieben und inhabergeführten Läden und Galerien. „Es kann nicht sein, dass kleine Läden und Galerien mit Aldi gleichgestellt werden.“ Gerade der Sonntag sei für ihre Galerie der umsatzstärkste Tag in der Nebensaison.

Als die neue Bäderverordnung vor rund einem Jahr beschlossen wurde, reagierten Tourismus-Vertreter auf der Insel Sylt entspannt: „Auf Sylt kann man mit diesem Kompromiss gut leben“, fand Peter Douven, Chef des Insel Sylt Tourismus-Service. Ein bisschen anders sieht das Carsten Wegst, Geschäftsführer des gleichnamigen Geschenkehauses in Westerland. Er hätte sein Geschäft bis Mitte März zwar sonntags ohnehin höchstens zur Biike geöffnet – die strengere Bäderverordnung ärgert ihn trotzdem: „Online-Shopping geht am Sonntag, an Flughäfen darf geöffnet werden – da regen sich die Kirchen dann nicht auf. Bloß dem stationären Einzelhandel, dem wird es schwer gemacht.“ Besonders erbost sind Sylter Geschäftsleute über die um zwei Stunden verkürzte Öffnungszeit an den verkaufsoffenen Sonntagen. Auf der Insel haben sich Verbände und Gemeinden darauf geeinigt, dass statt von 11 bis 19 Uhr von 12 bis 18 Uhr eingekauft werden darf. „Diese Stunde fehlt uns schon“, sagt Wegst, „Vormittags flanieren die Leute in der Stadt – da sind die Straßen auch jetzt im Winter um halb zwölf voll.“ Auch Sandra Brandt, deren Familie seit über 30 Jahren ein Spielwaren- und Andenkengeschäft in der Fußgängerzone betreibt, regt sich auf: „Gerade die kleineren Geschäfte leben von den Tagestouristen, die noch etwas einkaufen, wenn sie vormittags auf dem Weg zum Strand sind. Wenn die Öffnungszeiten sonntags schon eingeschränkt werden, hätte ich mir gewünscht, dass wir ab elf öffnen dürften.“

Grundsätzlich kann der Eckernförder Textilunternehmer Malte Behrendt mit dem ausgehandelten Kompromiss für die Bäderregelung leben. Aber: Die Unterbrechung der verkaufsoffenen Sonntage von Mitte Januar bis Mitte März sei den Kunden schwer zu vermitteln. Es seien zwar nicht die umsatzstärksten Wochen, „aber es ist schade, dass dadurch die Konstanz fehlt“, sagt Behrendt, der unter dem Label „Unito“ 15 Damenmodegeschäfte in Schleswig-Holstein und Hamburg mit über 100 Mitarbeitern betreibt. Sehr bitter sei der Verlust eines sehr umsatzstarken Dezember-Sonntags durch die neue Bäderregelung. „Das hat uns richtig weh getan“, sagt Behrendt. Eine Prognose über die Umsatzverluste möchte er nicht abgeben, aber bei Neueinstellungen oder der Beschäftigung von Aushilfen werde er diesen Umstand berücksichtigen müssen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen