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Nach Krawallen: Polizisten arbeiten Gewalterfahrungen auf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Hamburger Schanzenviertel am 21. Dezember. Polizei und vermummte Demonstranten stehen sich gegenüber. Steine fliegen. „Ich sehe, wie zwei Beamte einen leblosen Körper eines Polizisten zwischen sich in Sicherheit schleifen. Ein Kollege aus Bayern erzählt, dass ihm Demonstranten den Helm vom Kopf gerissen haben und beginnen, mit Dachlatten auf ihn einzuschlagen“, schildert Kevin Komolka, Landesjugendvorsitzender der Niedersächsischen Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Eindrücke eines Kollegen.

Nach den schweren Ausschreitungen in Hamburg wurden gestern die Gewalt-Erfahrungen bei einer Veranstaltung der Polizei aufgearbeitet.

Innensenator Michael Neumann (SPD) sagt, man stehe fassungslos vor der „Eruption dieser sinnlosen Gewalt“. Gewalt gegen Polizisten sei leider ein tagtägliches Phänomen. Dies bestätigt Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KfN): „Bei Streifendiensten werden Polizisten deutlich häufiger verletzt als bei Einsätzen, bei denen sie davon ausgehen können, dass es zu Gewalt kommen kann.“ Die Gewalt gegen Polizeibeamte aus staatsfeindlichen Gründen habe bundesweit zugenommen. Jüngste Erhebungen seines Institutes hätten ergeben, dass 2011 jeder vierte Übergriff auf Polizeibeamte aus politischen Gründen erfolgt sei. Der Kriminologe stellte sich hinter die GdP-Forderung, dass Angriffe auf Beamten nicht weiterhin als Bagatelldelikte gewertet werden sollen. „Die Körperverletzung gegen einen Polizeibeamten muss härter bestraft werden als die gegen einen Normalbürger.“ Denn: „Er muss seinen Kopf hinhalten und ist dienstlich verpflichtet, Dinge zu unterbinden, Leute festzunehmen.“

Doch es gab auch unbequeme Fragen – so auch, inwieweit die Polizei durch ihr Verhalten Gewalt nicht auch provoziert. Polizisten seien nicht gewaltbereiter als andere Bevölkerungsgruppen, heißt es in einer neuen KfN-Studie. Allerdings: Bei Burnout-Tendenzen würde sich die Gewalt schneller hochschaukeln.

Trotz der Gewalt – Komolka sagt: „Ich liebe meinen Beruf.“ Aber auch: „Noch mehr liebe ich meine Familie und die will, dass ich wieder heile nach Hause komme.“

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erstellt am 08.Feb.2014 | 00:34 Uhr

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